DVD Kritiken
DVD Kritik: Factory Girl
Die einsame Prinzessin
Von Johann Ritter 17. Dez 2008, 07:56

Menschliche Tragödie ohne echte Gefühle: Mit der Künstlerstudie 'Factory Girl' kratzt Regisseur George Hickenlooper nur an der Oberfläche. © Eurovideo
Es ist noch nicht allzu lange her, da zogen einige den Hut vor Sienna Miller. Nachdem sie 2007 an der Seite von Steve Buscemi in 'Interview' aufgetaucht war, lautete die fast einhellige Meinung: Die kann was und sieht nicht nur gut aus. Bereits 2006 spielte das It-Girl ein It-Girl, wiederum eine ähnliche Konstellation. George Hickenlooper erklärt hier dem Zuschauer die glamouröse Künstlerwelt der 60er-Jahre, blickt in das Seelenleben eines Andy Warhol, und der Schlüssel dazu ist seine Muse, Edie Sedgwick. Erst im August 2008 startete 'Factory Girl' in den deutschen Kinos. Nun erscheint die nicht ganz geglückte Milieustudie auf DVD.

Es klicken eine Menge Auslöser, viele Fotos werden geschossen, denn wir befinden uns unter VIPs. Bis Edie Sedgwick, ein behütetes Mädchen aus der Provinz, dazugehört, vergeht sehr wenig Zeit. Als Andy Warhol (Guy Pearce, 'Memento') ihrem Charme verfällt, befindet sie sich mit einem Mal am Nabel der Welt: der New Yorker Kunstszene der 60-er.
Edie gibt das Geld mit vollen Händen aus, denn ihre Eltern sind reich. Sie modelt ein wenig und wünscht sich, dass das Leben einfach ist. Eine Weile geht ihr Lebensplan auf, bis sie sich in den sensiblen Rockstar Billy Quinn (Hayden Christensen, 'Star Wars') verliebt.

Durch ihn verliert sie die Zuneigung Warhols: Er ist eifersüchtig genug, um sie zu verstoßen, und arrogant genug, um ihren Abstieg zu ignorieren. Die Welt dreht sich einfach weiter, derweil Edie als allein gelassenes Drogenopfer endet.
Bei aller Tragik erweist sich 'Factory Girl' als schwierig, weil Regisseur Hickenlooper so oft verweilt, wo nichts passiert und eilt, wenn Gewichtiges zu zeigen wäre. Sienna Miller kann man am Misslingen des Films weniger die Schuld geben als dem lieblosen Drehbuch. Sie fügt sich in die oberflächliche Darstellung der Oberflächlichkeit, in der es darum geht, welcher Lidstrich trauriger aussieht.

Echte Gefühle aber haben in diesem Drama ebenso wenig Platz wie damals, als die freie Liebe propagiert und etwaige Leere mit Drogen aufgefüllt wurde.
Die meisten Infos bieten der Abspann sowie eine Doku im Bonusteil - hier sprechen Zeitzeugen über Edie. Sie starb in der Realität 1971, gerade einmal 28 Jahre alt. Außerdem bieten die Extras Guy Pierces Videotagebuch vom Dreh, ein solides Making Of und recht charmante Szenen von Sienna Millers Casting für ihre Rolle. Technisch gibt es an der DVD nichts auszusetzen. Das 16:9-Bild besticht mit scharfen Konturen und kräftigen Farben - ganz so, wie es die Pop-Art-Ära auch angemessen wiedergibt.

Die deutsche 5.1-Spur kommt sauber und klar aus allen Boxen und schmeichelt dem stylischen Soundtrack.
© 2008 teleschau - der mediendienst
Mehr über Hayden Christensen
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