TV Star Portrait
Anneke Kim Sarnau - Eine Frau, ein Lachen!
Anneke Kim Sarnau spielt in 'Ein Mann, ein Fjord!' (Mi., 21.01., 20.15 Uhr, ZDF)
Von Petra Fürst 12. Jan 2009, 07:59

Tragische Figur in komischem Kontext: Anneke Kim Sarnau spielt die weibliche Hauptrolle in 'Ein Mann, ein Fjord!' © ZDF / Hans-Joachim Pfeiffer
Es gibt einen typischen Anneke-Kim-Sarnau-Lacher. Der kommt von ganz tief hinten aus der Kehle, besteht aus zwei kurzen 'Ha's und einem langen. Manchmal setzt sie dann noch zwei glucksende 'Ha's hinterher. So lacht die Schauspielerin ganz oft - nicht nur, um ihre Sprüche als Witz zu kennzeichnen, sondern manchmal auch, um anderen Aussagen ein wenig den bedrohlichen Ernst zu nehmen. Als vielfach preisgekrönte Darstellerin ist Anneke Kim Sarnau, Mitte 30, eigentlich die Frau fürs Schwierige und Tragische ('Prager Botschaft').

Dass sie aber auch vor der Kamera sauwitzig sein kann, ist spätestens seit der ProSieben-Serie 'Dr. Psycho' klar (mit Ko-Star Hinnerk Schönemann war Sarnau bis 2008 liiert). Nun durfte die Wahlberlinerin mit ihrem Jugendidol Hape Kerkeling noch eins draufsetzen und in der Verfilmung des Hörbuchs 'Ein Mann, ein Fjord!' (Mi., 21.01., 20.15 Uhr, ZDF) mitspielen: als arbeitslose Ehefrau und Mutter Birgit Krabbe, die endlich mal was gewinnt. Im Interview berichtet Anneke Kim Sarnau von der Feriencamp-Stimmung beim Dreh in Norwegen und schlägt auch ernste Töne an.
teleschau: Waren Sie aufgeregt, bevor Sie Hape Kerkeling am Set trafen?
Anneke Kim Sarnau: Klar, total.

Sagen wir mal: freudig erregt. Ich sah ihn vorher schon in der Maske, als er in Horst Schlämmer verwandelt wurde. Das ist irre: Sobald er in dieser Kostümierung steckt, lebt er das total aus. Das ist wirklich krass, gegen diese total extrovertierte Horst-Schlämmer-Art anzutreten. Und natürlich ist es ein Mega-Geschenk, mit Hape Kerkeling drehen zu können. Ich bin mit ihm groß geworden: Diese Hannilein-Witze spielten meine Freundin und ich früher immer nach ...
teleschau: Haben Sie ihm das erzählt?
Anneke Kim Sarnau: Ja, und ich bat ihn um ein Autogramm für meine Freundin. Da schrieb er dann auch drauf: 'Weißt wer dick ist?

- Deine Tante Erika ist dick!' Die hat sich total gefreut.
teleschau: Scheint auch beim Dreh sehr spaßig gewesen zu sein ...
Anneke Kim Sarnau: Es war der Hammer. Total toll. Ich glaube, es hat alle extrem gefreut, mal nicht zu Hause zu sein - außer Jürgen Tarrach. Nein Quatsch, hahahaaa. Der hatte eben total Heimweh nach Italien und italienischem Essen. - Es war logistisch nicht unanstrengend, weil wir unheimlich viel durch die Gegend fuhren, aber es war für alle im Großen und Ganzen ein Fest. Wir haben jeden Tag sehr viel gelacht.
teleschau: Sie sagten mal, Sie fühlen sich auch immer ein wenig verantwortlich für die Stimmung am Set ...

Anneke Kim Sarnau: Ich mag es einfach, wenn gute Stimmung ist und trage dann auch gerne dazu bei. Ich will nicht als die distanzierte Schauspielerin gelten, die in ihren eigenen Sphären lebt und sich auch noch dementsprechend behandeln lässt.
teleschau: Wie sieht Ihr Beitrag zum Beispiel aus?
