Film Star Portrait


Selma Blair - 'Ich bin doch nur eine Schauspielerin'

Selma Blair spielt die Hauptrolle in 'Hellboy - Die goldene Armee' (Kinostart: 16.10.)

Von Leif Kramp 16. Okt 2008, 07:59

Zum Feuer hat es Liz Sherman (Selma Blair) schon immer hingezogen. © 2008 Universal Studios / Egon Endrenyi

Zum Feuer hat es Liz Sherman (Selma Blair) schon immer hingezogen. © 2008 Universal Studios / Egon Endrenyi

Wenn Selma Blair hustet, entschuldigt sie sich höflich damit, sie hätte Tuberkulose. Nur ein Witz, beeilt sie sich nachzuschieben und versucht sich zu vergewissern, dass ihr Gesprächspartner auch wirklich verstanden hat, dass sie es nicht ernst meint. In jüngster Zeit gab es einige Missverständnisse ihres Sarkasmus wegen. Ironie liest sich schlecht, schwarz auf weiß gedruckt, das hatte die 36-jährige Charakterdarstellerin mit dem finsteren Humor aus dem sonnigen Los Angeles schmerzlich feststellen müssen.

Die Darsteller Ron Perlman (links) und Selma Blair sowie der Regisseur Guillermo del Toro stellten ihren Film bei der Premiere in Los Angeles der Öffentlichkeit vor. © 2008 Getty Images

Die Darsteller Ron Perlman (links) und Selma Blair sowie der Regisseur Guillermo del Toro stellten ihren Film bei der Premiere in Los Angeles der Öffentlichkeit vor. © 2008 Getty Images

Jüngst hatte sie über ihre vermeintlichen Drogenerfahrungen räsoniert - alles nur zum Spaß und ohne dass ihre Beichte auch nur einen Funken Wahrheit enthielt. Jetzt ist sie etwas vorsichtiger geworden und fragt nach jedem Witz: 'Bekomme ich jetzt Probleme?' So sympathisch die Unsicherheit sie macht, so überraschend ist sie angesichts der Erfolge von Selma Blair. Sie arbeitet unermüdlich und hat sich längst einen Namen im Filmbetrieb Hollywoods gemacht. Im zweiten 'Hellboy'-Abenteuer (Kinostart: 16.10.) spielt sie erneut die Mutantin Liz, deren Wut sich in züngelnden Feuersbrünsten entlädt.

Hellboy (Ron Perlman) und seine Freundin Liz (Selma Blair) kehren in die Kinos zurück. © 2008 Universal Studios / Egon Endrenyi

Hellboy (Ron Perlman) und seine Freundin Liz (Selma Blair) kehren in die Kinos zurück. © 2008 Universal Studios / Egon Endrenyi

Im Interview spricht Selma Blair über Schönheitsideale, Familienpläne und den Fluch des falschen Gesichtsausdrucks.

teleschau: Fühlen Sie sich wohl hier in Berlin?

Selma Blair: Nachdem ich vor einigen Jahren schon mal hier war, konnte ich es kaum erwarten, zurückzukommen. Ich reiste extra einen Tag früher an, um etwas Zeit für mich zu haben. So konnte ich mir ausgiebig den Reichstag, das Holocaust-Mahnmal und das Jüdische Museum anschauen. Und ich war ordentlich shoppen.

teleschau: In 'Hellboy' tritt ein skurriler Deutscher als wandelndes Klischee auf. Hatten Sie selbst jemals Vorurteile gegenüber Deutschen?

Die Wut der Mutantin Liz (Selma Blair) entlädt sich in züngelnden Feuersbrünsten. © 2007 Universal Studios

Die Wut der Mutantin Liz (Selma Blair) entlädt sich in züngelnden Feuersbrünsten. © 2007 Universal Studios

Blair: Darauf soll ich einem Deutschen antworten? Ich bin doch nicht verrückt (lacht)! Nein, ehrlich: Mein Vater war ja selbst Deutscher. Nicht, dass ich ein besonders inniges Verhältnis zu ihm gehabt hätte, er verschwand an einem bestimmten Punkt aus meinem Leben, aber ich weiß zumindest noch seinen Nachnamen und glaube, seinen Heimatsort zu kennen. An ihm liegt es zwar sicherlich nicht, aber ich habe mich immer zu Deutschland hingezogen gefühlt. Ich kann das gar nicht erklären. Aber die Menschen waren hier immer nett zu mir. Und mich interessieren die Geschichte und die wunderschönen Regionen sehr.

teleschau: Haben Sie noch Verwandte hier?

