Musik Kritiken
CD Kritik: Encore von David Garrett
Von Hans Czerny 3. Nov 2008, 06:57

© Warner
Schneller, höher, weiter scheint das olympische Motto des Zaubergeigers David Garrett zu sein. In der Tat steht der Mann seit Mai 2008 im Guinness-Buch der Rekorde, weil es ihm gelang, in der britischen Fernsehshow 'Blue Peter' den 'Hummelflug' von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow in nur 66 Sekunden - 13 Noten pro Sekunde - zu spielen. Damit hat sich Garrett bereits jetzt fürs Rahmenprogramm der Olympischen Spiele 2010 in London qualifiziert. Der Crossover-Geiger, 1980 als Sohn eines Deutschen und einer amerikanischen Primaballerina in Aachen geboren, studierte ab 1999 in der Meisterklasse von Itzhak Perlman an der berühmten Juilliard School of Music in New York. Er weiß also stets, was er tut - auch wenn sich bei seinen Brahms-, Mozart-, Bach- oder Vivaldi-Versionen die Altmeister im Grabe drehen mögen.
Garrett will den zu Beginn der 70er-Jahre an die Gitarre verlorenen Thron der Rockmusik für die Geige zurückerobern. Ganz schön kühn: Also lässt er die Saiten krachen, schraubt sich in ungeahnte Juchzhöhen hinauf, trommelt oder stößt mit dem Bogen, je nachdem - als wär's die Flöte oder ein Percussion-Arsenal.
Von allem ist auf Garretts neuer CD ein wenig versammelt: hier ein hochgetuntes Klassikstück, dort Vivaldis 'Sommer' aus den 'Vier Jahreszeiten', kühn und ungeheuer schnell verrockt, dann wieder - eine verzeihliche Entgleisung - die liebestrunkene Arie 'O mio babbino caro' aus Puccinis 'Gianni Schicchi', womit er mit den Stimmen großer Sängerinnen kokettiert. Mag ja sein, dass die Geige der menschlichen Stimme nahe ist, wie Garrett erklärt. Aber Arien? Muss im New Yorker Aufnahmestudio nicht sein.
Doch wer weiß, worauf er sich bei Garretts Revival einlässt, ist mit dem fetzigen Klassik-Rock gewiss gut bedient. Spätestens bei der Tempo-Zugabe 'Zorbas Dance' hat man alle Bedenken abgelegt. Der Hörer gerät schon sitzend außer Atem, Anthony Quinn vor Augen. Allein: Zum Tellerwerfen sollte es noch reichen. Teppich weg.
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