TV Star Portrait
Katharina Wackernagel - Endlich volljährig
Katharina Wackernagel spielt in 'Stralsund - Mörderische Verfolgung' (Mo., 30.03., 20.15 Uhr, ZDF)
Von Eric Leimann 2. Mär 2009, 07:59

'Die Frisuren fand ich super', erklärte Katharina Wackernagel zu ihrer Rolle in 'Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei'. © SAT.1 / Stephan Rabold
Frauen, die knallhart und mit System an ihrer Karriere feilen, stellt man sich anders vor. Katharina Wackernagel, im Oktober 30 Jahre alt geworden, strahlt eher eine Art gelangweilter Gemütlichkeit aus. Im Interview fingert die Schauspielerin nach einer Gauloises und setzt zur Standardantwort derer an, die sich ihre Popularität nicht erklären können: Es sei alles einfach so passiert. Man bemüht sich, aber es war vor allem Glück. Die richtigen Projekte und Rollen eben.

Dabei lesen sich die jüngsten Filme des brünetten Jungstars wie ein Auszug der Nominiertenlisten wichtiger Film- und Fernsehpreise: 'Contergan', 'Mein Mörder kommt zurück', 'Baader Meinhof Komplex'. Wer in Deutschland so positiv auffällt, für den ist es höchste Zeit, einen TV-Kommissar zu geben. In 'Stralsund - Mörderische Verfolgung' (Mo., 30.03., 20.15 Uhr), aus dem das ZDF eine Reihe machen möchte, spielt sich Katharina Wackernagel vielleicht sogar sich selbst. Eine junge Frau, die von der Größe ihrer Aufgabe überrascht zu sein scheint, sie aber dennoch verblüffend gut meistert.

Eigentlich führt sie immer noch das Leben eines Mädchens, sagen wir einer Studentin. Katharina Wackernagel lebt mit ihrem jüngeren Bruder in einer Berliner WG. Sie raucht Zigaretten und mag Ska-Musik. Sieht man sie jedoch bei Veranstaltungen wie dem 'Deutschen Fernsehpreis' oder der 'Goldenen Kamera' in maßgeschneiderter Abendrobe und bei den zahlreichen Dankesreden, die eine der höchstdekorierten Schauspielerinnen des letzten Jahres halten muss, denkt man: Ja, auch das passt. Ganz schön wandlungsfähig, die Wackernagel. Nun gehört dies freilich zum Beruf der Schauspielerin dazu.

Dennoch hat man den Eindruck, dass man nicht wirklich alles erfährt von dieser jungen Frau. Dass hinter der lässigen Fassade viele Gedanken und Gefühle schlummern, nach denen man tief bohren müsste.
Im rasanten Echtzeit-Krimi 'Stralsund' spielt Katharina Wackernagel eine junge Kommissarin, die nach einer ebenso kühlen wie brutalen Geiselnahme plötzlich Verantwortung für eine Gruppe von Menschen übernehmen muss, die in akuter Lebensgefahr schweben. 'Die Rolle und ich haben gemein, dass auch ich unter Belastung äußerlich eher kühl reagiere. Ich bin jemand, der den Schein ganz gut aufrechterhalten kann.

Innen drin sieht es aber oft ganz anders aus. Trotzdem hilft diese Eigenschaft hier und da, Ziele zu erreichen. Und wer weiß, vielleicht färbt die gespielte Ruhe ja auch auf einen selbst ab.'
Ohnehin hält sich Nina Petersen, die junge Kommissarin aus Stralsund, in ihrem ersten Fall höflich im Hintergrund der Geschichte. Ganz im Gegensatz zur deutschen Krimikultur der letzten zehn Jahre erfährt man wenig bis nichts von der Kommissarin. Sie hat kein Privatleben, lediglich ein Faible für ungewöhnliche Verhörmethoden. Stattdessen steht die Atemlosigkeit der Handlung im Vordergrund des neuen Meck-Pomm-Krimis.

'Ich mag es, wenn Geschichten in einem Rutsch durcherzählt werden. Deshalb fand ich den Ansatz des Films sehr interessant. Wenn die Psyche der Kommissare wichtiger ist als der Fall, an dem sie arbeiten, ist das nicht unbedingt die spannendere Art von Krimi.'
Katharina Wackernagel betont ihre Vorliebe für die Serie '24', deren erste Staffel sie quasi inhaliert habe, und sie outet sich als Fan des hervorragenden dänischen Filmexperiments 'Kommissarin Lund', das im vergangenen Herbst quasi in Echtzeit über zehn Filme einen einzigen Fall aufklärte.

Auch wenn 'Stralsund' die Qualität der genannten Vorbilder nicht erreicht, erkennbar ist zumindest die Absicht, sich an einer etwas anderen deutschen Krimi-Ästhetik zu versuchen. Ob Katharina Wackernagel mit ihrer neuen Figur in Serie gehen wird, entscheiden sicher mal wieder die Quoten.
'Bislang ist es erst mal dieser eine Film. Was danach kommt, wird man sehen.' So oder so - spätestens nach den irren Jahren 2007 und 2008 gehört die aus Kassel stammende Tochter der Theaterschauspielerin Sabine Wackernagel zu den wenigen deutschen Darstellerinnen, die sich ihre Rollen unbeschwert aussuchen können. Nicht schlecht für eine Autodidaktin, deren Weg von der Titelrolle in der Teenagerserie 'Tanja' - 1997 bis 1999 - über anspruchsvolle Nebenrollen wie die der Tochter Dieter Pfaffs in der ARD-Psychologen-Reihe 'Bloch' hin zu immer komplexeren Hauptrollen führte. Im letzten Jahr regnete es Preise. Den 'Hessischen Filmpreis' gab es für 'Mein Mörder kehrt zurück', der renommierte 'Bayerische Filmpreis' folgte für denselben Film und die Rolle der Mutter eines behinderten Kindes in 'Contergan'.
Erfolge, die den für viele Menschen so Angst einflößenden 30. Geburtstag im vergangenen Oktober euphorisch übertünchten. 'Ich fand es sogar irgendwie schön, 30 zu werden. Wenn man wie ich als Teenager in einer Serie angefangen hat und sich immer ein bisschen minderwertig vorkam, auch weil ich keine Schauspielschule besucht hatte, fühlt sich das gerade ziemlich gut an - so erwachsen. Und irgendwie passt es dann auch, wenn man realisiert: Hey, ich bin ja auch wirklich schon 30.'
Katharina Wackernagel dürfte in den nächsten Jahren noch oft in anspruchsvollen, erwachsenen Rollen zu sehen sein. Dass es schwer fällt, hinter ihrem 'privaten' Gesicht das wahre Gefühlsleben zu erkennen, wird zweifelfrei dazu beitragen, ihren Rollen das Prädikat 'wandlungsfähig' zu erhalten.
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30. Mär 2009, 20:15
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30. Mär 2009, 20:15
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