TV Star Portrait
Sky du Mont - 'Da esse ich lieber Schokolade'
Sky du Mont spielt in 'Herz aus Schokolade' einen netten Kerl (So., 30.11., 20.15 Uhr, ZDF)
Von Petra Fürst 10. Nov 2008, 07:59

'Ich mache alle Witze darüber selbst, bevor sie andere machen', sagt Sky du Mont zum Thema Alter. © ZDF / Jacqueline Krause-Burberg
'Man wird mich kaum erkennen', freut sich Sky du Mont fast ein bisschen. Der Schauspieler steht gerade in Graz vor der Kamera und spielt einen 'Detektiv wider Willen', einen Anwalt, der sich mit wirren Haaren, unrasiert und in der immergleichen Lederjacke in einen Kriminalfall verstrickt. 'Ein sehr netter Mensch' sei der aber, und das mache ihm gerade Spaß, erklärt Sky du Mont. Ebenfalls für Produzentin Susanne Porsche, mit der ihn ein gutes Arbeitsverhältnis verbinde, spielte Sky du Mont einen netten Kerl in 'Herz aus Schokolade' (So., 30.11., 20.15 Uhr, ZDF) in der belgischen Pralinen-Stadt Brügge.

Während er sich von diesem Zuckerschock noch immer erholt, beweist der Tausendsassa, der unter anderem den Celebrity-Talk 'Sky & Stars' bei Premiere präsentiert (So., 14.12., 22.10 Uhr, Premiere 1), dass er auch abseits der Kamera zu den sympathischen Zeitgenossen gehört. Das Wort 'Gentleman' mag der 61-Jährige, der mit Frau und zwei Kindern in Hamburg lebt, zwar nicht so gerne ('Dazu stelle ich mir Horst Tappert mit Bowler Hat vor - Sie auch, geben Sie's zu!'), aber Schelm mit Manieren wäre vielleicht ohnehin treffender. Und auch unterhaltsamer.

teleschau: Herr du Mont, haben Sie einen ungefähren Überblick, wie viele Pralinen Sie während der Dreharbeiten zu 'Herz aus Schokolade' in Brügge verdrückt haben?
Sky du Mont: Einige. Wenn Sie's genau wissen wollen: Ich leide immer noch darunter und esse zurzeit ganz wenig. Ich bin ein totaler Schokoladenfreak! Es fing schon damit an, dass da immer Pralinen waren, wenn ich ins Hotelzimmer kam. Da werde ich zum Junkie.
teleschau: Wie muss man sich das vorstellen?
du Mont: Ich legte die Schachtel extra oben auf den Schrank. Dann sah ich fern und konnte mich nicht mehr auf das Bild konzentrieren, bis ich diese Packung in mich 'reingestopft hatte!

Mein Cholesterin kam mir zu den Ohren raus in der Zeit. Ich musste auch unbedingt die Pralinen, die ich für meine Tochter gekauft hatte, selbst probieren. Plötzlich hatte ich davon fünf gegessen und musste die Schachtel mit Papier wieder ein wenig auffüllen ...
teleschau: Dabei sind Sie doch der deutsche Gentleman Nummer eins! Das ergab zumindest eine FORSA-Umfrage, die der Bezahlsender Premiere in Auftrag gegeben hatte ...
du Mont (brummelt): Jaa.
teleschau: Das klingt nicht unbedingt geschmeichelt.
du Mont: Ach, nö. Ich find's nett. Es ist mir lieber, als der größte Armleuchter Deutschlands zu sein.

