Die vergangenen vier Jahre verbrachte Wentworth Miller hauptsächlich hinter Gittern - wenn er nicht gerade wieder vor den (TV-)Cops Reißaus nahm. Dabei hatte der Sohn eines Anwalts und einer Lehrerin zunächst den rechten Weg eingeschlagen. An der renommierten Princeton University studierte der smarte Amerikaner Literatur. Doch Mitte der 90-er zog es den heute 36-Jährigen nach Hollywood. Durch das Engagement beim US-Serien-Hit 'Prison Break' geriet der Schauspieler dann 2005 vollends auf die 'schiefe Bahn'. Seitdem können Millionen von Fernsehzuschauern weltweit seine Knast-Karriere verfolgen.
Für einen Interviewtermin in München erhielt 'Prison Break'-Star Wentworth Miller 'Hafturlaub'. © Spöttel Picture
'Prison Break'-Star Wentworth Miller studierte Literatur an der renommierten Princeton University, bevor er nach Hollywood ging. © RTL
Bei RTL steht nun in den neuen Folgen von Staffel drei (ab 08.01., 22.15 Uhr; dann donnerstags, 23.10 Uhr) der nächste Ausbruch an. Für einen Interviewtermin in München erhielt der TV-Star allerdings Hafturlaub und erschien ohne seine markante Sträflings-Kluft, ein gigantisches Oberkörpertattoo.
teleschau: Herr Miller, fühlen Sie sich mittlerweile nackt ohne Ihre Serien-Tätowierungen?
Wentworth Miller: Oh nein (lacht). Das Tattoo war mein Ausbruchsplan und daher ein sehr wichtiger Teil der ersten Staffel. Es war fast wie eine weitere Figur. Aber ich war ganz bestimmt nicht traurig, dass es langsam aus der Handlung verschwand.
Aus dem Leben eines TV-Stars: 'Manchmal folgt mir ein schwarzer SUV, wenn ich die Straße entlanggehe oder mir einen Kaffee hole. Da fragt man sich schon: Was ist daran jetzt so spektakulär? Warum interessieren sich die Leute dafür? Aber aus irgendeinem Grund tun sie es. Und das gehört einfach zum Business', sagt Wentworth Miller. © RTL
teleschau: Während der dritten Staffel mussten Sie sich also nicht der aufwendigen Prozedur in der Maske unterziehen?
Miller: Nach dem ersten Gefängnisausbruch brauchten wir das Tattoo nicht mehr wirklich. Natürlich ist es offiziell immer noch da. Man kann es ja in der Dusche nicht einfach so abwaschen. Ich denke, das Tattoo wird auf poetische Weise immer wieder zum Vorschein kommen. Meine Figur Michael Scofield ist nach all dem, was er erleben musste, ein anderer Mann. Diese Erfahrungen haben ihn für immer gezeichnet. Und das Tattoo ist ein Symbol dafür.
Vor seiner 'Knast-Karriere' war Wentworth Miller zwei Jahre arbeitslos. © RTL
teleschau: Sie selbst wurden diese Zeichen aber auch nicht los, weil das Tattoo nicht jeden einzelnen Drehtag entfernt werden konnte. Wechselten die Leute die Straßenseite, wenn sie Ihnen in Ihrem 'Kostüm' begegneten?
Miller: Während der Dreharbeiten in Chicago trug ich es ein paar Mal privat, und die Leute reagierten tatsächlich komisch. Schlimmer war es allerdings in Texas während der Dreharbeiten zur zweiten Staffel. Dort musste ich bei extrem hohen Temperaturen immer meinen nicht tätowierten Körper bedecken. Das war eine sehr heiße Erfahrung!
teleschau: Mittlerweile hat es 'Prison Break' auf vier Staffeln gebracht.
Wentworths Mama macht sich Sorgen um ihren TV-Knacki: 'Ich muss meine Mutter anrufen und warnen, wenn Michael Scofield etwas Schreckliches zustößt. Der Übergang zwischen Fiktion und Realität verwischt bei ihr manchmal.' © RTL
Dabei war es zu Beginn der Serie kaum vorstellbar, dass ein Gefängnisausbruch genügend Stoff für nur eine Season hergibt ...
Miller: (lacht) Ja, schon komisch, oder? Die Leute fragen mich die ganze Zeit, wie lange die Serie noch fortgeführt werden kann. Eigentlich schon von Anfang an. Ich persönlich glaube nicht, dass es für immer weitergehen kann. Um ehrlich zu sein, ich wäre nicht traurig, wenn die vierte auch die letzte Staffel wäre. Diese Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. 'Prison Break' ist schließlich nicht 'Law & Order' oder 'CSI'.
teleschau: Und Sie kämen endlich mal aus dem Knast raus ...