Anneke Kim Sarnau: Wir spielen zusammen Fußball. War ja EM zu der Zeit, ne, das mussten wir ja alles nachspielen ... Wir zogen abends durch die Lokale, sahen uns die Spiele an und brüllten rum. Der Regisseur Angelo Colagrossi hörte abends nicht auf, Regie zu führen und feuerte uns alle an (Sarnau imitiert italienischen Akzent): 'Siiiinge! Siiiiinge!

- Siiinge noch maaaal!' (lacht). An einem Abend waren wir in einem irischen Pub, da war tatsächlich eine Gruppe von singenden Iren. Wir wollten irgendwie dagegenhalten. Und stellten fest, dass wir richtig schlecht sind, was deutsches Liedgut angeht, weil man sich da immer irgendwie blöde fühlt. Das ist wirklich sehr schade.
teleschau: Wie ist es denn Ihrer Meinung nach um den deutschen Humor bestellt?
Anneke Kim Sarnau: Der deutsche Humor bedeutet für mich, dass man sich über deutsche Eigenschaften auf verschiedenste Art und Weise lustig macht. Das kann ja von subtil, intelligent und fein - wie Loriot zum Beispiel - über intelligent, aber auch provokant - wie Hape Kerkeling - bis hin zu platt reichen. Wie irgendein Comedy-Typ. Dieses amerikanisierte Stand-up-Mäßige, das ist ja zum Teil auch klug, aber manchmal nervt mich das wirklich.
teleschau: 'Ein Mann, ein Fjord!' war nicht Ihre erste Komödie, aber doch eine andere Art von Humor als zum Beispiel die ProSieben-Serie 'Dr. Psycho'.
Anneke Kim Sarnau: Ja, es ist ein ganz eigener Humor. Diese Art war für mich totales Neuland: eine eigentlich tragische Figur innerhalb eines humorvollen Kotextes zu spielen. Ich fragte mich: Kann ich das hinkriegen? So wie zum Beispiel Armin Rohde? Der macht nur kleine Gesten, und schon muss man lächeln. Dann macht er noch kleinere, dann muss man lachen. Der hat das einfach drauf!
teleschau: Trotz all der Lacher bei 'Ein Mann, ein Fjord!' - Beide Krabbes sind arbeitslos, und dieser tragische Aspekt kommt auch in einem gewissen bedrückenden Ausmaß 'rüber.
Anneke Kim Sarnau: Ja, kommt das durch, dass das traurig ist? Das finde ich gut. Schrecklich, oder? Wie viele Menschen in solchen Situationen sind. Gerade als Familienväter oder -mütter - das muss so ätzend sein, wenn man den Kindern oder auch sich selbst nicht das Leben bieten kann, das man möchte. Rein finanziell, aber auch emotional - immer diese Sorge. Das finde ich echt gemein, dass nicht ein Grundlebensstandard vorhanden ist. Der dm-Gründer Götz Werner vertritt ja die Ansicht, dass jeder Bürger ein Grundeinkommen erhalten sollte und die, die arbeiten wollen, sich was dazu verdienen können. Er hat das alles begründet, und es rechnete sich tatsächlich besser als das, was jetzt gerade praktiziert wird.
teleschau: Sehr treffend und bitter ist zum Beispiel die Szene, in der Norbert seinem Betreuer im Arbeitsamt erklärt: 'Die Kurse 'Erfolgreich bewerben I und II' habe ich schon gemacht ...'
