Kino Kritiken


Film Kritik: The International

Monstrum Banker

Von Leif Kramp 7. Feb 2009, 07:59

Am 5. Februar wurde die 59. Berlinale mit 'The International' eröffnet. © Sony Pictures Releasing GmbH

Am 5. Februar wurde die 59. Berlinale mit 'The International' eröffnet. © Sony Pictures Releasing GmbH

Hollywood hat die Finanzkrise entdeckt: Tom Tykwers Krimi über organisierte Kriminalität im Bankenmilieu verspricht jedoch keine Besserung.

Wie man es auch dreht und wendet: Tom Tykwer hat bei der Wahl seiner Filmstoffe ein glückliches Händchen. Dem Berliner Regisseur dürfte die globale Finanz- und Wirtschaftskrise gerade recht gekommen sein, schließlich trifft sein neuer Film, der die diesjährigen Berliner Filmfestspiele eröffnete, genau ins Schwarze. Er verleiht dem derzeit grassierenden Misstrauen gegen die Machen- und Seilschaften in Bankenkreisen neuen Auftrieb.

Im New Yorker Guggenheim Museum gerät Louis Salinger (Clive Owen) in eine gefährliche Schießerei. © Sony Pictures Releasing GmbH

Im New Yorker Guggenheim Museum gerät Louis Salinger (Clive Owen) in eine gefährliche Schießerei. © Sony Pictures Releasing GmbH

Hochaktuell und brisant ist das Szenario, das Tykwers Verschwörungskrimi in der allgemeinen Atmosphäre der Angst die nötige Aufmerksamkeit zukommen lässt. Nach seiner Multimillionendollar-Produktion 'Das Parfüm' dürfte ein neuer Publikumserfolg wahrscheinlich sein. Es kämpfen zwei aufrichtige Ermittler gegen ein globales und schier unangreifbar erscheinendes System aus kühlem Kalkül, menschenverachtender Skrupellosigkeit und profitabler Geschäftemacherei.

Der Berliner Regisseur konzeptionierte seinen Thriller auf der Basis des von tatsächlichen Ereignissen inspirierten Drehbuchs von Autor Eric Warren Singer.

Der ehemalige Stasi-Mitarbeiter Wilhelm Wexler (Armin Mueller-Stahl) ist jetzt für die IBBC Bank tätig. © Sony Pictures Releasing GmbH

Der ehemalige Stasi-Mitarbeiter Wilhelm Wexler (Armin Mueller-Stahl) ist jetzt für die IBBC Bank tätig. © Sony Pictures Releasing GmbH

Es entstand lange bevor sich die weltweite Panik um Kredite, Erspartes und die realwirtschaftlichen Konsequenzen spekulativer Teufelskreise am Finanzmarkt Bahn brachen. Das dicht inszenierte Abenteuer einer New Yorker Staatsanwältin (Naomi Watts) und eines britischen Interpol-Agenten (Clive Owen) trifft dennoch mitten ins Schwarze. Es passt zu all den düsteren Verschwörungstheorien, die aufkommen angesichts des Grolls über tatsächlich existierende Bankmanager, die sich trotz ihres Versagen Millionen-Boni zahlen.

Um jeden Preis wollen Louis Salinger (Clive Owen) und Eleanor Whitman (Naomi Watts) die illegalen Geschäfte einer mächtigen Großbank aufdecken. © Sony Pictures Releasing GmbH

Um jeden Preis wollen Louis Salinger (Clive Owen) und Eleanor Whitman (Naomi Watts) die illegalen Geschäfte einer mächtigen Großbank aufdecken. © Sony Pictures Releasing GmbH

Zweifellos liest sich Tykwers Mär um ein weltumspannendes Netzwerk aus Lug und Betrug auf allen gesellschaftlichen Ebenen mit einem allmächtigen Bankenkonzern als Herzstück wie eine apokalyptische Vision kapitalistischer Wucherung. Die International Bank of Business and Credit, kurz IBBC, ist eine Festung des Unheils. Ihre Kunden sind Geheimdienste, Terrororganisationen, Drogenbarone, Diktatoren wie auch demokratisch gewählte Regierungen, die sämtliche finanziellen Aspekte ihrer Operationen am Rande oder weit jenseits der Legalität über die Luxemburger Zentrale des pompösen Bankhauses abwickeln.

