Film Star Portrait


Emma Roberts - 'Wir sind noch Kinder'

Emma Roberts spielt die Hauptrolle in 'Wild Child' (Kinostart: 18.12.)

Von Leif Kramp 18. Dez 2008, 07:59

Emma Roberts spielt in 'Wild Child' (Start: 18.12.) die 16-jährige Poppy, die auf ein englisches Elite-Internat geschickt wird. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

Emma Roberts spielt in 'Wild Child' (Start: 18.12.) die 16-jährige Poppy, die auf ein englisches Elite-Internat geschickt wird. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

Wie sie so dasitzt in der kleinen Suite des angesagten Londoner Soho Hotels, ist Emma Roberts kaum wiederzuerkennen. Die lolitahafte Aura, an der sie so akribisch für ihren neuen Film 'Wild Child' (Kinostart: 18.12.) gearbeitet hat, eine liebenswerte Komödie über die Liebe einer kalifornischen Luxus-Göre namens Poppy im britischen Internat, ist dem natürlichen Charme einer 17-jährigen Teenagerin gewichen. Doch einen wesentlichen Unterschied gibt es zwischen Emma Roberts und anderen jungen Frauen ihres Alters: Sie ist die Nichte von Julia Roberts, und das kann sie kaum noch hören. Lieber spricht sie über das, was sie vorhat mit sich und ihrer Karriere.

Emma Roberts, Nichte von Julia, wurde am 10. Januar 1991 geboren. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

Emma Roberts, Nichte von Julia, wurde am 10. Januar 1991 geboren. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

Gut in Form bleiben möchte sie: mit Volleyball, Tennis und Pilates: 'Mir haben alle gesagt, das sei eine Kleinigkeit, ein bisschen stretchen und so. Doch das ist total schweißtreibend, glauben Sie mir', sagt's und lacht und redet weiter. Längere Gesprächspausen sind nichts für sie, das ist eine Erkenntnis nach dem atemlosen Interview ...

teleschau: Gerade hat Ihr Filmpartner Alex Pettyfer den Raum verlassen. Was haben Sie ihm zugeflüstert?

Roberts: Ach, wir haben nur etwas herumgeblödelt. Ich liebe ihn, ich hasse ihn. So ist das mit uns. Wir haben uns ständig gegenseitig geärgert (lacht).

Emma Roberts und Alex Pettyfer spielen die Hauptrollen in der Teenie-Komödie Wild Child. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

Emma Roberts und Alex Pettyfer spielen die Hauptrollen in der Teenie-Komödie 'Wild Child'. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

teleschau: Er ist auf dem großen Sprung nach Hollywood, arbeitet schon fleißig an seiner Karriere. Sie bekamen den 'ShoWest Award' als 'Female Star of Tomorrow' und modeln für eine trendige Modemarke. Welche Ambitionen haben Sie?

Roberts: Um ehrlich zu sein: Ich habe meinen Sommer wirklich genossen und mir eine Auszeit gegönnt. Doch jetzt kann es wieder losgehen. Ich habe viele Drehbücher gelesen und würde mich gerne kopfüber in den nächsten Film stürzen, am liebsten in einen waschechten Thriller. Auch eine Komödie würde mich reizen.

teleschau: Welche Art von Stoffen wird Ihnen denn angeboten?

Emma Roberts ist ein riesiger Fan von Highschool-Filmen wie Clueless oder Mean Girls. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

Emma Roberts ist ein riesiger Fan von Highschool-Filmen wie 'Clueless' oder 'Mean Girls'. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

Roberts: Da ist wirklich alles dabei. Auch Ernstes, richtige Dramen sind darunter. Mittlerweile bin ich so routiniert im Drehbuchlesen, dass ich meist schon nach den ersten 20 Seiten genau weiß, ob es mir zusagt oder nicht. Da bin ich ganz rigoros: Wenn ich's nicht mag, heißt's goodbye.

teleschau: Entscheiden Sie ganz alleine?

