Musik Kritiken
CD Kritik: 4th Dimension von Jimi Tenor & Kabu Kabu
Von Jochen Overbeck 23. Jan 2009, 07:57

Als Jimi Tenor sich vor gut zwei Jahren mit dem afrikanischen Trio Kabu Kabu zusammentat, um mit 'Joystone' ein ebenso üppiges wie astreines Afro-Jazz-Album aufzunehmen, waren die Kritiker begeistert - und das, obwohl das Chaotische und das Kühle, immer auch Kompetenzgebiete des wunderlichen Finnen, hier strukturierteren und fast traditionalistischen Songs Platz machten. '4th Dimension' ist Tenors zweites Album mit Kabu Kabu - und lebt ebenfalls vom Perkussiven und seinen scharfen Bläsersätzen, geht aber einige Schritte weiter: So findet sich mit 'Global Party' sicher einer der schönsten Disco-Tracks des Jahres auf dem Album: Bässe der New Yorker DFA-Schule treffen afrikanische Drum-Patterns und Latin-Rhythmen. Und über all dem liegt die Querflöte so selbstverständlich wie der knöchellange Samtmantel bei Live-Konzerten über Tenors Schultern.
Es ist auch schon wieder eine Weile her, dass Tenor mit 'Take Me Baby' plötzlich auch im Pop-Kosmos wahrgenommen wurde. '4th Dimension' könnte da für eine Renaissance sorgen - weil oben erwähntes 'Global Party' oder auch 'Mystery Spot' eine Eingängigkeit besitzen, die geradezu unverschämt ist. Aber eben auch, weil Afrobeat gerade so ein bisschen das Ding der Stunde ist und rhythmisch natürlich eine ganze Menge mit dem gemein hat, was Tenor und seine Männer hier machen. Die Funkyness des Anfangs macht indes im Verlauf des Albums ab und an Pausen. So gibt 'Triple Helix' eine sehr offene Freejazz-Pause, bevor mit 'Grind' und dem schwer instrumentierten Prog-Jazz-Hauer 'Mogadishu Ave' wieder ordentlich gegroovt werden darf. Genre-Größen wie Fela Kuti erreicht Tenor mit diesem Stilmix ganz locker - spannender sind aber die Stücke, in denen er Traditionen verlässt. Auch was die Klangkonstrukte angeht: So erinnert 'Fast Legs' mit seiner ultrareduzierten Instrumentierung fast an afrikanische Field Recordings, verbindet das neunminütige Schlussepos 'Magical World' den Easy-Appeal eines Lalo Schifrin mit Afrobeat, furztrockenen Saxofon-Patterns und nur begrenzt sinnvoll erscheinenden Spoken Words.
© 2009 teleschau - der mediendienst
Kommentiere diesen Artikel










Zur Zeit sind keine Kommentare für diesen Beitrag vorhanden.
Hier als erster einen neuen Kommentar verfassen