Interpol-Agent Louis Salinger (Clive Owen) und die Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts) bewegen sich auf gefährlichem Terrain. © Sony Pictures Releasing GmbH

Interpol-Agent Louis Salinger (Clive Owen) und die Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts) bewegen sich auf gefährlichem Terrain. © Sony Pictures Releasing GmbH

Das Kreditinstitut profitiert dabei weniger von monetären Gewinnen, sondern vielmehr von der Schuld seiner Klientel: Konflikte sind das wahre Geschäft. Ob Krieg oder Freiheitskampf: Schulden fallen immer und überall an. Also vergoldet sich die Bank ihr ruchloses Streben nach der Schuldigkeit Anderer mit der Vermittlung von Waffengeschäften. Deutschlands Vorzeigeschauspieler Armin Mueller-Stahl, der im Film auf gekonnt ambivalente Weise einen undurchsichtigen Ex-Stasioffizier spielt, welcher der Bank als Berater für die schmutzige Beseitigung von Unruhestiftern und aussagebereiten Verrätern zur Seite steht, glaubt fest an die aufklärende Funktion des Thrillers: 'Kriege, Aids, Hunger: Das sind die drängenden Probleme unserer Zeit.' Die Weltbevölkerung sei zu Sklaven des Geldes, nicht zu seinen Herrschern geworden. Dass der Film nun zeige, dass Bankmanager zu Monstern degeneriert seien, gereicht Stahl zu der Schlussfolgerung, dass sich all die glücklich schätzen könnten, die nicht der korrumpierenden Kraft des Geldes verfielen.

So moralisch die Botschaft des Wirtschaftskrimis auch interpretiert werden kann: Die Verstrickung von Bankengeschäften mit der organisierten Kriminalität wird in 'The International' zwar konkret, jedoch nicht unbedingt verständlich. Viel Zeit und Mühe verwendete Tykwer darauf, geduldig auf den krachenden Höhepunkt zwischen Gut und Böse hinzuarbeiten, bei dem das nachgebaute Guggenheim Museum in New York zum durchsiebten Symbol des Widerstandes gegen die nicht fassbare Übermacht wird. Doch was sich an Spannung entwickelt, verliert sich bald in schlaglichtartigen Hinweisen, Ahnungen und Mutmaßungen über ein omnipräsentes System aus Waffenschieberei, Mord und Korruption.

Zwar trägt das Charisma des passionierten Mantelträgers Clive Owen weite Strecken des etwas altbackenen Verschwörungszaubers, doch wird weder der Hintergrund seiner Figur noch jener von Naomi Watts ausreichend ausgeleuchtet. Knappe Kommentare und Erklärungen müssen reichen, um nicht von der komplizierten, weil abstrakten Filmthematik abzulenken. So bleiben die ehrbaren wie aufopferungsvollen Ermittler trotz ihrer eindringlichen Blicke, ihren bemitleidenswerten Prellungen und Schrammen und ihrem beneidenswerten Durchhaltewillen für den Zuschauer seltsam unnahbar.

