Film Star Portrait
Clive Owen - Eine Portion Wahrheit
Clive Owen spielt die Hauptrolle in 'The International' (Kinostart: 12.02.)
Von Leif Kramp 12. Feb 2009, 07:59

Gut gelaunt: Clive Owen war zum Start der Berlinale zu Gast in Berlin, um seinen neuen Film zu präsentieren: 'The International'. © 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
Manche Männer müssen reifen, bevor ihnen der internationale Durchbruch gelingt. Clive Owen, der Sohn eines Countrysängers aus dem englischen Coventry, wurde erst jenseits der 40 von Hollywood entdeckt. Als raubeiniger König Arthur bewies er unter Produzent Jerry Bruckheimer seine Starqualitäten, seither drehte er einen Publikumserfolg nach dem anderen: Die Vielfalt seiner Rollenwahl von einer Comicadaption wie 'Sin City' über den Bankraub-Thriller 'Inside Man' und ein Erpressungsdrama 'Entgleist' bis hin zur Endzeitvision 'Children of Men' und der Actiongroteske 'Shoot 'Em Up' kann jedoch nicht den Hang des 46-Jährigen zu Heldenfiguren verbergen.

In seinem neuen Film 'The International' (Kinostart: 12.02.) nimmt er es mit einer Bank auf, die über Leichen geht, um ihre undurchsichtigen Geschäfte nicht zu gefährden. Im Interview spricht Clive Owen über das Vertrauen in die Bankenwirtschaft und erklärt, weshalb er wohl nie zu Hollywoods nächstem Actionhelden werden wird.
teleschau: Herr Owen, was für ein Sparer sind Sie? Geld unter das Kopfkissen? Aufs Bankkonto?
Clive Owen: Da halte ich es doch sicherheitshalber mit dem guten alten Bankkonto, wobei ich zugeben muss, dass viele Leute mittlerweile etwas ängstlicher geworden sind in dieser Hinsicht.

Niemand hat vorhersehen können, dass der Film mitten in einer solchen Zeit in die Kinos kommt, die wir gerade erleben. Das Beängstigende an unserer aller Situation ist meiner Ansicht nach, dass niemand weiß, wie wir aus der Misere wieder herauskommen. Natürlich versuchen einige Länder, das Unheil durch Verstaatlichung von Banken aufzuhalten. Doch wenn wir ehrlich sind, harren wir alle relativ unwissend der Dinge, die auf diese beispiellose Rezession und den Kollaps des Finanzmarktes folgen.
teleschau: In der Krise wächst die Sehnsucht nach Alltagsflucht: Beste Chancen also für das Kino?

Owen: Die Leute sind immer ins Kino gegangen, und es erscheint tatsächlich seltsam, dass selbst schlimme Wirtschaftskrisen sie nie davon haben abhalten können. Doch während die Zuschauerzahlen steigen, haben die Wirtschaftsprobleme auch Auswirkungen auf die Filmindustrie. Man merkt, wie vorsichtig die Studios mittlerweile ihre Entscheidungen überdenken, welche Filme sie drehen und welche nicht. Meine Theorie ist, dass es weiterhin die großen Blockbuster inklusive Fortsetzungen geben wird, die viel kosten, aber auch viel einbringen. Dazu kleine Produktionen, die bei minimalen Investitionen relativ gute Umsätze erzielen.

Doch alles, was sich dazwischen abspielt, und das sind meiner Meinung nach Filme, die oft am interessantesten sind, sehe ich als Opfer dieser Entwicklung. Je konservativer die Filmwirtschaft also beim Geldausgeben wird, desto eher fallen Projekte weg, die ihr Potenzial nur entfalten können, wenn ihre Geldgeber auch bereit sind, etwas zu riskieren.
teleschau: Sind Sie jemand, der sein Geld mit riskanten Geschäften zu vermehren sucht?
Owen: Da bin ich ganz ehrlich der falsche Mann: Ich kann Aktien- und Investmentgeschäften rein gar nichts abgewinnen. Ich lebe in einem schönen Haus und nicht in einer Spekulationsblase.