Roberts: Ich habe einen Manager, der alle Projekte vorauswählt, bevor ich überhaupt mit ihnen in Berührung komme. Wir haben genau den gleichen Geschmack, von daher vertraue ich voll und ganz seinem Urteil. Wenn er meint, das sei nichts für mich, dann ist es auch so.

Dass ich die Nichte von Julia Roberts bin, war zwar nie ein Problem für mich, doch war es auch nie eine Erleichterung. Emma Roberts will ihren eigenen Weg gehen. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

'Dass ich die Nichte von Julia Roberts bin, war zwar nie ein Problem für mich, doch war es auch nie eine Erleichterung.' Emma Roberts will ihren eigenen Weg gehen. © 2008 Universal Studios / Giles Keyte

Und wenn ich mir mal nicht sicher bin, dann rufe ich meine Freundinnen an und frage sie nach ihrem Rat. Schlussendlich aber muss ich das ja selbst durchstehen, da kann mir keiner helfen.

teleschau: Was hat Sie an 'Wild Child' interessiert?

Roberts: Ich bin ein riesiger Fan von Highschool-Filmen wie 'Clueless' oder 'Mean Girls'. Dieser Standard wurde lange nicht erreicht. Es gab zwar viele Versuche, aber ich habe in den vergangenen Jahren keine Komödie gesehen, die ähnlich gut funktioniert. Bis ich das Drehbuch zu 'Wild Child' angeboten bekam: Ich merkte sofort, dass die Geschichte etwas Besonderes hat. Die Arbeit am Set hat das nur bestätigt. Ich fühlte mich wirklich wohl.

teleschau: Wie gehen Sie mit dem öffentlichen Interesse an Ihrem Privatleben um?

Roberts: Das ist schwierig, weil wir ja noch Kinder sind. Das wird leicht vergessen. Wir machen auch mal Dummheiten, fallen auf die Nase oder sind in manchen Situationen hilflos. Sie kennen das doch aus Ihrer eigenen Jugend. Ich bin wie jeder andere Teenager, doch der entscheidende Unterschied ist, dass ich und viele andere junge Darsteller unter einem Mikroskop leben. Wenn etwas schiefgeht, werden wir in der Öffentlichkeit sofort schlecht dargestellt, und die Leute bilden sich dementsprechend ihre Meinung über uns.

teleschau: Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

Roberts: Ich achte darauf, dass mein Privatleben nicht an die große Medienglocke gehängt wird. Da muss ich aufpassen wie ein Schießhund. Und wenn dann wirklich mal etwas passiert, dann muss man sich entschuldigen und Besserung geloben ...

teleschau: Sie waren selbst auch auf einem Internat. Können Sie den Kulturschock nachempfinden, den Poppy in Ihrem Film erleiden muss?

Roberts: In gewisser Weise schon. Ich war auch auf einer Mädchenschule. Als ich ankam, wurde ich genauso wie sie von oben bis unten gemustert: Na da schau her, wen haben wir denn da? Ich musste häufig damit zurechtkommen, dass ich um die Akzeptanz der anderen kämpfen musste. Als Teenager will man von allen gemocht werden. Vor allem wenn man ein Mädchen ist.

teleschau: Klingt nach einem Déjà Vu bei den Dreharbeiten ...

Roberts: ... wo es natürlich dasselbe Problem gab. Ich musste mit all den Mädchen, und es waren wirklich viele, zurechtkommen. Da kann es schon mal bunt zugehen, weil wir die ganzen Dreharbeiten über zusammen im selben Hotel wohnten - und das über Monate. Entweder kommt man gut miteinander aus oder überhaupt nicht. Was hätte nicht alles schiefgehen können: Manche Mädels können ja leicht mal kratzbürstig werden und sich gegenseitig die Leinwandpräsenz neiden. Aber ich hatte Glück: Wir konkurrierten gar nicht miteinander. Wir gingen oft aus, sie zeigten mir London, wir sind zusammen einkaufen und abends essen gegangen.

teleschau: Was für einen Geschmack haben Sie, wenn es um Jungs geht?

