TV Programm
Guter Junge - 22.04.2009 22:10 - WDR
Der Vater und der Kinderschänder
Von Frank Rauscher 22. Apr 2009, 22:10

Achim (Klaus J. Behrendt) steht zu seinem Sohn Sven (Sebastian Urzendowsky) - allen Problemen zum Trotz. © WDR / T. Kost
Kinderschänder! - Es gibt kein ausgrenzenderes Stigma. Pädophilie ist etwas so Ungeheuerliches, dass die öffentliche Debatte darüber nur auf einer einzigen Ebene stattfindet: dass es keine tiefere Ausleuchtung, keine Erklärungsansätze und schon gar kein Verständnis für die Tätersicht gibt. Andererseits sind da Zahlen, Fakten und leider viele öffentlich gewordene, traurige Fälle, die belegen, dass das Thema viel zu akut ist, als dass man es in eine Schublade verschwinden lassen könnte. Der WDR wagte den Tabubruch mit einem Fernsehfilm zu diesem monströsen Begriff: Pädophilie.

In 'Guter Junge' (2007) geht es um einen Mann, der selbst noch ein Teenager ist, als sein Umfeld zu ahnen beginnt, dass mit ihm 'etwas nicht stimmt'. Nach dem Debüt im Ersten vor etwa einem Jahr, das mehr als vier Millionen Zuschauer sahen, folgt nun die WDR-Wiederholung.
Guter Junge', sowohl sensible Problemstoffaufarbeitung als auch eindringliche Studie einer Vater-Sohn-Beziehung, schildert, wie sich das für einen 17-, 18-Jährigen anfühlen muss, gesellschaftlich geächtet zu sein - wegen einer Neigung, gegen die er ohne fremde Hilfe nichts tun kann. Gibt es überhaupt Hilfe für so einen? Svens (Sebastian Urzendowsky) Weg scheint vorgezeichnet.

Männer wie er machen sich früher oder später strafbar, landen in der Psychiatrie oder im Knast. Es dauert lange, bis der Taxifahrer Achim (Klaus J. Behrendt) erkennt, was das Problem ist, das seinen Sohn Sven martert. Natürlich will er es nicht wahrhaben. Aber eines Tages entdeckt Achim eine Videokamera nebst eindeutigen Aufnahmen. Und dann dreht er erst mal durch ...

'Wir wollten unsere Geschichte aus der Perspektive des Täters und seiner Angehörigen erzählen', sagt Drehbuchautor Karl-Heinz Käfer, der umfangreich recherchierte und mit der Forschungsgruppe an der Berliner Charité zusammenarbeitete, die unter dem Titel 'Kein Täter werden' ein verhaltenstherapeutisches Modell für Pädophilie entwickelt. Regisseur Torsten C. Fischer inszenierte ein Psychodrama, das trotz seiner extrem sperrigen Thematik nicht mitreißender sein könnte. Der Zuschauer ist nicht abgestoßen von Svens Schicksal, sondern gefesselt bis zur letzten Minute. Die brillanten Hauptdarsteller, allesamt schon überaus erfahren im Abbilden von sozialer Wirklichkeit, verleihen ihren Figuren Tiefe und Glaubwürdigkeit. Das Thema Pädophilie wird ergreifend erzählt, greifbar wird es nicht. Wie auch?
Nachwuchstalent Sebastian Urzendowsky stand zuletzt wieder für eine sehr ungewöhnliche Rolle vor der Kamera. Der 23-Jährige verkörpert im Kinofilm 'Berlin '36' (Start: 27.08.), der auf wahren Begebenheiten beruht, die Sportlerin Marie Ketteler, die als Mädchen aufwuchs, anatomisch gesehen jedoch ein Mann war. Marie wurde von den Nazis bei den Olympischen Spielen 1936 gegen die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann (Karoline Herfurth) ins Rennen geschickt.
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