Ob Kabarettisten oder Stand-Up-Comedians - im Kino stehen sie beide vor dem gleichen Problem: Es gilt, ihre Figuren, die sonst völlig autark auf einer leeren Bühne agieren dürfen, in ein konkretes Umfeld einzufügen. Ein Kinofilm ist keine One-Man-Show, die weiteren Darsteller dürfen neben dem Star nicht nur zum Stichwortgeber degradiert werden. Dem Kabarettisten Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig gelang das bei seinem Kinodebüt 'Vorne ist verdammt weit weg' (2007) die meiste Zeit recht gut. Aber: 'Erwin Wer?', fragten zumindest all jene, die nördlich des Weißwurst-Äquators leben.
Frank-Markus Barwassers Komödie 'Vorne ist verdammt weit weg' erscheint nun auf DVD. © Warner Home Video
Chantal (Christiane Paul) und Pelzig (Frank-Markus Barwasser) schmieden einen Plan. © Warner Home Video
Sogar einer Reihe von Hauptdarstellern war der Name Pelzig bis zum Angebot, in dessen Film mitwirken zu dürfen, unbekannt. Gestehen sie jedenfalls in einem charmanten 'Hinter den Kulissen'-Extra (39 Minuten), das einen echten Mehrwert für die DVD darstellt, die nun auf den Markt kommt.
In Bayern, zuvorderst in Franken, ist Barwasser seit weit über einem Jahrzehnt bekannt. Der gebürtige Würzburger machte Radio und führt im Dritten durch die Talkshow 'Pelzig unterhält sich', in der die Kunstfigur Erwin Pelzig auf Prominente trifft. Inzwischen ist ihm gar der Sprung ins Erste gelungen.
Erwin Pelzig (Frank-Markus Barwasser, links) springt als neuer Fahrer des Firmenchefs Eduard Bieger (Philipp Sonntag) ein. © Warner Home Video
Auf der Bühne hat Barwasser eigentlich drei Alter Egos, doch sein Pelzig hat ihn berühmt gemacht: eine Plaudertasche, die es aber gut meint mit der Welt. Einer, der sagt, was er denkt. Ein bisschen naiv, ein bisschen altklug. Manchmal ein wenig ungeschickt im Umgang mit anderen. Einer, der respektlos den Oberen gegenüber ist. Und vor allem einer, der an das Gute glaubt. Ihn galt es samt Hütchen und Herrenhandtasche einzubinden in eine zeitgemäße Handlung. Regisseur Thomas Heinemann und Frank-Markus Barwasser, langjährige Weggefährten, verfassten das Drehbuch zu 'Vorne ist verdammt weit weg', den in Deutschland am Ende rund 250.000 Zuschauer sahen.
Firmenchef Eduard Bieger (Philipp Sonntag, links) wird langsam klar, dass es sein neuer Chauffeur Pelzig (Frank-Markus Barwasser) ja eigentlich nur gut mit ihm meint. © Warner Home Video
Die Story, die Pelzig durchlebt, ist jedoch allzu naiv erzählt. Eine Wirtschaftssatire, die an der Oberfläche bleibt und die Mechanismen der Marktwirtschaft auf ein paar Aktienkäufe und -verkäufe reduziert. Alles beginnt mit einem Unfall, bei dem der Chauffeur Johann Griesmaier (Peter Lohmeyer als Grantler) sein Bein und damit erst einmal auch seinen Job verliert. Das zu verhindern, macht sich sein Nachbar Pelzig zur Aufgabe. Er tritt deshalb vorübergehend Griesmaiers Stelle als Fahrer des Firmenchefs Eduard Bieger (Philipp Sonntag) an.
Der Seniorchef der 'Bieger Einkaufswagenfabrik AG' hat sich nach einem Herzinfarkt einige Monate Auszeit genommen.
Beim Dreh: Regisseur Thomas Heinemann (links) mit den beiden Hauptdarstellern Christiane Paul und Frank-Markus Barwasser. © Warner Home Video
Als er zurückkehrt, hat seine Tochter Melanie (Franziska Schlattner) gemeinsam mit ihrem durchtriebenen Freund und Berater Max (Tobias Oertel) die Leitung der Firma an sich gerissen. Die Folge: Es sieht schlecht aus um den Standort Deutschland, Entlassungen stehen an. Pelzig erkennt diese Pläne, doch sein Chef mag nicht hören. Also nimmt er die Sache selbst in die Hand.
