Musik Kritiken
CD Kritik: All The Plans von Starsailor
Von Jens Szameit 8. Mär 2009, 08:57

Wer Starsailor hassen wollte, hatte es immer ziemlich leicht. Als die neuen Coldplay wurde der damals blutjunge Vierer um den empfindsamen Lockenkopf James Walsh vorgestellt. Zum Dank erntete man das Spießer- und Softie-Image der berühmten Kollegen, reichte an deren Songwriting und Klangfinesse aber nie heran. Und als man sich in Reaktion auf die anhaltenden Kritikeranfeindungen auf unbekanntes Rock-Terrain entwickelte, war's auch nicht recht. 'On The Outside' war 2006 überdies auch kommerziell eine Enttäuschung. Und so stehen die Zeichen nun auf Rückbesinnung. Mit 'All The Plans' wollen Starsailor dem eigenen Bekunden nach an alte Tugenden anknüpfen, an den großen Sound und an die großen Gesten.
Am Ende ist 'All The Plans' vor allem eins geworden: ein lupenreines Britpop-Album - melodieverliebt, großspurig und ein bisschen stumpfsinnig. Und dank des treibenden Openers 'Tell Me It's Not Over' fehlt auch die Hitsingle nicht. Noch erfreulicher ist, dass die Sensibilisten ein wenig Nabelschau gegen ein kleines Stück britischen Stilbewusstseins eingetauscht haben. 'The Thames', schon der Titel deutet den Perspektivwechsel an, holpert über eine beschwingte Twang-Gitarre, als wolle man es den Poseuren der Last Shadow Puppets gleichtun. 'The birds and the bees / The leaves on the trees / Die all at once, now that you're gone', singt Walsh reichlich naiv, aber eben auch angenehm unprätentiös.
Anders als in 'Neon Sky', einem pathetisch-tremolierenden Rückfall in alte Kitschtage, der indes auch keine Katastrophe ist. In 'Hurts Too Much' gibt Walsh dann unverblümt das Weichei. 'I walk these wet streets, somewhere alone' hadert er vor Gott, der Welt und der treulosen Frau, als liefe in seinem Kopf ein ziemlich schlechtes MTV-Video ab. 'Change My Mind' rockt auf solidem Niveau irgendwo zwischen Oasis und Neil Young. 'Listen Up', schon fast eine Gospel-Nummer, trägt unfassbar dick auf, doch die Songsubstanz hält überraschend stand. Wohl auch, weil der Klangteppich die dröge Weltverbesserungslyrik weitgehend übertönt.
Dass Starsailor mit 'All The Plans' wieder mehr, vielleicht sogar mehr denn je bei sich selbst sind, ist trotz mancher Untiefen und Banalitäten durchaus zu hören. Und zu begrüßen: Denn auch wenn die Rückkehr zum Selbst nicht gleich in den Popolymp führt, darf man sich mit den viel Gescholtenen einigermaßen versöhnt fühlen. Aus dem Gröbsten sind sie raus.© 2009 teleschau - der mediendienst
Kommentiere diesen ArtikelStarsailor - Nie wieder cool sein!
10. Mär 2009, 08:56
Für eine junge Band ist es nicht sehr schlimm, ein wenig altmodisch zu sein. Jeff Buckley, Crosby, Stills, Nash & Young - das sind Bezüge, mit denen man schon Musik machen darf. Als Starsailor vor acht Jahren plötzlich mit Singles wie 'Fever' und 'Alcoholic' in die höheren Regionen der britischen Hitparaden schossen, galt das doppelt: Immerhin wurde gerade eine Bewegung namens 'Quiet Is The New Loud' ausgerufen, friemelten sich auch Turin Brakes, Kings Of Convenience oder I Am Kloot gepflegt-traurig durch Molltöne. Nur, wiederholen ließ sich das alles nicht, denn bald war wieder Loud The New Loud - und für Starsailor ging's von Platte zu Platte abwärts. Was macht man da? Nun, einerseits betonen, dass das mit dem Erfolg ja eine relative Sache sei. Andererseits: Sich auf die Wurzeln besinnen. Und vielleicht auch noch: sich dem Mainstream öffnen. All das versucht die Gruppe um James Walsh mit ihrem neuen Album 'All The Plans'. ... mehr











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