Englands hübschester Filmexport heißt Gemma Arterton. Die erst 22-Jährige spielt die naive Nachwuchsagentin Fields im aktuellen James-Bond-Abenteuer 'Ein Quantum Trost' (Start: 06.11.). Aber Miss Fields darf sich dennoch darauf verlassen, dass Frauenkenner 007 (Daniel Craig) die physischen ebenso wie die charakterlichen Vorzüge seiner Partnerin enttarnt, trotz unscheinbarem Pagenkopf und biederem Trenchcoat. Schließlich leistet sie ihm wertvolle Hilfe auf einem ganz persönlichen Rachefeldzug, bei dem nicht einmal mehr Bonds Chefin M (Judi Dench) ihren Topagenten deckt.
Bond-Girl mit gerade einmal 22 Jahren: Gemma Arterton. © 2008 Sony Pictures / Danjaq, LLC
Direkt von der Schauspielschule in den Kino-Olymp: Gemma Arterton. © 2008 Sony Pictures Releasing GmbH
Im Interview spricht Gemma Arterton über die Sixties, Sex mit 007 und ihren nächsten Film.
teleschau: Wie wird man eigentlich Bond-Girl?
Gemma Arterton: Sie meinen, mit wem muss man schlafen? Mit niemandem, das ist ein überkommenes Klischee. Ich habe in einem Shakespearestück auf der Bühne gestanden, wurde gesehen und dann zum Vorsprechen bestellt. Dann dachte ich: Von denen hörst du nie wieder was. Aber dann kam die Einladung zum zweiten Termin, und da traf ich dann auch den Regisseur Marc Forster. Dennoch war ich seltsamerweise die Einzige, die auch noch einen Screen-Test absolvieren musste, eine zermürbende Angelegenheit.
Die gebürtige Engländerin Gemma Arterton (22) spielt eines von zwei Bond-Girls. Doch nur ihr ist es vergönnt, mit 007 (Daniel Craig) ein Schäferstündchen zu verbringen. © 2008 Sony Pictures Releasing GmbH
Aber auf dem Weg dahin lief im Autoradio der Bond-Song 'Nobody Does It Better'. Ich dachte mir: Das ist ein Zeichen!
teleschau: Welches war der erste Bond-Film, den Sie als Kind gesehen haben?
Arterton: Da James-Bond-Filme im englischen Fernsehen beinahe jede Woche liefen, haben sie sich in meiner Erinnerung alle zu einem einzigen, langen Mega-Bond vermischt. Ich glaube, es war 'Goldfinger'. Das ist doch der, in dem der dicke Bösewicht 007 mit dem Laser zerschneiden will, oder nicht? Auf jeden Fall spielte Sean Connery den Geheimagenten. In ihn war ich als kleines Mädchen schwer verliebt.
James Bond (Daniel Craig) und seine beiden Girls: Olga Kurylenko (links) und Gemma Arterton. © 2008 Sony Pictures Releasing GmbH
teleschau: Ihre erste Begegnung mit James Bond im aktuellen Film wirkt ungefähr so emanzipiert wie zu Zeiten Sean Connerys ...
Arterton: Agentin Fields könnte noch aus der Feder von Buchautor Ian Fleming selbst stammen und würde auch in die frühen Sechziger passen. Sie ist sehr, sehr englisch - von der Haarfarbe bis zum Regenmantel. Ich habe versucht, die Figur mit einem kleinen Augenzwinkern zu spielen. Fields vereint den Sekretariatscharme von Miss Moneypenny mit viel Sex-Appeal und Frechheit. Deshalb ist sie auch der perfekte Kontrast zur kämpferischen Frauenfigur Camille, die Olga Kurylenko spielt. Agentin Fields ist einfach eine frivole, witzige Nostalgiefigur in einem sehr modernen Film.
teleschau: Dann ist das Label 'Bond-Girl 2008' für Sie kein Schandmal?
Arterton: Diese Filmreihe besitzt Kultstatus, und es ist vollkommen egal, dass die Frauen darin etwas Formelhaftes an sich haben und nicht gerade revolutionär sind. Sie verkörpern ein durchgängiges Thema, das immer wieder neu interpretiert werden muss. Mit Agentin Fields zum Beispiel könnte auch ein Durchschnittsmann im nächsten Pub ein Bier trinken gehen. Sie steigt nicht als unerreichbare Traumfrau aus den Fluten. Außerdem freue ich mich darauf, meinen Enkelkindern später stolz verkünden zu können: Die Oma war mal mit James Bond im Bett!
teleschau: Werden Ihnen jetzt nur noch Nacktrollen angeboten?
Arterton: Leider nein (lacht). Ich drehe gerade die Filmfassung des Videogames 'Prince of Persia'. Da geht es sehr hochgeschlossen zu. Sie wissen schon, wegen der vielen Sandstürme in der Wüste. Im Ernst: Ich spiele die Prinzessin Tamina und darf endlich auch mal reiten, kämpfen und tolle Actionszenen spielen.
teleschau: Sie haben an der elitären Royal Academy of Dramatic Arts studiert, um die Heldin eines Computerspiels zu verkörpern?
Arterton: Immerhin spielt auch Jake Gyllenhaal mit. Ich fand das Drehbuch sehr spannend und vielschichtig. Und die Tatsache, dass Mike Newell Regie führt, der immerhin 'Vier Hochzeiten und ein Todesfall' inszeniert hat, spricht doch für einen intelligenten Film.
teleschau: Und was treiben Sie, wenn Sie keine intelligenten Filme drehen?
Arterton: Ich bleibe den ganzen Tag im Bett und höre laut Radiohead und Led Zeppelin. Aber ehrlich gesagt, hatte ich vor lauter Arbeit im letzten Jahr keine Zeit, um auch nur einen einzigen Tag im Bett zu verbringen.
© 2008 teleschau - der mediendienst
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