Zur Seite steht ihm dabei die Edelprostituierte Chantal (Christiane Paul), die einst - ein reichlich gewagter Kunstgriff des Drehbuchs - Wirtschaftsanwältin war und damit über das notwendige Fachwissen verfügt.
Erwin Pelzig (Frank-Markus Barwasser, links) redet auf den Firmenchef Eduard Bieger (Philipp Sonntag) ein. © Warner Home Video
Die beiden entwickeln einen Plan, einen erstaunlich simplen, um das Übel abzuwenden.
Frank Markus Barwassers, also Erwins Pelzigs, erster Kinofilm befindet sich irgendwo zwischen 'Komödienstadel' und Charlie Chaplins 'Moderne Zeiten'. Da ist viel Raum dazwischen, und genüsslich schaut sich Pelzig jeden Quadratmeter davon an. Der Film beinhaltet Klamaukiges wie Hintergründiges gleichermaßen, wobei die Mehrzahl der Pointen Barwasser gehören.
Die DVD beinhaltet neben einem kurzen, eigentlich überflüssigen Making Of einen Blick hinter die Kulissen, in dem zahlreiche Beteiligte zu Wort kommen. Eine humorvoll inszenierte, pointierte Doku, deren zweite Hälfte aus einem Bühnenvortrag der Kunstfigur Pelzig besteht, in dem sie sich an Anekdoten vom Dreh erinnert: eine geklaute Regieklappe, ein von der Polizei angezeigtes Fahrzeug mit fiktiver Autonummer ('Den Halter suchen die heute noch') sowie die Wette eines Regieassistenten, in jedem seiner Filme ein Trikot vom 1. FC Köln unterzubringen - was die Laune des leidenschaftlichen Schalke-Fans Peter Lohmeyer nicht gerade beflügelte.
Die gefühlvolle Musik von Peter Licht prägt den ansonsten dialogreichen Film, dessen Sound auf DVD zurückhaltend, aber fehlerfrei bleibt. Das Bild gefällt bei einigen Außenaufnahmen durch kräftige Farben, hüllt sich aber meist - der Stimmung angemessen - in erdigere Töne.© 2008 teleschau - der mediendienst
"Christiane Paul" ist der Name folgender Personen: ....
"Frank-Markus Barwasser" (* 16. Februar 1960 in Würzburg) ist ein unterfränkischer Kabarettist, Mundartkünstler und Schöpfer der bekannten Figur des "Erwin Pelzig". ....
"Peter Lohmeyer" (* 22. Januar 1962 in Niedermarsberg) ist ein deutscher Schauspieler. ....
"Philipp Sonntag" (* 18. Dezember 1941 in Bad Warmbrunn, Niederschlesien heute "Cieplice ?l?skie-Zdrój", Stadtteil von Hirschberg im Riesengebirge/Polen) ist ein deutscher Schauspieler, Kabarettist, Drehbuchautor und Regisseur. ....
12. Mär 2010, 18:27
Das Schicksal meinte es nicht gut mit dem Polizisten Schneider, aber er schafft es, sich aufzurappeln und hilft den Menschen. ...
mehr
12. Mär 2010, 18:27
Der erste komplett am Computer animierte Film muss sich auch heute nicht vor modernen Kinder- und Jugendfilmen verstecken. ...
mehr
12. Mär 2010, 18:27
Horrorthriller, in dem ein adoptiertes Waisenkind das Leben seiner Familie zur Hölle macht. ...
mehr
12. Mär 2010, 18:27
Marc Webbs Indie-Komödie '(500) Days of Summer' ist eine charmante Liebeserklärung an die Schmerzen eines Beziehungstaumels, die originell aufgezäumt wird. ...
mehr
12. Mär 2010, 18:26
Lars von Trier schickt Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe zwecks Seelenstrip und genitaler Selbstverstümmelung in den nordrhein-westfälischen Wald. ...
mehr
Zur Zeit sind keine Kommentare für diesen Beitrag vorhanden.
Hier als erster einen neuen Kommentar verfassen