Roberts: Er sollte einen guten Sinn für Humor haben und nett zu mir sein. Wenn er dann auch noch süß ist, ist das natürlich hilfreich (lacht). Aber der Spaß steht klar im Vordergrund. Wenn ich immer nur jemanden an meiner Seite hätte, der alles zu ernst nimmt und mir meinen Tag verdunkelt und nicht erhellt, dann bringt das alles nichts. Noch habe ich so jemanden nicht gefunden, kein Freund an meiner Seite.

teleschau: Sind Sie ähnlich pingelig wie Ihre Rolle?

Roberts: Wenn's ans Essen geht, muss ich zwar zugeben, dass ich vieles nicht mag, aber das ist auf keinen Fall so ausgeprägt wie bei Poppy. Wo wir aber fast identisch sind, ist bei der Angst vor Bakterien. Sie schleppt ja ständig einen Jahresvorrat an Handdesinfektionsmittel mit sich herum. Ich übertreffe das vielleicht sogar noch, weil ich dazu neige, meinen kompletten Körper damit einzureiben. Wollen Sie in meine Handtasche schauen? Immer was dabei. Ich öffne Türen in öffentlichen Gebäuden niemals mit der Hand, sondern nur mit dem Ellbogen.

teleschau: Sie gehen nicht mehr zur Schule ...

Roberts: Ich werde zu Hause unterrichtet. Ich bin schon im letzten Jahr. Dann kommt das College oder die Universität. Ich freue mich darauf. Endlich wieder mit Gleichaltrigen rumhängen. Ich werde wohl Fächer wie Literatur und Fotografie belegen, weil ich für mein Leben gerne lese. Ich traue mich kaum noch, es zu sagen, aber ich möchte zusätzlich gerne ins Modegeschäft einsteigen. Nur weil das mittlerweile offenbar jeder vorhat, klingt es irgendwie dumm. Das ist also ein heimlich verfolgter Traum: Ich möchte gar keine schneidige Modelinie haben, sondern authentische, coole Klamotten entwerfen.

teleschau: Dabei würden sich T-Shirts mit Ihrem Namen doch blendend verkaufen. Scheuen Sie sich davor, als Nichte von Julia Roberts ihren Promi-Bonus auszuleben?

Roberts: Dass ich die Nichte von Julia Roberts bin, war zwar nie ein Problem für mich, doch war es auch nie eine Erleichterung, obwohl das viele Leute denken. Ich habe es so erlebt, dass ich zehnmal mehr arbeiten musste als alle anderen, um als Schauspielerin akzeptiert zu werden. Eben weil mir unterstellt wurde, dass ich die Rolle wegen meiner Tante bekommen habe. Sie kann mich doch nicht einfach in einen Film stecken ...

teleschau: Kann sie nicht?

Roberts: Naja, sie könnte es zwar, aber es würde nicht zählen.

teleschau: Wann wird es denn den ersten gemeinsamen Film von Ihnen beiden geben?

Roberts: Das ist natürlich nicht unvorstellbar, aber mir fällt kein Projekt ein, dass sich anbieten würde. Vielleicht wäre das auch kontraproduktiv, gerade weil sie meine Tante ist. Bevor wir das weiterverfolgen, möchte ich mir lieber erst einmal meinen eigenen Namen machen und mir im Filmgeschäft einen Platz schaffen. teleschau: Wie verhält es sich mit den Gerüchten, Sie würden mit dem Singen anfangen?

Roberts: Ich habe zwar ein Album aufgenommen, das hat aber keine Perspektive. Um ehrlich zu sein, halte ich rein gar nichts von Schauspielern, die plötzlich auch Musik machen und damit zweigleisig fahren. Natürlich macht es mir immer noch Spaß zu singen, aber ich will mich voll und ganz auf die Schauspielerei konzentrieren.

teleschau: Ihr letztes Wort?

Roberts: Ach, ich könnte schon nächstes Jahr ganz woanders sein und mich völlig umorientiert haben, aber im Moment gefällt mir die Vorstellung, mich ins Unigetümmel zu stürzen. Wenn's mir nicht gefällt, kehre ich eben schon früher zum Film zurück und nicht erst nach zwei Jahren College.

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