Viele, auch eine Reihe meiner Bekannten, die sich daran versucht haben, sind auf den Bauch gefallen. Selbst solche, welche die Krise haben kommen sehen, wurden hart von ihr getroffen.
teleschau: Teilen Sie das vielleicht naive Misstrauen gegenüber einem omnipräsenten System aus Macht und Geld, gegen das nicht anzukommen ist?
Owen: Es gibt einige Thesen im Film, die ihre Wirkung auf mich nicht verfehlt haben. Auch ich glaube, dass alles, was auf der Welt an Transaktionen geschieht, irgendwie miteinander zusammenhängt.

Wenn man beispielsweise über die Waffenproblematik in vielen Regionen der Erde nachdenkt, dann sollte man sich bewusst werden, dass jede dieser Waffen von jemandem verkauft und gekauft wurde. Und die Banken haben das Geld der Leute, also gibt es eine Verbindung. Es ist ein starkes Quäntchen Wahrheit, das in der Geschichte des Films steckt: Wenn jemanden bei einer Bank in der Schuld steht, hat sie Macht über ihn. Das trifft auf alles und jeden zu.
teleschau: Was gab für Sie den Ausschlag, einen scheinbar machtlosen Ermittler im Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu spielen?
Owen: Er ist einfach ein sehr obsessiver, verärgerter und leidenschaftlicher Mann, der weiter gehen würde als irgendjemand anders, um der Gerechtigkeit zu mehr Geltung zu verhelfen. Trotz seiner zahlreichen Fehler steckt in ihm ein wahrer Held, eben weil er nicht zurückscheut. Selbst dann nicht, als er erkennen muss, dass er mit seinen Mitteln nicht gewinnen kann. Sein Gerechtigkeitssinn und seine Moral machen ihn heroisch: Er zeigt uns auf sehr altmodische, aber ehrliche Art, was richtig und was falsch ist. Damit kann ich mich identifizieren.
teleschau: Schon in 'Children of Men' und 'Shoot 'Em Up' waren Sie als klassischer Held mit Actionqualitäten zu sehen. Wird es dabei bleiben?
Owen: Ich habe vielleicht viele Charaktere gespielt, die Heldenhaftes leisten, aber ich sehe mich nicht als Actionheld. Eine Ausnahme bildet vielleicht 'Shoot 'Em Up', wobei das ja auch eher eine Satire auf das Actiongenre war. So sehr es aber aussieht, dass ich meine Rollen nach einer bestimmten Strategie auswähle, habe ich mich dabei doch meist nach den Regisseuren gerichtet, so zumindest im Falle von Tom Tykwer ...
teleschau: … der sich bewusst gegen eine sonst obligatorische Liebesszene zwischen Ihnen und Naomi Watts gewehrt hat. War das eine vertrauensbildende Maßnahme?
Owen: Eine Sexszene wäre doch allzu klischeehaft und offensichtlich gewesen, oder? Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass darauf verzichtet wurde. Das Verhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren ist zwar von einer gewissen Anziehung gekennzeichnet, aber sich einfach einander in die Arme zu fallen, wäre völlig unrealistisch gewesen. Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe nicht grundsätzlich Vorbehalte gegenüber Bettszenen, aber sie sollten organisch in die Handlung eingebettet sein. Wenn also irgendetwas während der Sequenz passiert, dann merke ich sofort, dass es sich um ein besseres Drehbuch handelt. Einmal drehte ich eine wilde Sexzene und lieferte mir währenddessen eine wilde Schießerei: So etwas hat dann den nötigen Drive.
teleschau: Als Interpol-Agent tragen Sie im Kugelhagel auch einige Blessuren davon. Wie fit muss man als Hauptdarsteller heutzutage noch sein, um solche Szenen zu drehen?