Tykwer propagiert die Kultivierung der Ratlosigkeit als höchstes Ziel eines Filmemachers, der das trainierte Auge des zeitgenössischen Kinogängers mit ungeahnten Wendungen zu überraschen sucht. Abgesehen von der kurzweiligen Wirkung der neuen Fährten innerhalb der Geschichte bleibt der Zuschauer jedoch vor allem deshalb ratlos zurück, weil der Film trotz aller gegenteiliger Erwartungen weder schlüssige Auswege noch Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die verfahrene Situation des internationalen Verbrechens anbietet. Nicht einmal ein Hoffnungsschimmer kommt auf. Vielmehr wird der Eindruck von der Hilflosigkeit des Einzelnen letztlich noch gestärkt. Mag sein, dass das den Film hinsichtlich seiner Nähe zur Lebenswirklichkeit auszeichnet. Doch es nicht viel hilft, wenn das Kino als Zufluchtsstätte vor der Härte, Kühle und Unbarmherzigkeit der Welt aufgesucht wird.© 2009 teleschau - der mediendienst

Kommentiere diesen Artikel

Mehr zum Thema

CD Kritik: O.S.T. The International von Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil

21. Feb 2009, 07:57

CD Kritik: O.S.T. The International von Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil
Dass Regisseur Tom Tykwer auch als Klangschaffender eine gute Figur macht, hat er nicht nur in 'Lola rennt', 'Das Parfüm' und vor allem in 'Der Krieger und die Kaiserin' bewiesen. Auch in seinem neuen Verschwörungsthriller 'The International' legt er - mit seinen Mitstreitern Johnny Klimek und Reinhold Heil - einen Soundtrack hin, der seinen Zweck wunderbar erfüllt. ... mehr

Star Zitat: Clive Owen

18. Feb 2009, 07:59

Star Zitat: Clive Owen
Clive Owen (44) ist derzeit in der Hauptrolle von 'The International' im Kino zu sehen. Anlässlich der Premiere des Films auf der Berlinale schmeichelte der Schauspieler seinem Regisseur Tom Tykwer: 'Ich bin ein großer Fan von ihm, und bei jedem seiner Filme hatte ich immer das Gefühl, dass er genau weiß, was er tut. Deswegen habe ich mich bei ihm auch hundertprozentig sicher gefühlt. ... mehr

Clive Owen - Eine Portion Wahrheit

12. Feb 2009, 07:59

Clive Owen - Eine Portion Wahrheit
Manche Männer müssen reifen, bevor ihnen der internationale Durchbruch gelingt. Clive Owen, der Sohn eines Countrysängers aus dem englischen Coventry, wurde erst jenseits der 40 von Hollywood entdeckt. Als raubeiniger König Arthur bewies er unter Produzent Jerry Bruckheimer seine Starqualitäten, seither drehte er einen Publikumserfolg nach dem anderen: Die Vielfalt seiner Rollenwahl von einer Comicadaption wie 'Sin City' über den Bankraub-Thriller 'Inside Man' und ein Erpressungsdrama 'Entgleist' bis hin zur Endzeitvision 'Children of Men' und der Actiongroteske 'Shoot 'Em Up' kann jedoch nicht den Hang des 46-Jährigen zu Heldenfiguren verbergen. In seinem neuen Film 'The International' (Kinostart: 12.02.) nimmt er es mit einer Bank auf, die über Leichen geht, um ihre undurchsichtigen Geschäfte nicht zu gefährden. Im Interview spricht Clive Owen über das Vertrauen in die Bankenwirtschaft und erklärt, weshalb er wohl nie zu Hollywoods nächstem Actionhelden werden wird. ... mehr

Berlinale startet mit 'The International'

7. Feb 2009, 07:55

Berlinale startet mit The International
Keine Frage, der Regisseur Tom Tykwer hat bei der Wahl seiner Filmstoffe schon ein glückliches Händchen. 'The International' heißt sein aktueller Film, in dem es um die Bankenbranche geht. Er eröffnete die 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin (05. bis 15.02.), in den deutschen Kinos wird er am 12.02. starten. Knapp 400 Filme sind bei der Berlinale zu sehen, 18 davon stehen im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären. ... mehr

Ihre Meinung!

Hier einen neuen Kommentar verfassen

page: 1 

blackmail14. Feb 2009, 23:10

Gut gemachte Unterhaltung mit nicht allzu übertriebenen Actionszenen. Glaubhafte Story, die zum Nachdenken anregt.