Aber ich bin nicht mehr in dem Alter, in dem einen solche Dinge besonders beeindrucken.
teleschau: Anders gefragt: Sehen Sie sich selbst auch als einen der letzten Gentlemen?
du Mont: Ich würde sagen, ich habe gute Manieren, ja. Das bedeutet für mich, sich im Leben so zu bewegen, dass man Menschen nicht unnötig auf die Zehen tritt. Ohne jemanden unnötig zu verletzen und ästhetisch zu stören. Ich finde, das geht immer mehr verloren. Wenn ich jemandem die Türe aufhalte, laufen die Leute mittlerweile schon hindurch, ohne Danke zu sagen. - Aber ich bin auch in einem Alter, in dem man noch Manieren gelernt hat. Ich wurde eben gut erzogen, von einer Frau. Meine Mutter hat mich auch sehr emanzipiert erzogen, was mir ganz gut passt.
teleschau: Wann macht sich das bemerkbar?
du Mont: In der Beziehung zum Beispiel. Ich bügle meine Hemden selbst. Emanzipierung bedeutet für mich einfach die absolute Gleichwertigkeit. Vor ein paar Tagen hörte ich eine Frau erzählen: 'Mein Vater trägt nicht mal einen Teller nach dem Essen in die Küche.' So etwas ist für mich unvorstellbar. Das sind Dinge, über die ich in meinem Leben nie nachgedacht habe. Und wieso soll eine Frau auch weniger verdienen als ein Mann? Verstehe ich überhaupt nicht. Wenn ich darüber nachdenke, ist das eigentlich unglaublich.
teleschau: Verraten Sie eine Situation, in der Sie die Manieren auch gerne mal außen vor lassen?
du Mont: Ja, das gibt es sogar häufig. Wenn Professor Biedenkopf in einer Live-Talkshow beispielsweise zu mir sagt: 'Man merkt halt, dass Sie bloß Schauspieler sind und nicht Politiker' - Da möchte ich eigentlich am liebsten sagen: 'Was sind Sie eigentlich für ein arroganter ... Mensch? Mir so etwas ins Gesicht zu sagen? Wen beleidigen Sie damit? Eigentlich Millionen von Menschen, wenn Sie glauben, alle anderen abwerten zu können außer Politiker!' Da bekomme ich einen Blutrausch. Oder nehmen Sie Herrn Schröder, wie er damals nach der Wahl auftrat, wissen Sie noch? Ein solch mangelnder Respekt Frau Merkel gegenüber! Man mag sie mögen oder nicht ... Aber sie ist eine Frau, eine etablierte Politikerin, sie hat ihm nichts getan. Das sind einfach schlechte Manieren. Da bin ich dann im hohen Alter sehr direkt geworden!
teleschau: Sie spielen auffallend häufig auf Ihr Alter an ...
du Mont: Ich mache alle Witze darüber selbst, bevor sie andere machen. Das ist mein Motto.
teleschau: In 'Herz aus Schokolade' gibt es eine Szene, in der Sie in der Rolle des Pieter van Eyck versuchen, vor Ihrer Liebsten einen Hexenschuss zu vertuschen. Haben Sie sich selbst schon einmal dabei beobachtet, ein Zipperlein zu verbergen?
du Mont: Ich finde, so etwas kann man ruhig zugeben. Ich weine auch, und schäme mich nicht deswegen. Held sein ist doof. Helden sind eigentlich nur Menschen, die nicht ahnen, was passieren kann. Das hat mal ein sehr viel klügerer Mensch als ich gesagt. Wenn ein Opa überfallen wird, und einer den Dieb mit dem Regenschirm in die Flucht schlägt, dann würde ich nicht sagen, dass er ein Held ist. Der hat einfach nicht darüber nachgedacht, dass der andere die Knarre rausholen und schießen könnte. - Was natürlich nicht so ganz stimmt ... Aber was die Zipperlein angeht: Es gibt nichts Langweiligeres als Menschen, die einem erzählen, was ihnen alles weh tut. Aus diesem Grund würde ich es nicht sagen. Meiner Partnerin natürlich schon.
teleschau: Ist denn Alter gerade ein Thema, das Sie sehr beschäftigt?