'Ich persönlich glaube nicht, dass es für immer weitergehen kann. Um ehrlich zu sein, ich wäre nicht traurig, wenn die vierte auch die letzte Staffel wäre', gesteht 'Prison Break'-Star Wentworth Miller. © RTL
Miller: Es gibt sicherlich andere Dinge, die ich als Schauspieler gerne tun würde. Aber wir alle haben der Serie natürlich viel zu verdanken. Dass 'Prison Break' dieses internationale Phänomen geworden ist, bedeutet uns sehr viel. Wir arbeiten in den Staaten, wo die Serie zwar ein Hit ist, aber ein bescheidener Hit. In Europa und Asien haben wir jedoch unsere echte Fanbase. Es ist schön zu wissen, dass sich unsere Geschichte so gut übersetzt, dass sie Fans in Deutschland, Korea oder Australien gleichsam mögen. Das macht uns stolz.
teleschau: Sie arbeiten 14 Stunden am Tag hinter Gittern oder rennen vor der Polizei und Bösewichten davon.
Wentworth Miller (rechts) und sein Serienbruder Dominic Purcell sitzen seit vier Jahren im 'Prison Break'-TV-Knast - wenn sie nicht gerade Reißaus nehmen. © RTL
Fühlen Sie sich selbst manchmal auch wie ein Gefangener?
Miller: (lacht) In der ersten Staffel vielleicht ein kleines bisschen, weil wir in einem richtigen Gefängnis drehten und die Umgebung so authentisch war, wie man sich das nur vorstellen kann. Ich war vorher zwei Jahre arbeitslos und wurde dann urplötzlich einer der Hauptdarsteller einer großen Serie. Das war, wie von null auf 100 in sechs Sekunden zu beschleunigen. In der einen Minute hatte ich alle Zeit der Welt, schlief bis mittags, und ehe ich mich versah, hatte ich einen 14-Stunden-Tag, fünf Tage die Woche. Das war eine sehr intensive, fordernde Erfahrung.
'Das Tattoo war mein Ausbruchsplan und daher ein sehr wichtiger Teil der ersten Staffel. Es war fast wie eine weitere Figur. Aber ich war ganz bestimmt nicht traurig, dass es langsam aus der Handlung verschwand', gibt Wentworth Miller zu. © RTL
teleschau: Und Sie mussten sie hinter Gittern machen ...
Miller: Ja, aber am Ende des Tages konnte ich natürlich aus dem Gefängnis wieder nach Hause gehen. Ich konnte sagen, wann ich gehen will. Was den großen Unterschied ausmacht. Man kann niemals verstehen, was es bedeutet, ein Gefangener zu sein, wenn man es nicht wirklich ist. Das ist, wie über einen Unfall zu schreiben, ohne tatsächlich darin verwickelt gewesen zu sein.
teleschau: Sie hatten aber nicht nur plötzlich Arbeit. Sie wurden auch schlagartig berühmt und werden nun ständig auf der Straße fotografiert ...
Miller: Ach, das macht mir nichts aus.
Wentworth Miller (hinten, Mitte) und seine 'Prison Break'-Kollegen (von links: Robert Knepper, Wade Williams, Chris Vance, Danay Garcia, Dominic Purcell, William Fichtner, Amaury Nolasco, Robert Wisdom, Jodi Lyn O'Keefe) posieren hinter Gittern. © RTL
Man muss immer vorsichtig sein, wie man diese Price-of-Fame-Frage beantwortet. Es kann sich leicht so anhören, als ob man sich beschweren will. Unglücklicherweise nehmen die Medien an, dass es mein Job ist, die Leute zu unterhalten - wenn ich im Fernsehen bin, aber auch, wenn nicht. Manchmal folgt mir also ein schwarzer SUV, wenn ich die Straße entlanggehe oder mir einen Kaffee hole. Da fragt man sich schon: Was ist daran jetzt so spektakulär? Warum interessieren sich die Leute dafür? Aber aus irgendeinem Grund tun sie es. Und das gehört einfach zum Business.
teleschau: Klingt sehr relaxt ...
Miller: Es ist einfach nichts, das es wert wäre, sich darüber aufzuregen. Da könnte man sich auch über den Wind und den Regen aufregen. Das liegt nicht in meiner Macht. Aber wie ich schon sagte, in den USA ist die Show nicht ein ganz so großer Hit. Daher kann ich auch ein relativ normales Leben führen. Nur wenn ich reise, werde ich daran erinnert, wie erfolgreich die Sendung tatsächlich ist.
teleschau: Und im Internet. Es gibt Unmengen von Fanseiten. Lesen Sie manchmal, was die Leute über Sie schreiben?
Miller: Nein, das mache ich nicht. Früher habe ich vielleicht mal hier und da reingeschaut. Das ist ein natürlicher Impuls. Wie auf einer Party, wenn man weiß, dass bestimmte Leute gerade über einen reden. Natürlich ist man da neugierig. Aber wenn man bedenkt, dass keiner von ihnen dich wirklich kennt, und dich einer vielleicht nicht leiden kann, dann bringt es doch wirklich nichts, der Konversation zu lauschen.
teleschau: Um nicht verletzt zu werden?