Owen: Egal, welchen Film ich drehe, halte ich es für wichtig, fit zu sein - nicht um wie der coole Actionheld auszusehen, der ich gar nicht sein möchte, sondern um den Anforderungen der jeweiligen Handlung gerecht zu werden. In der Szene, wo das New Yorker Guggenheim Museum zur Szenerie einer Schießerei wird und ich mittendrin stecke, musste ich der körperlichen Belastung natürlich standhalten. Doch mir lag viel daran, dem Zuschauer zu suggerieren, wie es wäre, wenn er selbst in einer solchen Klemme stecken würde.
teleschau: Vor allem für das deutsche Publikum hält der Film viele Wiedererkennungswerte bereit: Die Hälfte der Drehzeit verbrachten Sie in Berlin. Wie hat es Ihnen gefallen?
Owen: Ich habe den Eindruck, dass Berlin zurzeit die interessanteste Stadt Europas ist. Wer sich hier aufhält, fühlt sich gleich jünger, mitgerissen von der Energie, die an allen Ecken zu spüren ist. Es ist keine typische Hauptstadt, sondern sie gehört den Menschen, die in ihr wohnen. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt: Auf der Straße erkannt zu werden, ist für mich mittlerweile normal. In Berlin erging es mir daher auch nicht anders. Aber ich wurde nicht belästigt oder Ähnliches. Ich konnte mich mit meiner Familie also frei bewegen. Wir waren ständig unterwegs und haben täglich kleine Läden entdeckt, die von der Leidenschaft ihrer Besitzer erzählten. Ich bin außerdem ein passionierter Esser und habe in Berlin Restaurants gefunden, die einfach nur einzigartig sind. Meine Familie zehrt immer noch von einem Second Hand-Laden voller Teddybären: Wenn man vor dem Schaufenster steht, sieht er aus, als wäre seit Jahren kein Kunde mehr durch die Tür gegangen. Doch drinnen erstreckt sich ein wahres Panoptikum von Plüschbären. Zwei davon wohnen jetzt bei uns zu Hause, eine schöne Erinnerung.
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CD Kritik: O.S.T. The International von Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil
21. Feb 2009, 07:57
Dass Regisseur Tom Tykwer auch als Klangschaffender eine gute Figur macht, hat er nicht nur in 'Lola rennt', 'Das Parfüm' und vor allem in 'Der Krieger und die Kaiserin' bewiesen. Auch in seinem neuen Verschwörungsthriller 'The International' legt er - mit seinen Mitstreitern Johnny Klimek und Reinhold Heil - einen Soundtrack hin, der seinen Zweck wunderbar erfüllt. ... mehrStar Zitat: Clive Owen
18. Feb 2009, 07:59
Clive Owen (44) ist derzeit in der Hauptrolle von 'The International' im Kino zu sehen. Anlässlich der Premiere des Films auf der Berlinale schmeichelte der Schauspieler seinem Regisseur Tom Tykwer: 'Ich bin ein großer Fan von ihm, und bei jedem seiner Filme hatte ich immer das Gefühl, dass er genau weiß, was er tut. Deswegen habe ich mich bei ihm auch hundertprozentig sicher gefühlt. ... mehrFilm Kritik: The International
7. Feb 2009, 07:59
Hollywood hat die Finanzkrise entdeckt: Tom Tykwers Krimi über organisierte Kriminalität im Bankenmilieu verspricht jedoch keine Besserung. ... mehrBerlinale startet mit 'The International'
7. Feb 2009, 07:55
Keine Frage, der Regisseur Tom Tykwer hat bei der Wahl seiner Filmstoffe schon ein glückliches Händchen. 'The International' heißt sein aktueller Film, in dem es um die Bankenbranche geht. Er eröffnete die 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin (05. bis 15.02.), in den deutschen Kinos wird er am 12.02. starten. Knapp 400 Filme sind bei der Berlinale zu sehen, 18 davon stehen im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären. ... mehrMehr über Clive Owen
"Clive Owen" (* 3. Oktober 1964, in Coventry, Warwickshire, England) ist ein britischer Theater- und Filmschauspieler. ....mehr- King Arthur - Mi. 16.05 - kabel eins: 20.15 Uhr
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