du Mont: Natürlich ist es ein Thema. Klar merke ich, dass ich nicht mehr so locker in den vierten Stock hochkomme wie früher. Ich nehme immer die Treppe, nicht den Lift. Aber es ist auch wieder eigentlich kein Thema, weil ich, glaube ich, in Würde älter werde und nicht so tue, als wäre ich jünger.
teleschau: Also war es auch kein dramatischer Einschnitt in Ihrem Leben, als Sie im vergangenen Jahr 60 wurden?
du Mont: Nein, das wurde missinterpretiert. Ich feiere grundsätzlich nicht Geburtstag. Meine Mutter erzählte mir mal, dass mir das schon als Kind unangenehm war, weil ich immer das Gefühl hatte: Die müssen mir jetzt was schenken, und wenn ich das nicht mag, muss ich so tun, als ob ich es mögen würde. Das ist tatsächlich die Grundsituation. Normalerweise fahre ich an meinem Geburtstag sogar weg.
teleschau: Derzeit sieht man Sie auch als Moderator der Sendung 'Sky & Stars' bei Premiere. Sie treffen darin Hollywoodstars wie Kirk Douglas zum Interview ...
du Mont: Ich hatte lauter großartige Gäste! Das tollste Interview, das ich in meinem Leben geführt habe, war jetzt mit Jane Fonda. Sie erzählte mir etwas, das mir eine Gänsehaut verursachte. Nur so viel: Es ist etwas, das sie zuvor noch nie erzählt hatte. Und es hat mit Marilyn Monroe zu tun ... Ich traf auch Richard Chamberlain, Maximilian Schell und Whoopi Goldberg. Nicht schlecht, oder? Ich bin auch sehr stolz, dass ich für diese Sendung ausgewählt wurde. Natürlich habe ich einen Vorteil durch 'Eyes Wide Shut', den ich mit Stanley Kubrick drehte. Das öffnet Türen. Aber ich unterhalte mich auch gerne und bin neugierig.
teleschau: Sie standen selbst auch jahrelang in den USA vor der Kamera ... Gibt es etwas, das Sie an solchen Hollywood-Stars besonders beeindruckt?
du Mont: Mich hat schon beeindruckt, wie jemand wie Kirk Douglas damals in der McCarthy-Ära einen Drehbuchautor engagierte, der auf der schwarzen Liste stand. Er produzierte 'Spartacus' bereits selbst und engagierte den damals völlig unbekannten Stanley Kubrick, den der Verleih gar nicht wollte! Diese Zivilcourage beeindruckt mich. Und auch diese unglaubliche Disziplin von Hollywood-Stars, die eigentlich ihr ganzes Leben dem Beruf opfern. So wichtig ist mir die Karriere nicht. Sie essen kaum was, sie sind sportlich ... Paul Newman hielt, glaube ich, bis zum Schluss noch täglich sein Gesicht in Eiswasser. Da esse ich lieber Schokolade.
teleschau: Sie selbst sind neben Ihrer Karriere als Schauspieler auch noch auf vielen anderen Gebieten aktiv, schreiben Bücher, engagieren sich für wohltätige Zwecke und die FDP ... Sind Sie so vielseitig interessiert oder wird Ihnen sonst schnell langweilig?
du Mont: Beides. Ich glaube, die meisten Menschen haben ganz unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen, aber vielleicht nicht das Glück, sie entwickeln zu dürfen. Klar kam ich in die Politik, weil meine 'Prominenz' mir geholfen hat. Aber politisch war ich immer. Ich finde, das sollte jeder sein. Ich will jedoch nicht meine Popularität ausnutzen, um Dinge zu transportieren. Ich hatte eben Glück, und ich habe mein Schicksal immer in die eigene Hand genommen. Außerdem war mir klar, dass nur auf einem Bein zu stehen in meinem Beruf tödlich sein kann: Plötzlich hast du nichts mehr zu tun ... Das kann mir eigentlich nicht mehr passieren. Das gibt mir die schönste Freiheit, die ein Mensch haben kann, nämlich das zu machen, wozu ich Lust habe und auch mal sagen zu können: 'Nicht mit mir. Ich gehe nach Hause.' Das genieße ich sehr. © 2008 teleschau - der mediendienst
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30. Nov 2008, 20:15
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