Miller: Ein großartiger, älterer Taxifahrer sagte mir einmal: 'In diesem Leben werden Dich ein Drittel der Leute, die Du triffst, lieben, ein Drittel wird Dich hassen, und die anderen interessierst Du keinen Scheiß! Und es gibt nichts, was Du daran ändern kannst.' - Ich denke, das ist wahr. Und wenn man es vermeiden kann, etwas zu lesen, das seltsam, verletzend oder negativ ist, dann tue ich das.
teleschau: Was halten Ihre Eltern von Ihrer Karriere als TV-Knacki?
Miller: Sie sind sehr zufrieden und unterstützen mich. Am Anfang waren sie jedoch schon besorgt, als ich Schauspieler werden wollte. Sie kannten das Business nicht und verstanden nicht, was ich da eigentlich zu erreichen versuchte. Aber sie wissen, dass ich nun für das bezahlt werde, was ich liebe. Und das ist meine Definition von Erfolg. Ich muss meine Mutter allerdings anrufen und warnen, wenn Michael Scofield etwas Schreckliches zustößt. Der Übergang zwischen Fiktion und Realität verwischt bei ihr manchmal. Daher sorge ich dafür, dass sie angemessen vorbereitet ist.
teleschau: Also hoffen ihre Eltern nicht mehr, dass aus Ihnen doch noch ein Literaturprofessor wird?
Miller: Nein, ich denke nicht (lacht). Es gab schon Zeiten, als sie hofften, ich würde eine akademischere Karriere einschlagen. Aber ich habe ihnen erklärt, dass ich meine Kenntnisse in englischer Literatur auf die Schauspielerei übertrage und beim Lesen eines Drehbuchs ähnlich verfahre wie beim Analysieren eines Romans.
teleschau: Haben sie das geglaubt?
Miller: Ja (lacht). Manchmal muss ich sie allerdings daran erinnern. Auch warum sie all das Geld für meine College-Ausbildung ausgegeben haben.
teleschau: Warum haben Sie sich nach dem Literaturstudium denn für die Schauspielerei entschieden?
Miller: Ein Schauspiellehrer sagte einmal zu mir: 'Ihr seid alle eine Gruppe von Mittelklasse-Kids, und Ihr wollt Euch gegen Eure Mittelklasse-Erziehung auflehnen!' Bei der Schauspielerei geht es darum, unpassende Dinge zu sagen und zu tun. Ich denke, die Durchschnittsperson verbringt ihr ganzes Leben damit, vor bestimmten emotionalen Erlebnissen wegzulaufen. Die Aufgabe des Schauspielers ist es aber, darauf zuzulaufen, runter in den Schmutz zu gehen.
teleschau: Sie wälzen sich gerne im Schmutz?
Miller: Schauspielerei ist eine kathartische Erfahrung für mich. Es gibt viele Dinge, die wir uns im wahren Leben nicht gestatten. Es gehört sich etwa nicht, im Büro in Tränen auszubrechen. Wenn ich aber einen schlimmen Tag hatte, gehe ich zum Set: Dort kann ich flirten, herumschreien und mich auf einen Kampf auf Leben und Tod im Gefängnishof einlassen. Das ist meine Art, alles rauszulassen. Alles, was man sonst nicht rauslassen darf. Die Schauspielerei ist daher ein Geschenk.
teleschau: Zunächst hatten Sie damit allerdings wenig Glück?
Miller: Ich ging an die Schauspielerei wie an meine akademische Ausbildung heran. Ich dachte, es gibt eine bestimmte Formel, die immer funktioniert. An der Uni hat man fleißig studiert und bekam die Belohnung für die harte Arbeit. Im Showbusiness ist das aber nicht so. Manch einer war nie im Unterricht, besitzt noch nicht einmal das Schulbuch, und trotzdem bekommt er nur Einsen. Und du arbeitest dich kaputt und fällst trotzdem durch. Das scheint nicht fair zu sein ...
teleschau: Aber?
Miller: Als ich erst einmal erkannte, dass es nicht darum geht, den 'Professor' zu befriedigen, sondern mich selbst, und daher aufhörte, auf das Lob anderer zu warten, klappten die Vorsprechen plötzlich viel besser. Ich hatte bei Castings keine Sorgen mehr, wie die Sache ausgehen würde. Ich habe es nur noch für mich selbst gemacht.
teleschau: Und dann kam der Erfolg. Hat er Sie verändert?
Miller: Ich sehe mich selbst als relativ normalen Kerl. Es gibt viele junge Kids in Hollywood, die werden schon als Teenies plötzlich zu Stars. Sie gehen in Clubs, Bars, besuchen Fashionshows. Dieses Leben hat sicherlich auch seinen Reiz, aber es gibt dir nicht besonders viel Kraft. Dafür bin ich nicht Schauspieler geworden. Ich muss manchmal lachen, wenn mich die Leute fragen: 'Wer ist Ihr Lieblingsdesigner? Und welches ist Ihr Lieblingsrestaurant in Paris?' Ich habe einfach keine Antworten darauf. Verglichen mit George Clooney mag ich vielleicht etwas langweilig sein, aber ich bin glücklich damit.
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"Wentworth Earl Miller III" (* 2. Juni 1972 in Chipping Norton, Oxfordshire) ist ein in England geborener US-amerikanischer Schauspieler. ....
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