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Der «Peilsteg»: Die Heckflossen-Modelle von Mercedes

Von Heiko Haupt 6. Jan 2009, 10:00

Stuttgart (dpa/tmn) - Ein gewisses Modebewusstsein gilt keinesfalls als negativer Charakterzug. Schließlich bedeutet die Eigenschaft auch, auf ein gepflegtes Äußeres zu achten. Nur ist das, was gerade noch als aktuell und schick galt, im Handumdrehen schon wieder von gestern.

Das gilt auch in der Autowelt. Hier gab es vor einem halben Jahrhundert eine Mode, die aus Amerika kam: Heckflossen. Sogar bei Mercedes ließ man sich anstecken, reagierte allerdings mit Zeitverzug. Daher kamen die Heckflossen-Modelle mit dem Stern auf der Haube erst zu den Händlern, als die Mode wieder abebbte.

Mode und Mercedes - das passte über viele Jahrzehnte nicht zusammen. Vielmehr legte der Autobauer traditionell Wert auf eine schwer zu definierende Zeitlosigkeit. Eine Ausnahme leistete man sich während der späten 50er Jahre. Diese Zeit stand in Amerika für regelrechte Karosseriegebirge mit flügelähnlichen Auswüchsen am Heck. Diese Blechskulpturen waren stilbildend für die Automode jener Jahre.

Auch Mercedes ließ sich anstecken, mochte aber nicht ganz von der eher sachlich geprägten Unternehmensphilosophie lassen. Bei Mercedes, so wollten es später die Werbestrategen den Käufern Glauben machen, handele es sich bei den Heckflossen nicht einfach nur um schicke Blech-Verschwendung. Die Heckflossen galten als «Peilstege» - die Erhöhungen am Heck sollten Hilfen für gezieltes Einparken sein.

Doch eigentlich war das nur ein kleines Detail jener Modellreihe, die 1959 ihre Premiere feierte. Zwar wird auch heute noch einfach nur vom Heckflossen-Mercedes jener Jahre gesprochen. Vergessen wird jedoch dabei, dass gerade diese Generation der Stern-Mobile als wahrhaft wegweisend in Sachen Sicherheit bezeichnet werden darf.

Grundsätzlich unterteilt wird die Heckflossen-Generation in die Baureihen W 110, 111 und 112. Aber in der komplizierten Bezeichnungs-Aufteilung würde man es als zu einfach erachten, wenn die Autos tatsächlich in dieser Reihenfolge erschienen wären. Zunächst gab es 1959 die Baureihe 111 - unterteilt in die Typen 220, 220 S und 220 SE. Dabei handelte es sich um neu konstruierte Modelle, mit denen die bisherige Sechszylinder-Generation abgelöst wurde. Optische Kennzeichen waren aufrecht stehende, ovale Scheinwerfer.

Die Baureihe 110 folgte 1961 und stellte sozusagen das Basismodell dar. Die technische Basis und auch die Karosserie waren größtenteils identisch. Die 110er-Typen 190 und 190 D mussten jedoch auf die großen Scheinwerfer verzichten, wurden stattdessen mit kreisrunder Standardware bestückt - und im Motorraum gab es nur vier Zylinder.

Als Krönung der Palette erschien ebenfalls im August 1961 der 300 SE, der mit wiederum weitgehend identischer Basis die Oberklasse des Hauses darstellte. Ab Werk gab es eine Automatik, Luftfederung, zahlreiche weitere Extras und einen Motor mit 3,0 Litern Hubraum und immerhin 170 PS. Äußerlich zeigte der 300er seinen Spitzenstatus durch geradezu verschwenderische Verwendung von Chromschmuck.

Die wahre Genialität der Baureihen aber verbarg sich unterm Blech. Denn was heute als selbstverständlich gilt, erlebte seinen ersten Serieneinsatz in den Baureihen 110 bis 112: die vom Konstrukteur Béla Barényi erfundene «gestaltfeste Fahrgastzelle» mit Knautschzonen an Front und Heck. Als weitere Sicherheitsextras gab es ein gepolstertes Armaturenbrett und ein Lenkrad mit einer Polsterplatte.

© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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