'Diese Unterwasserwelt ist so faszinierend. Man hat das Gefühl, der Schöpfung sehr nahe zu sein.' Veronica Ferres liebt das Tauchen. In Worten malt sie ein buntes Bild von Farben und Fischen. Bis Karsten Brensing seine Lautsprecher anwirft ... Mit fiesen, akustischen Unterwasseraufnahmen demonstriert der Meeresbiologe eindrucksvoll den Krach, den Schiffsschrauben, militärische Sonare und zunehmend der Einsatz seismischer Verfahren bei der Suche nach Energiequellen unter Wasser machen. Von der sogenannten Verlärmung der Meere ist die Rede, einem bislang wenig beachteten Problem, das vor allem Walen und Delfinen schwer zu schaffen macht.
Im ZDF-Zweiteiler 'Geheimnis der Wale', der gerade in Südafrika gedreht wird, kämpft Veronica Ferres (rechts, mit Filmtochter Alicia von Rittberg) gegen Umweltsünder. © ZDF / Kelly Walsh
Schauspieler Mario Adorf, der in 'Geheimnis der Wale' einen Walforscher spielt, zeigte großes Interesse für das Leben der Meeressäuger. © teleschau
Das nächste große gemeinsame Projekt von Veronica Ferres und Nico Hofmanns Produktionsfirma teamWorx will dem nun in Form eines Umweltdramas Gehör verschaffen.
Neben Mario Adorf und Christopher Lambert steht die Schauspielerin derzeit in Südafrika für den ZDF-Zweiteiler mit dem Arbeitstitel 'Geheimnis der Wale' vor der Kamera. Nicht nur die tierischen Nebendarsteller und das ökologische Anliegen fallen besonders groß aus, man hat sich auch sonst einiges vorgenommen.
Christopher Lambert verleiht der teamWorx-Produktion 'Geheimnis der Wale', in dem er an der Seite von Veronica Ferres dreht, Internationalität. © ZDF / Kelly Walsh
'Das Geheimnis der Wale' steht, wenn man dem Produzententeam glaubt (Nico Hofmann und Sascha Schwingel von teamWorx, in Zusammenarbeit mit Moritz von Koss von kossmo film sowie als Koproduzent Veronica Ferres' Ehemann Martin J. Krug mit Bella Vita Film), außerdem für die Weiterführung eines neuen Realismus, eines neuen Trends im Event-Film und einen neuen Sonntagabend im ZDF.
Zunächst aber jagt nun Dr. Karsten Brensing, Meeresbiologe im Dienst der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society) und Fachberater der Produktion, im Rahmen eines kleinen Vortrags höchst unangenehme Töne durch die Boxen.
Im ZDF-Umweltdrama 'Geheimnis der Wale' spielt Veronica Ferres die Tochter von Mario Adorf, der in der Rolle eines Walforschers zu sehen ist. © ZDF / Kelly Walsh
Mario Adorf zuckt zusammen, als er sich zusammen mit Journalisten in Kapstadt erklären lässt: 'Die Situation ist vergleichbar mit der, als wir vor 20, 30 Jahren eine Vorstellung davon bekamen, wie die Meeresverschmutzung durch Chemikalien die Tiere gefährdet', erklärt Brensing. 'So ähnlich ist es jetzt mit der Verschmutzung durch Lärm. Wir wissen, dass sie für die Tiere gefährlich ist, und dass die Industrialisierung und Schifffahrt den Geräuschpegel weiter erhöhen werden.'
Für Wale und Delfine kann das lebensbedrohlich sein, da sie sich durch akustische Signale unter Wasser orientieren.
In Südafrika dreht Veronica Ferres derzeit erstmals zusammen mit Christopher Lambert. © ZDF / Kelly Walsh
Im Film sind sogenannte Airguns die Quelle des Lärms: Auf diese Weise sollen durch Schallwellen Erdgas- oder Erdölquellen im Meeresgrund ausfindig gemacht werden. Der Knall der Airguns kann 1.000-mal lauter sein als der Schall, der beim Menschen einen Hörschaden verursachen würde. Selbst wenn die Tiere keinen physischen Schaden davon tragen (was vorkommt), können sie die lebenswichtige Orientierung verlieren.
