Musik Kritiken
CD Kritik: Warren Zevon von Warren Zevon
Von Jens Szameit 19. Dez 2008, 07:57

Sein Debüt, das überhastete und unbefriedigende 'Wanted Dead Or Alive', war bereits sieben Jahre zuvor erschienen. Doch die eigentliche Geburtsstunde des Songwriters Warren Zevon war der selbstbetitelte Nachfolger von 1976. Jahrelang hatte sich der störrische Kalifornier als Auftragskomponist und Popstar im Wartestand durchgeschlagen. Dann brachte Kumpel Jackson Browne, der die Platte produzierte, das fast 30-jährige Talent endlich in die Spur. 'Warren Zevon' darf man nach der zähen Vorgeschichte ruhig als kreative Explosion begreifen. Das Album, das nun mit Bonussongs in der 'Collectors Edition' neu aufgelegt wird, verkaufte sich seiner Zeit gar nicht einmal schlecht. Die Epoche machende Qualität der Aufnahmen wurde dem notorischen Außenseiter aber erst sehr viel später zuerkannt.
'Warren Zevon' beginnt schillernd und böse mit der raubeinigen Westernverklärung 'Frank And Jesse James', und legt sogleich mit giftigem Rock'n'Roll nach: In 'Poor Poor Pitiful Me' schlüpft Zevon in die lächerliche Figur eines wehleidigen Schnösels. Das rumpelnde 'Mama Couldn't Be Persuaded' räumt unnachgiebig mit der Familiengeschichte und dem eigenen Kindheitstrauma auf. 'I'll Sleep When I'm Dead' wurde über Zevons Tod 2003 hinaus so etwas wie der Schlachtruf des beseelten Zynikers.
Zeitlebens waren die größten Zevon-Fans Berufskollegen, darunter Springsteen und Dylan. Schon bei den Aufnahmen zur Durchbruchsplatte half fast die gesamte West Coast Mafia mit: Jackson Browne spielte auf ein paar Tracks und lieh seinen Gitarristen David Lindley aus. Ferner tauchten Lindsey Buckingham von Fleetwood Mac sowie Glenn Frey und Don Henley von den Eagles im Studio auf. Mit deren süffigem Country-Rock wurde Zevon in der Folge oft verglichen. Viel eher aber trat er in die Fußstapfen Randy Newmans, eines anderen großen Widerspenstigen und gewitzten Intellektuellen.
Vor allem Zevons große Balladen zeigen ihn als scharfzüngigen Exzentriker und großen Sensibilisten zugleich. 'The French Inhaler' ist eine ätzende Attacke gegen die Hollywood-Society. Das bittere Junkie-Drama 'Carmelita' steht mit seinen perlenden Western-Gitarren hinter Dylans zeitgleich erschienener Großtat 'Desire' nicht zurück. 'Desperados Under The Eaves' ist meisterlich orchestriert, 'Hasten Down The Wind' eine steinerweichende Liebesschnulze. Warren Zevon sei der erste und wichtigste Vertreter des Song noir hat Jackson Browne über seinen Freund einmal geurteilt. Heller hat diese finstere Kunst selten geleuchtet.
© 2008 teleschau - der mediendienst
Kommentiere diesen Artikel










Zur Zeit sind keine Kommentare für diesen Beitrag vorhanden.
Hier als erster einen neuen Kommentar verfassen