Anneke Kim Sarnau: Ein Bekannter von mir ist Maurer, wurde mit Anfang 50 arbeitslos und wollte eine Umschulung zum Gabelstapler-Fahrer machen. Er musste aber stattdessen weitere Lehrgänge als Maurer besuchen. Ist das nicht bescheuert? Das ist alles so hilflos. Und rausgeschmissenes Geld. Diese ganzen Maßnahmen - hier noch 'n Lehrgang, da noch 'n Lehrgang - das ist alles so verzweifelt. Ein bisschen kafkaesk. Ich glaube nicht, dass das zu etwas Produktivem führt, sondern die Leute noch frustrierter macht. Sie werden ja auch für unmündig erklärt.
teleschau: Sie selbst sind eine sehr anerkannte Schauspielerin - Haben Sie da mittlerweile ein gewisses Grundvertrauen, dass der Laden läuft?
Anneke Kim Sarnau: Ich habe auch immer wieder Angst. Man bekommt so oft eingetrichtert, dass man als Frau ab einem gewissen Alter das alles knicken kann, und dass es dann nur noch ein paar gibt, die Jobs kriegen ... Ich bin aber auch niemand, der um des Geldes willen alles annimmt. Da macht man es sich auf gewisser Ebene auch nicht gerade leicht. Ich hoffe aber, dass ich dadurch eine gewisse Kontinuität zeigen kann, und dass ich fähig bin zu Qualitätssteigerung. Dann kommt auch so extrem begabter Nachwuchs. Da denke ich schon manchmal: Ach du Scheiße, bin ich noch gut genug? Hahahaa. Allein deshalb gehe ich schon zu meinem Coach.
teleschau: Ist die Arbeit mit einem Coach eigentlich üblich in der Branche?
Anneke Kim Sarnau: Größere Rollen bereite ich schon seit zehn Jahren gemeinsam mit ihm vor. Als ich angefangen habe, wurde ich deswegen noch oft belächelt. Jetzt merke ich, dass es sich umgekehrt hat. Alle merken, dass es notwendig ist, sich selbst als ein Instrument weiter auf dem Laufenden zu halten. Das ist ein bisschen das Vermessene an uns Schauspielern, zu denken: 'Joa, ich hab die Ausbildung ... reicht jetzt, ne.' Aber man verändert sich ja auch im Laufe eines Lebens. Wenn jeder Mensch die Möglichkeit hätte, mit so einem Superprofi zu arbeiten, der einem hilft, mit sich selbst zu arbeiten und sich bestimmten emotionalen Ebenen noch mehr zu öffnen ... das wär' doch perfekt! Übrigens sehen auch die Regisseure und Produktionsfirmen zunehmend die Notwendigkeit. Weil auch die Zeit oft immer knapper wird: Filme werden zum Teil nicht mehr in sechs Wochen gedreht, sondern in drei. Das heißt, man kann auch nicht mehr ewig proben.
teleschau: Aber Sie leisten sich den Coach selbst?
Anneke Kim Sarnau: Ja, leider ist das immer noch so. Schon bevor ich Jobs hatte, habe ich mir den geleistet. Alle Arten von psychischer oder physischer Arbeit an mir selbst sehe ich einfach als Investition für mich, mein Leben und meinen Beruf.
teleschau: Scheint sich ja gelohnt zu haben ...
Anneke Kim Sarnau: Ja ... Ich klopf gleich mal wieder auf Holz.
teleschau: Sind Sie ein wenig abergläubisch?
Anneke Kim Sarnau: Ich glaube schon. Auf eine gewisse Art bin ich schon so ein bisschen bescheuert - typisch Frau.
teleschau: Haben Sie auch gute Vorsätze fürs neue Jahr gefasst?
Anneke Kim Sarnau: Ja: Dieses Jahr bin ich der Boss! Im privaten Bereich, aber auch sonst. Das ist jetzt mein Motto. Hahahaaa, haha!
