Musik Kritiken
CD Kritik: Herbstklagen von Waldgeflüster
Von Andre Friebel 26. Feb 2009, 23:30

Die aus Österreich, genauer Niederösterreich, stammende Band „Waldgeflüster“ besteht im Wesentlichen aus einer Person, Winterherz, der vielerorts als Initiator der Band gilt und ihr das verliehen hat, wonach sich die aktuelle Welt des klassischen Black Metals schon lange sehnte.
Nicht, dass es still geworden wäre um die Band - „Herbstklagen“ lässt einen von kalten Herbsttagen träumen, die in die Naturgebundenheit und damit definitive Absicht der Band passt. Still stellt man sich dabei die Jahreszeit vor, oder zumindest das, was man wohl mit dem Begriff „Herbstklagen“ in Verbindung bringt. Aber der Herbst kann auch seine schönen Seiten haben, ergo wäre der Begriff, der übrigens das neue Album von Waldgeflüster tituliert, schmückend und „kunterbunt“ gemeint.
Mittlerweile haben sich drei weitere Mitglieder in die Band eingefunden, die den Live-Auftritten ihren letzten Schliff verleihen. Dazu gehören Winterherz (Gitarren, Gesang, Programming), Alex (Gitarre), Gleb (Drums) und Noctar (Gitarre).
Das Coverartwork lässt nur unschwer erkennen, dass hier jemand sehr viel mit Naturverbundenheit zu tun hat: Der Wald – deswegen auch 'Waldgeflüster' – ist ein Ort, an dem sich Winterherz, laut einem Interview, sehr gerne aufhält. Nahezu jede freie Minute verbringt er im Wald.
Wichtig ist jeder Pfad, jeder abseits liegende Boden, der mit Moos besäht ist, den im Herbst bunte Blätter und kleine Frostpfropfen decken, jeder Baum, jeder Strauch, jede Pflanze und jedes Tier – alles bedeutet ihm die Welt.
Demnach wären wir beim Cover allgemein angelangt. Sehr inspirierend wirken Vorder- und Rückseite sowie das „Herz“ des Gesamten, das Innenleben. Passend zu den Liedern des Albums sind im Album-Beiheft Bilder und Photos zu erkennen, die Bäume und Wälder gepaart mit ihrer Umgebung zeigen. Die Bilder wurden, so habe ich das Gefühl, passend zu den Liedern, deren Titeln und Inhalten gewählt. Als Beispiel passt hier „Klage VIII – Erster Schnee“ vor dem Hintergrund einer Schneelandschaft mit Fluss und Bäumen.
Auf der letzten Seite im Beiheft ist „der Meister“ selbst porträtiert – düster, finster, den Blick gesenkt, dennoch bedacht.
Sehr naturverbunden scheinen auch die Gastmusiker auf dem Album angehaucht zu sein. Die vier Musiker Andreas (Schlagzeug), Max U. (Klavier), Max M. (Flöten) und Marco (Hörner) verleihen dem sonst eingefleischten Solo-Projekt nur positive Tendenz und sorgen für entsprechende Abwechslung, Spannung und den, wie ich finde, Feinschliff – schließlich handelt es sich nicht nur um ein gewöhnliches Black-Metal-Album aus einer beliebigen Schublade.
Neben einer Vielzahl sich abwechselnder Akustik-Gitarren Passagen fallen einem sofort die ab und an durchklingenden Gesangs-Parts auf. Das Album beginnt mit einem Intro: „Klage I – Sommerabend“, zieht sich dann durch den eigentlichen Herbst und endet im Schnee: „Klage IX – Wintermorgen“. Schön dabei sind nicht nur die Wortspiele, die im Grunde genommen nichts anderes darstellen als durchdachte Kontraste und Veränderungen.
Durch den vermehrten Einsatz der Akustik-Gitarre schwellen einzelne Song-Stellen an und wieder ab, doch dabei klingt nichts unharmonisch. Denn so harmonisch wie die Natur sein kann und es wahrlich auch ist, so harmonisch hört sich der Gesang und die Musik der Band „Waldgeflüster“ um „Winterherz“ an, der hier im Album eher den Herbst als Mittelpunkt der Handlung sieht.
Seltsam? Keineswegs: Es lohnt sich durchaus diese CD als sein Besitz und Eigentum titulieren zu können. Es ist etwas, was dem ein oder anderen sofort, dem nächsten erst nach dem zweiten Hören gefallen wird, denn es mag wahrscheinlich etwas gewöhnungsbedürftig sein, dennoch so einzigartig wie unsere Natur selbst!
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