Gesellschaft


Schmerzende Füße und Hände - Männer üben Einkaufen

Von Simone Haserodt 12. Dez 2008, 16:43

Shoppingmuffel: Die Männer hatten zuvor einen Einkaufsmarathon absolviert, bei dem sie zwei Stunden lang in Kaufhäusern Waren ansehen und kaufen mussten. (Bild: dpa) © DPA

Shoppingmuffel: Die Männer hatten zuvor einen Einkaufsmarathon absolviert, bei dem sie zwei Stunden lang in Kaufhäusern Waren ansehen und kaufen mussten. (Bild: dpa) © DPA

Celle - Männer schleppen geduldig Mengen an vollen Einkaufstüten durch ein Kaufhaus in der Celler Innenstadt, wühlen in Büstenhaltern und Dessous und machen selbst in der Handtaschenabteilung noch nicht schlapp.

Das Ganze ist Teil eines Einkaufstrainings für shoppingmüde Männer - organisiert von der Tourismusgesellschaft der Fachwerkstadt nordöstlich von Hannover. Zunächst versucht ein Motivationstrainer, den Männern wieder Spaß am Schaufensterbummel und Tütenschleppen zu vermitteln. Mental gestärkt müssen die Teilnehmer im Anschluss einen mehrstündigen Shopping-Marathon durchstehen: Denn schließlich lassen harmonisch shoppende Paare die Kassen der Geschäfte kräftiger klingeln.

«Mich nervt es, wenn meine Freundin ein Paar Schuhe mindestens zehnmal anprobiert, bevor sie es kauft», erzählt Jakob Fuchs aus Celle. Der 30-Jährige ist einer von acht Männern, die sich zur Teilnahme an dem Tageskurs mehr oder weniger freiwillig entschlossen haben. «Ja, meine Freundin hat mich dazu gedrängt», räumt er ein. «Ich habe 53 Paar Schuhe», gesteht seine Freundin Martina Muntean und zuckt mit den Achseln. Ihr Jakob meint, das seien zu viele. «Jetzt, wo wir in eine größere Wohnung ziehen, haben wir doch wieder mehr Platz. Da kann ich mir ruhig noch ein Paar Schuhe kaufen», erklärt die 33-Jährige voller Überzeugung. Gegenüber diesen Argumenten hat der Mann keine Chance.

«Seien Sie stets ehrlich. Machen Sie Ihrer Partnerin keine falschen Komplimente», rät Einkaufs-Coach Ralf Timmer. Der 37 Jahre alte Motivationstrainer aus Hannover soll vermitteln, worauf es beim Shoppen ankommt. Geduld ist dabei das Zauberwort. «Ich überlege nicht lange beim Einkaufen», erzählt Frank-Rüdiger Pawils aus dem nahen Adelheidsdorf. Er gehe in ein Geschäft, kaufe das Gewünschte und verlasse dann den Laden wieder. Bei Frauen sehe der Ablauf etwas anders aus, meint zumindest Einkaufstrainerin Annegret Wrogemann aus Celle. «Frauen gehen mit dem Ziel, sich eine Bluse zu kaufen ins Geschäft und kommen nach einigen Stunden mit einer Handtasche wieder raus. Manchmal bewundere ich die Geradlinigkeit der Männer», versichert die 49-Jährige.

Von der Wankelmütigkeit der Damen kann auch Julian Latza ein Liedchen singen. Seine Freundin brauche Stunden, um einzukaufen, klagt der 19-Jährige. Wegen seiner Ungeduld käme es häufig zum Streit. Weil er seine Herzensdame deswegen nicht auch noch verlieren will, nimmt er an dem Einkaufstraining teil. «Sozusagen als Zeichen des guten Willens», sagt er und schlendert durch die Schmuckabteilung des Kaufhauses.Seine Leidensgenossen werden nach etwa einer halben Stunde Shopping-Marathon schon ungeduldig. Die Füße tun ihnen weh, und die Hände haben Striemen von den schweren Einkaufstüten. Doch dafür hat Shopping-Trainer Timmer bereits eine Lösung parat: «Volle Tüten einfach zum Auto bringen.» Dieser Vorschlag kommt bei Pawils gut an. «Dann habe ich endlich wieder beide Hände frei für meine Frau», sagt der seit inzwischen 25 Jahren verheiratete Mann.

© 2008 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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