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Kommentiere diesen ArtikelStar Zitat: Matthias Brandt
22. Jan 2009, 07:58
Als Sohn des berühmten Politikers Willy Brandt erlebte Matthias Brandt (47) eine etwas andere Kindheit als viele seiner Altersgenossen. Doch das empfand der Schauspieler, der demnächst in der TV-Komödie 'Ein Mann, ein Fjord!' (Mi., 21.01., ZDF, 20.15 Uhr) zu sehen ist, als nicht belastend: 'Kinder sind viel pragmatischer, die stellen vieles nicht in Frage und machen das Beste daraus. ... mehrEin Mann, ein Fjord! - 21.01.2009 20:15 - ZDF (Kurzbesprechung)
21. Jan 2009, 20:15
Norbert Krabbe geht seiner Familie mit seiner Preisrätsel-Sucht auf den Wecker. Als er dann endlich den Hautpreis gewinnt, ist es ausgerechnet ein nach ihm benannter Fjord in Norwegen. Norbert, dem sonst schon in der S-Bahn schlecht wird, macht sich mit Tochter Ute nach Norden auf, um den Fjord zu besichtigen. Amüsantes Roadmovie der ganz besonderen Art mit einem gewohnt witzigen Hape Kerkeling als Gaststar. Mit Hape Kerkeling, Jürgen Tarrach, Anneke Kim Sarnau. ... mehr
Ein Mann, ein Fjord! - 21.01.2009 20:15 - ZDF
21. Jan 2009, 20:15
Am Anfang stand die Frage: 'Welches ist der wertvollste und gleichzeitig absurdeste Preis, den man gewinnen könnte?' - Die Antwort gaben Angelo Colagrossi, Hape Kerkeling und Angelina Maccarone im Titel ihres Hörbuch-Bestsellers 'Ein Mann, ein Fjord!' - Für das ZDF verfilmte das Trio nun die Geschichte über die Suche nach dem Glück im Preisausschreiben und in Skandinavien als abstruses Roadmovie. Dabei wurden sie von einem Starensemble leidenschaftlich unterstützt. Mit dabei: Anneke Kim Sarnau, Jürgen Tarrach, die norwegische Chanteuse Wencke Myhre und Horst Schlämmer, der sich selbst spielt ... ... mehr
Bin ja nich von gestern, Schätzelein!
14. Jan 2009, 07:56
Schade, schade: Sein Hörbuch 'Ein Mann, ein Fjord' ist dem deutschen Comedian, Moderator und Bestsellerautor Hape Kerkeling auf seiner Homepage (www.hapekerkeling.de) gerade mal einen Verweis ins Online-Kaufhaus wert. Über dessen Verfilmung und anstehende Ausstrahlung im ZDF (Mittwoch, 21. Januar, 20.15 Uhr) wird indes kein Wort verloren. Die leuchtend bunte Seite scheint verwahrlost und unvollständig. Nicht einmal eine Biografie des vielseitigen Entertainers findet man hier - enttäuschend, wo es doch so viel zu erzählen gäbe. ... mehrStar Zitat: Anneke Kim Sarnau
13. Jan 2009, 07:59
In 'Ein Mann, ein Fjord!' (Mittwoch, 21.01., 20.15 Uhr, ZDF) spielt Anneke Kim Sarnau (33) an der Seite von Hape Kerkeling eine arbeitslose Mutter. Was es heutzutage bedeutet, keinen Job zu haben, hat die Schauspielerin durch Freunde hautnah miterleben dürfen. 'Ein Bekannter von mir ist Maurer, wurde mit Anfang 50 arbeitslos und wollte eine Umschulung zum Gabelstapler-Fahrer machen. Er musste aber stattdessen weitere Lehrgänge als Maurer besuchen. Ist das nicht bescheuert? ... mehrMehr über Anneke Kim Sarnau
"Anneke Kim Sarnau" (* 25. Februar 1975 in Elmshorn) ist eine deutsche Schauspielerin mit Wohnsitz in Berlin. ....mehr- Uns trennt das Leben - Mi. 04.04 - ARD: 20.15 Uhr
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"Jürgen Tarrach" (* 17. Dezember 1960 in Geilenkirchen) ist ein deutscher Filmschauspieler. ....mehr- 'Neger, Neger, Schornsteinfeger' (1) - Di. 10.04 - 3sat: 22.25 Uhr
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