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Das ZDF kämpft um junge Zuschauer

2. Feb 2009, 15:42

Thomas Bellut (l-r), Markus Schächter, und Nikolaus Brender vor Beginn der Jahres-Pressekonferenz  © DPA

Thomas Bellut (l-r), Markus Schächter, und Nikolaus Brender vor Beginn der Jahres-Pressekonferenz © DPA

München - Das ZDF sieht sieht im Superwahljahr, der Wirtschaftskrise und den zahlreichen historischen Jubiläen in diesem Jahr eine extreme Herausforderung an seriöse und verständliche Information.

Zum anderen hat sich der Mainzer Sender die Pflicht auferlegt, mehr junge Leute an sich und auch wieder intensiver an die Demokratie zu binden. «Das wird kein einfaches Jahr», sagte ZDF- Chefredakteur Nikolaus Brender am Montag bei der Präsentation des Programms für 2009 in München.

Im politischen Programm sollen klassische Fernsehsendungen zunehmend mit Online-Formaten vernetzt werden. Als Beispiel nannte Brender das neue Jugend-Debattierformat «Ich kann Kanzler» und eine Kooperation zwischen der politischen Talkshow-Moderatorin Maybrit Illner und der Videoplattform YouTube.

Intendant Markus Schächter nannte die Ausgangslage günstig: Erstmals seit 16 Jahren gehe der Sender schuldenfrei in eine neu beginnende Gebührenperiode. Zugleich stehe das ZDF vor dem grundsätzlichen Wandel von der Sendeanstalt zum Multimedia- Unternehmen. Zahlreiche erfolgreiche Reihen wie «Die Deutschen» würden fortgeführt. Mit mehr als 500 Millionen Euro habe der öffentlich-rechtliche Sender so viel wie noch nie für das fiktionale Erzählen ausgegeben. Zu den Spielfilm-Highlights zählen «Departed» mit Leonardo DiCaprio und Jack Nicholson, «Die Queen» mit Oscar- Gewinnerin Helen Mirren oder «The Good German» mit George Clooney sowie Eigen- und Koproduktionen, darunter «Anonyma» mit Nina Hoss.

«Erstmals in der Geschichte des ZDF können wir uns aus der babylonischen Gefangenschaft des Einkanals befreien», sagte Schächter mit Blick auf die geplanten Spartenprogramme etwa für Kultur, Familien, Wirtschaftsthemen oder auch neue Formate im Internet. Dabei sei der Mainzer Sender auf die neuen Regeln des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages vorbereitet. «Wir werden den Drei- Stufen-Test erstmals wohl beim Telemedienkonzept im Sommer umsetzen - wir sind gut im Plan.» Ebenfalls im Sommer stehe mit der Leichtathletik-WM das erste Fernsehereignis in hochauflösender HD- Technologie (High Definition) auf dem Programm.

Breiten Raum werden erneut historische Stoffe einnehmen, etwa ein Dreiteiler über die Industriellen-Familie Krupp, ein Fernsehfilm über den Studentenrevolutionär Rudi Dutschke oder zwei Folgen der Doku- Reihe «Terra X» über die Varusschlacht der Germanen gegen die Römer vor 2000 Jahren. Mit deutsch-deutschen Befindlichkeiten 20 Jahre nach dem Mauerfall befasst sich das Format «Wo die Liebe hinfährt», bei dem zehn Singlefrauen aus Köln in den neuen Bundesländern nach der Liebe fürs Leben suchen. Weitere Themen werden die Mondlandung vor 40 Jahren und das 60-jährige Bestehen des Grundgesetzes sein.

Quoten vor allem bei den Frauen könnte die Serie «Klimawechsel» bringen, die das ZDF mit Filmregisseurin Doris Dörrie plant. Im Mittelpunkt stehen vier Frauen im mittleren Alter - unter anderem mit Andrea Sawatzki und Juliane Köhler, erläuterte Programmdirektor Thomas Bellut. Bei den Telenovelas schickt das Zweite statt Bianca oder Nora ab März «Alisa» in den Kampf um Liebe, Erfolg und Leidenschaft. Fans, die es etwas spannender lieben, will das ZDF mit Verfilmungen von Krimis etwa der französischen Erfolgsautorin Fred Vargas oder des Schweden Stieg Larsson an sich binden.

© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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