Mario Adorf spielt im Film Bresings Pendant - den Meeresbiologen Johannes Waldmann.
Veronica Ferres und Christopher Lambert stehen in Südafrika für das Umweltdrama 'Geheimnis der Wale' vor der Kamera. © ZDF / Kelly Walsh
Doch das Thema habe nicht nur seine professionelle Neugierde geweckt, sondern auch seine menschliche, so der Grandseigneur des deutschen Films, der zwei Tage später auch noch einmal mit Karsten Brensing zum Whale Watching vor der Küste hinausfährt: 'Ich hatte durchaus ein Bewusstsein von der Problematik durch Verschmutzung und Abfischen. Aber von der Lärmbelästigung, Katastrophe kann man ja fast schon sagen, wusste ich bislang nichts', zeigt sich Adorf in besonderer Weise betroffen. 'Ich habe über 50 Jahre Taucherfahrung. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie der Mittelmeerboden immer grauer wurde.
Schauspieler Mario Adorf und Meeresbiologe Dr. Karsten Brensing fuhren zusammen raus zum Whale Watching vor Südafrikas Küste. © teleschau
'
Das Geschehen im Film ist in Neuseeland angesiedelt ('Die Verbindung der Maori mit den Walen hat eine ganz besondere Tradition', erklärt Nico Hofmann und weist auf den 'wunderbaren Film 'Whale Rider'' hin. 'Dieses Element wollte ich unbedingt im Film haben'). In seiner Rolle als Meeresforscher ist Mario Adorf mit einem Gutachten beauftragt, das darüber entscheiden soll, ob vor der Küste nach Erdgas geforscht werden darf. Zu diesem Zeitpunkt bekommt er Besuch von seiner Tochter Anna, gespielt von Veronica Ferres, und seiner Enkelin Charlotte (Alicia von Rittberg) aus Deutschland. Man hat sich seit Jahren nicht gesehen, das Verhältnis ist unterkühlt.
Meeresbiologe Dr. Karsten Brensing freut sich, dass das Problem der Verlärmung der Meere durch die Filmproduktion einmal Gehör in der Öffentlichkeit finden soll. © teleschau
Nach wenigen Tagen kommt Johannes bei einem angeblichen Unfall auf See ums Leben, und Anna führt seinen Kampf gegen einen skrupellosen Konzern weiter - unterstützt von Umweltaktivist Chris (Christopher Lambert).
Fünf Jahre lang, so die Produzenten, habe man viele deutsche Autoren 'verschlissen', bis das Drehbuch, das auf einem Originalroman basiert, ihren Ansprüchen gerecht wurde. Auf keinen Fall wollte man das Thema Umwelt- und Artenschutz 'verkitschen'. 'Die Fassungen, die es vorher gab, waren gute Fernsehunterhaltung. Was uns aber nicht gereicht hat', erklärt Veronica Ferres.
Meeresbiologe Dr. Karsten Brensing arbeitet für die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS (Whale and Dolphin Conservation Society) und stand der Produktion als Fachberater zur Verfügung. © teleschau
'Wir wollten wirklich eine Umweltthematik in ihrer Rauheit, in ihrer Härte darstellen, wie sie ist. Romantisch und politisch eingebunden, und ungewöhnlich erzählt. Das Drehbuch ist in seiner Radikalität, wie wir mit der Umwelt umgehen, wahrhaftig.' Nico Hofmann strebt auf diese Weise an, für den Sonntagabend im ZDF neue Standards zu setzen und zieht diesbezüglich Vergleiche mit der gemeinsamen Erfolgsproduktion 'Das Wunder von Berlin'.
