Literatur Kritiken


Neuer Thriller vom Autoren-Duo Nicci French

Von Susanna Gilbert-Sättele 15. Sep 2008, 14:08

Nicci French: Bis zum bitteren Ende © DPA

Nicci French: Bis zum bitteren Ende © DPA

München - Als Fahrradkurier bringt die junge Astrid nicht nur Päckchen, sondern auch Unglück ins Haus. Dort, wo die junge Londonerin läutet, lauert der Tod.

Zwei Frauen hat die Heldin in Nicci Frenchs neuem Psychothriller «Bis zum bitteren Ende» ermordet in ihren Heimen aufgefunden. Eine dritte lag zwischen Mülltonnen in Astrids unmittelbarer Nachbarschaft. Kein Wunder, dass die Polizei sie ins Visier nimmt. Der neue Roman des Erfolgsduos Nicci Gerrard und Sean French taugt wieder einmal als «fetziger Urlaubsreißer» («Die Zeit») oder als kurzweilige Bettlektüre, denn hier wird eine gute Geschichte erzählt, Spannung erzeugt und der Leser lange an der Nase herum geführt.

Dass der Meuchelmörder in Astrids Umkreis zu finden ist, wird Ermittlern und Lesern schnell klar. Die junge Frau lebt allerdings in einer Wohngemeinschaft mit sechs anderen zusammen, von denen jeder und jede infrage kommen könnte, auch wenn der Zusammenhang zwischen den Morden Rätsel aufgibt: Das erste Opfer, eine biedere Nachbarin, kannten alle nur vom Sehen, das zweite, eine reiche schöne Kundin des Fahrradkurier-Dienstes, gar nicht. Lediglich zu Leah, dem dritten Opfer, hatten alle WG-Bewohner engen Kontakt, wollte sie doch als des Besitzers Miles neue Freundin in das Haus einziehen und die anderen heraus ekeln.

Richtig gut entwickelt das Autorenpaar die Beziehung der Gruppe, die angesichts der schockierenden Geschehnisse schnell von einer verschworenen Gemeinschaft in vereinzelte, verängstigte und argwöhnische Individuen zerfällt, denen der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Auch die Polarisierung der Handlung zwischen der positiv besetzten Astrid und dem psychopathischen Mörder - die Geschichte wird nacheinander aus beider Perspektiven erzählt - ist ein gelungener Kunstgriff und - wie «Welt online» schreibt, «verstörend und betörend zugleich». Denn erst dadurch wird eine Motivkette im Rückblick vom Täter selbst erklärt, die sich dem Leser sonst nicht erschlossen hätte.

Der literarisch überaus fruchtbaren Schriftstellerehe French- Gerrard sind bislang zehn Krimis entsprungen. Nebenbei schreibt die 50-jährige Britin unter ihrem richtigen Namen Nicci Gerrard auch noch Familienromane.

Nicci French

Bis zum bitteren Ende

Bertelsmann Verlag, München

415 S., Euro 19,95

© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur

Kommentiere diesen Artikel

Mehr zum Thema

Buntes zum Lesen über den Bund fürs Leben

29. Mär 2010, 16:36

Buntes zum Lesen über den Bund fürs Leben
Berlin/München - Allein für diesen Buchtitel möchte man die Braut küssen - oder zumindest umarmen: «Wer Ja sagt, muss auch Onkel Horst einladen». ... mehr

«Der Tourist»: Fährtenreicher Agententhriller

29. Mär 2010, 12:26

«Der Tourist»: Fährtenreicher Agententhriller
München - Sie haben keine eigene Identität, sie haben keine Freunde, ihre oberste Maxime ist Misstrauen. Beim amerikanischen Geheimdienst CIA werden diese Topagenten unter der Bezeichnung «Touristen» geführt. ... mehr

Packender Gerichtskrimi: «So wahr uns Gott helfe»

29. Mär 2010, 12:18

Packender Gerichtskrimi: «So wahr uns Gott helfe»
München - Strafverteidiger Mickey Haller bekommt vom Obersten Gericht in Los Angeles überraschend einen hochkarätigen Fall übertragen, von dessen Auswirkungen und Gefahren für ihn selbst er zunächst nicht die blasseste Ahnung hat. ... mehr

Finnlands fast vergessener «Winterkrieg»

23. Mär 2010, 14:54

Finnlands fast vergessener «Winterkrieg»
Berlin - Die Rote Armee überfällt auf Befehl Stalins am frühen Morgen des 30. November 1939 Finnland. Die Finnen haben dem blitzartigen Angriff an der Grenze in Karelien wenig entgegenzusetzen. ... mehr

Eine algerisch-französische Liebesgeschichte

23. Mär 2010, 14:12

Eine algerisch-französische Liebesgeschichte
Berlin - Stellung beziehen, darum geht es in Yasmina Khadras Roman mit dem poetischen Titel «Die Schuld des Tages an die Nacht». Jounes erzählt als alter Mann von seinem Aufwachsen im Algerien der 1930er bis 1960er Jahre. ... mehr

Ihre Meinung!

Zur Zeit sind keine Kommentare für diesen Beitrag vorhanden.
Hier als erster einen neuen Kommentar verfassen

Mehr in Literatur

M&C WebTV

Kino
Auto
Live Konzerte

Mehr in Literatur

Information zu den Werbeformen

Informationen für Werbetreibende