Musik Kritiken
CD Kritik: Nach Norden von Nachtlüx
Von Rainer Molz 24. Mär 2009, 10:42

Schon der Name klingt sehr avantgardistisch – Nachtlüx, also so etwas wie Nachtlicht.... Lüx gleich Lux gleich Lichtstrahlkraft.... bedeutet also vielleicht, eventuell so was wie.... naja Nachtlüx eben. Melancholischer, sinnierender, Verstand benutzender Pop aus Berlin. Will heißen: kein Einheitsmischmasch aus der Konserve, vielmehr ein klangbetonter, kunstvoller, stimmungsreicher, farbenfroher Klangteppich. Es lebt, die Musik geistert, verliert sich im Allerlei des Alltags. Ein Freiflug durch die Nacht.
Wer steckt nun eigentlich hinter Nachtlüx. Verantwortlich für die emotionalen Klangfarben, die singenden und stampfenden Soundgemälde und opernhaften, generischen Stimmungsbilder, der Mann hinter den Reglern, ist der Berliner Produzent und Musik-“Bastler“ Venezian. Er studiert u.a. in London „Popular Music“, zeichnet sich zuständig für das musikalische Gerüst des Duo´s Nachtlüx. Neben ihm agiert die sehr feinfühlig, beschwörend, dissonant jazzig, orchestral opulent tönende Sängerin Lea W. Freyn. Die aus Weimar stammende Jazzgesangsstudentin zeichnet sich für die Tag und Nacht verträumten, melancholischen, kunstvollen Texte verantwortlich. Zusammen bilden sie ein kongeniales, sich dem Musikfluss hingebendes Paar.
Nach sieben kreativen Jahren, Jahren des Träumens und des Suchens nach dem gemeinsamen Projekt der Herzen, sind Nachtlüx am ersten Ziel angelangt – ihrem Debüt. „Nach Norden“ weist der Weg, geht die Klangreise mit dem Duo Nachtlüx. Post-Triphop vermischt sich mit Jazz- und Ethnoklangfarben – schwermütig, nachdenklich, avantgardistisch, versunken, ohne an Lebenskraft zu verlieren, erwecken Nachtlüx Träume zum Leben. Spannend, Interesse weckend, aufdringlich unaufdringlich. Ihre Songs heißen „Fern“, „Tagelang“, „Weit wie ein Meer“, „Schachmatt“ und „Schlaflied“. Sie erzählen von Utopien und Zukunftsträumen – bringen Uhren zum ticken.
Wer sich Nachtlüx hingibt, spürt die Spannung ihrer Musik. Es kribbelt und krabbelt, reizt und stimuliert. Sehr aufregend. Keine Musik für alltägliche Berieselungen. Hinsetzen, hinhören und sich fallen lassen – sozusagen ein Buch hören.
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