Für die entsprechende Umsetzung des Films 'Geheimnis der Wale', der im Auftrag von ZDF und ZDF Enterprises entsteht, soll nun Philipp Kadelbach sorgen.
Könnte auch Neuseeland sein: Das Umweltdrama 'Geheimnis der Wale', das im ZDF als Zweiteiler ausgestrahlt werden soll, wird hauptsächlich in Südafrika gedreht. © teleschau
Der Regisseur stammt aus der Ludwigsburger Talentschmiede, der Baden-Württembergischen Filmakademie, an der auch Hofmann unterrichtet, führte Regie bei der ProSieben-Serie 'Unschuldig' und wurde für seine Werbefilme vielfach ausgezeichnet. 'Wir wollen im Grunde auch einen Generationswechsel erzeugen', so der Produzent.
Auf dem Wasser, unter Wasser, an Land und in der Luft wird gedreht. 'Die Schwierigkeit besteht darin, den Meeresraum authentisch wiederzugeben', erklärt Nico Hofmann, der gerne das Wort 'gigantisch' benutzt. 'Im Grunde funktioniert das mittlerweile wie bei einer großen amerikanischen Produktion. Roland Emmerich macht das nicht anders: Es wird eine Mischung aus Originalaufnahmen, Modellaufnahmen und Trick. Da sind, Gott sei Dank, die technischen Mittel auch für den Fernsehbereich heute super entwickelt.' Für eine Strandungsszene werden beispielsweise Wale in Originalgröße aufgebaut. Für Unterwasser-Szenen ist noch ein Dreh in Sansibar geplant. Finanziell bewegt sich der Aufwand knapp unter sieben Millionen Euro.
Dass nur wenige Szenen tatsächlich in Neuseeland gedreht werden, der Rest aber in Südafrika, stört noch nicht einmal die beiden Maori im Cast, Joe Dekkers-Reihana und Grant Roa ('Whale Rider'). Diese vielseitige Region kann bekanntlich nahezu alles sein. Neben der variantenreichen Landschaft macht das eine prosperierende und hochprofessionelle Filmindustrie in Südafrika möglich. Zur internationalen Besetzung gehören außerdem Fritz Karl, Elena Uhlig und Newcomer Clemens Schick ('Unschuldig'). Ein solch Generationen und Länder übergreifendes Ensemble bietet schon einmal gute Voraussetzungen, eine breitere Zielgruppe im ZDF zu erreichen und das Projekt international zu vermarkten. Die Ausstrahlung im ZDF ist für Ende 2009 oder Anfang 2010 geplant - ebenso wie eine begleitende Dokumentation.
Dr. Karsten Brensing ist froh, dass die Verlärmung der Meere auf diesem Wege einmal Gehör in der Öffentlichkeit finden soll. 'Der Film hätte auch in Deutschland spielen können.' Er verweist darauf, dass im vergangenen Jahr ein Unternehmen die Genehmigung bekommen hat, in dem deutschen Meeresschutzgebiet Doggerbank eine seismische Untersuchung durchzuführen. Schmerzliche Erfahrung damals für Karsten Brensing: 'Auch wenn dabei unsere einzige einheimische Walart gefährdet wurde, gelingt es sehr, sehr schwer, Menschen für das Thema zu begeistern, weil sie sich das nicht wirklich vorstellen können.'
Auch Christopher Lambert ist klar: 'Ich glaube, es ist wichtig, das als Fiktion zu erzählen, denn diese Fiktion ist Realität.' Und Brensing ergänzt: 'Wir haben jetzt vielleicht noch die Möglichkeit, beim Thema Lärm das Ruder herumzureißen.' Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS verhandelt mit Entscheidungsträgern in Politik, Industrie und Militär und fordert die verpflichtende Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen, sowie wirklichen Schutz in Schutzgebietem.
© 2008 teleschau - der mediendienst
Zur Zeit sind keine Kommentare für diesen Beitrag vorhanden.
Hier als erster einen neuen Kommentar verfassen