Blair: Ich habe sie nicht kennen gelernt. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sie das wollen würden.

teleschau: Als Schauspielerin reisen Sie um die Welt und sehen Orte, die anderen verborgen bleiben. Ist für Sie ein Traum in Erfüllung gegangen?

Blair: Natürlich sehe ich mehr von der Welt, als wenn ich immer noch in Detroit, Michigan, leben würde, wo ich nur den Dunkin Donuts und die Stadtbibliothek zu Gesicht bekommen würde. Mein Leben ist also schon toll, ich beschwere mich nicht. Aber ich finde es schade, dass ich manchmal fast nichts von den Städten sehe, in denen ich arbeite. So war es auch diesmal in Budapest, ein wunderschöner Ort, der mich interessiert. Doch während der Dreharbeiten gab es keine Chance, sich damit zu beschäftigen. Wir drehten tagsüber und nachts, eigentlich ständig. Glücklicherweise war es mir wenigstens vergönnt, einen tollen Eisladen zu entdecken.

teleschau: Haben Sie durch den Eisgenuss Figurprobleme bekommen?

Blair: Ich nahm für eine Rolle in einer Fernsehserie, die ich unbedingt haben wollte, 25 Pfund zu. Eis spielte beim Zunehmen natürlich auch eine Rolle. Ich komme mit meinem neuen Gewicht ganz gut zurecht, außerdem beschützt mich die Rolle, sie ist eine gute Ausrede. Aber es ist schon irgendwie gewöhnungsbedürftig, weil ich mich in meiner Haut sehr wohl gefühlt habe, so wie es vorher war. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird.

teleschau: Wann folgt die Magerkur?

Blair: Wenn die Serie zu einem Erfolg wird, was ich hoffe, dann wird die wohl erst einmal ausbleiben. Außerdem war es ja auch reichlich schwer, mir das Gewicht anzufuttern. Ich gehe nicht mehr so häufig ins Fitnessstudio und esse meistens abends Dinge, die meinem Arzt gar nicht gefallen würden: Pizza, Eis, Doritos - mein Cholesterinspiegel ist bestimmt besorgniserregend.

teleschau: Viele Schauspielerinnen klagen über den Schönheitswahn in Hollywood. Wie gehen Sie damit um?

Blair: Um ehrlich zu sein, kümmert man sich in Hollywood herzlich wenig darum, wie viel Selma Blair wiegt. Ich gehöre nicht zu dieser Star-Klientel. Niemand setzt mich unter Druck.

teleschau: Zum zweiten Mal spielen Sie an der Seite von Ron Perlman die Freundin von 'Hellboy' - ein Selbstläufer?

Blair: Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich die Rolle quasi von alleine spielt: Doch habe ich erkennen müssen, dass Liz von ihrer Persönlichkeit her im ersten Teil ein Kind gewesen ist und ich nun eine gereifte Frau spielen musste. Die verletzliche Figur war gestern, jetzt ist sie eine starke, fordernde und selbstbewusste Person. Ich brauchte ein bisschen, um mich darauf einzustellen.

teleschau: Wie schwer ist es, neben virtuell am Computer erstellten Figuren zu spielen?

Blair: Es ist zwar ein Monsterfilm, aber wir haben kaum mit technischen Tricks wie Computeranimationen am Set gearbeitet. Die Kreaturen waren für uns Schauspieler echt: Es handelte sich fast komplett um lebensgroße Puppen und Nachbildungen. Sie alle wurden speziell für den Film geschaffen, es war faszinierend.

teleschau: Wie nahe gehen Ihnen solche Action-Rollen?

Blair: Es dauerte bis zum Schluss der Dreharbeiten, bis mir plötzlich klar wurde, dass ich die meiste Zeit das einzige menschliche Gesicht in der Truppe in die Kamera gehalten habe. Das war eine merkwürdige Erfahrung: Ich fühlte mich wie ein Freak, unsicher und verletzbar. Die Monster waren die echten Menschen mit den normalen Gefühlen. Ich aber spielte den kältesten, neutralsten Charakter am Set.

teleschau: Hatten Sie jemals Angst vor Monstern?