Wer den Film: 'Der Mann, der niemals lebte' mochte, wird auch diesen Film mögen...

Diesen Kommentar melden

page: 1 

Hier einen neuen Kommentar verfassen

Mehr in Kino

  • Stelldichein für alte und neue Stars

    Stelldichein für alte und neue Stars
    Am Mittwoch, 16. Mai, beginnt das 65. Filmfestival in Cannes mit einem kleinen Jubiläum und einer vielversprechenden Filmauswahl. ... mehr

  • Die Farbe des Ozeans

    Die Farbe des Ozeans
    An der Küste Gran Canarias strandet eine Gruppe afrikanischer Bootsflüchtlinge - eine deutsche Touristin gewährt ihnen Hilfe. ... mehr

M&C WebTV

Kino
Auto
Live Konzerte

The International

Hollywood hat die Finanzkrise entdeckt: Tom Tykwers Krimi über organisierte Kriminalität im Bankenmilieu verspricht jedoch keine Besserung.V:Sony Pictures, D / GB 2008, R: Tom Tykwer, D: Naomi Watts, Armin Mueller-Stahl, ...more

Film Information

Starttermin: 2009-02-12
Regisseur: Tom Tykwer
Genre: Thriller
Bewertung: akzeptabel

Details, Videos und Bilder zu diesem Film

Mehr über The International

«The International»: Tom Tykwer setzt auf Thrill und Action

Weiterführende Links zum Thema

Homepage des Films

Trailer (Quicktime)

(Windows Media Player)

Mehr in Kino

  • Catherine Zeta-Jones spielt in 'Red 2'

    Catherine Zeta-Jones spielt in Red 2
    Dass es eine Fortsetzung zu 'R.E.D. - Älter. Härter. Besser.' (2010) geben wird, war kein Geheimnis. Nun ist auch die Besetzung bekannt: ... ... mehr

  • Our Idiot Brother

    Our Idiot Brother
    'Our Idiot Brother' ist ein rührendes und sehr witziges Märchen von einem, der nicht auszog, die Welt zu verbessern - es aber trotzdem tut. ... mehr

  • Die Kunst zu lieben

    Die Kunst zu lieben
    'Die Kunst zu lieben' erweist sich für eine Handvoll Pariser als äußerst schwieriges Unterfangen. ... mehr

  • Cameron Diaz sticht Angelina Jolie aus

    Cameron Diaz sticht Angelina Jolie aus
    Hollywoods Vorzeige-Paar wird nun doch nicht gemeinsam vor der Kamera stehen: Cameron Diaz ('Bad Teacher') schnappte Angelina Jolie ('The ... ... mehr

  • Roman Polanski wird politisch

    Roman Polanski wird politisch
    Vom Kammerspiel zum Polit-Drama: Roman Polanski ('Der Gott des Gemetzels') wird die Geschichte des französischen Offiziers Alfred Dreyfus ... ... mehr

  • Zwei Rollen zu vergeben

    Zwei Rollen zu vergeben
    Quentin Tarantino ('Inglourious Basterds') kommen die Darsteller abhanden: Kurt Russell ('Death Proof') und Sacha Baron Cohen stiegen aus ... ... mehr

  • Lachsfischen im Jemen

    Lachsfischen im Jemen
    Der Fisch stinkt vom Kopf, der Film vom Schwanz: Ein verkorkstes Ende macht gute Schauspielarbeit zunichte. ... mehr

  • 'Kick-Ass 2' steht in den Startlöchern

    Kick-Ass 2 steht in den Startlöchern
    Der Aushilfs-Actionheld rüstet sich endlich für seinen nächsten Kampf: Wie 'Deadline' berichtet, sollen die von Comicautor Mark Millar lange ... ... mehr

Information zu den Werbeformen

Informationen für Werbetreibende