Blair: Ich hatte zwar Angst vor Haien, nachdem ich 'Der weiße Hai' gesehen hatte. Aber vor Hellboy würde ich nie Angst haben. Er ist ein Mann, in den ich mich verlieben könnte. Wirklich süß!

teleschau: Wie schwierig ist es, als Schauspielerin den 'Richtigen' zu finden?

Blair: Ich hoffe, dass irgendwann einmal der 'Richtige' für mich dabei sein wird. Ich glaube nicht, dass mein Beruf da irgendetwas ausmacht. Ich bin ja nicht als Schauspielerin aufgewachsen, sondern war auf der Universität und führte auch sonst ein ziemlich normales Leben weitab des Hollywood-Rummels. Es ist natürlich schön, einen starken Menschen an seiner Seite zu haben, doch ich kann auch gut ohne. Hoffentlich waren das nicht meine letzten Worte, sonst bereue ich spätestens in zehn Jahren und würde Gott um einen Mann anflehen! Im Ernst: Es wirkte auf mich nie so, als wäre diese Frage das Wichtigste in meinem Leben. Ich bin mit vier starken Frauen aufgewachsen, meiner Mutter und meinen drei Schwestern, und wir alle sind ganz gut ohne Männer ausgekommen (lacht).

teleschau: Halten Sie das klassische Familienbild tatsächlich für überholt?

Blair: Nein, nein. Ich würde liebend gerne eine Familie haben und wünsche mir ein Kind. Auch Zwillinge wären super, wo doch jetzt jeder in Hollywood Zwillinge zu bekommen scheint. Aber verkaufen würde ich Baby-Fotos nicht. Auch würde sich niemand dafür interessieren, geschweige denn etwas dafür zahlen, wenn es Bilder von Selma Blairs Zwillingen geben würde. Ich glaube, vor solchen Anfragen bin ich auf absehbare Zeit sicher. Das meine ich nicht selbstkritisch, sondern ich empfinde das als Glück.

teleschau: Was fasziniert Sie an finsteren Geschichten?

Blair: Das kann ich gar nicht erklären, zumindest nicht auf psychologischer Ebene. Ich bin auch nicht so wortgewandt, um es intelligent auszudrücken. Aber es hat mich stets interessiert, warum die Menschen aus dem natürlichen Lauf des Lebens immer ein solches Drama machen. Wenn jemand stirbt, dann reagieren alle so, als wäre es eine große tragische Überraschung. Doch ist der Tod gar nicht schockierend, sondern ganz natürlich und hat nichts mit einem schlimmen Ende zu tun. Ich möchte dann immer sagen: So ist es nun einmal - das Leben geht vorüber. Die Leute vergessen das nur allzu gerne. Vor allem die Amerikaner glauben unverwüstlich an das Happy End. Vielleicht lebe ich innerlich nur ganz woanders.

teleschau: Das hört sich an, als fühlten Sie sich wie eine Außenseiterin.

Blair: Ich bin ein wandelnder Widerspruch: Ich bin sensibel und taff zugleich und musste als Kind damit zurechtkommen, eine Außenseiterin zu sein. Glücklicherweise war es damit in der High-School-Zeit schon vorbei, aber vorher in der Grundschule war ich ziemlich seltsam. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie ich mein Gesicht dazu bringe, einen einladenden Eindruck zu machen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob es diese Fähigkeit überhaupt besitzt. Obwohl ich gerne das beliebte 'Family Girl' sein würde, kann ich es nicht vermitteln.

teleschau: Bedrückt es Sie, dadurch manchmal missverstanden zu werden?

Blair: Es geht sicherlich nicht mir allein so. Ich glaube, dass viele Menschen dieselben Probleme haben und sich hinter Sarkasmus verstecken. Wenn ich in die Defensive gerate, dann schütze ich mich damit, dass ich sarkastisch werde. Auch wenn es nicht so wirkt, ist es eine Furcht einflößende Sache, in die Welt rauszugehen und Interviews zu geben. Ich bin doch nur eine Schauspielerin. Und ich weiß nicht, wie ich es schaffen soll, dass mich alle mögen, obwohl ich wie jeder andere auch Fehler mache. Dann mauere ich mich ein, werde sensibel und tue so, als hätte ich eine harte Schale.

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