Kunst Reportagen
Interview: Jamez Dean
Von Tanja Schneider 2. Apr 2009, 02:03

“Die Gesellschaft sollte uns einfach akzeptieren wie wir sind!”(Jamez Dean)
Am Wochenende hatte ich das wohl interessanteste Interview mit dem Multitalent “Jamez Dean” aus Belgien. Über diesen Mann könnte ich ein Buch schreiben! Ich konnte mich über viele Dinge mit ihm unterhalten, wie zum Beispiel die Kunst, seine Geschichte, die Gesellschaft und über das Leben sonst. Natürlich auch über seine zukünftigen Projekte und Ideen. Das war ein sehr eindruckvolles, interessantes und kurzweiliges Interview!
Hallo Jamez es freut mich, dass Du Zeit für mich hast.
Hallo meine liebe Tanja.
Du bist mittlerweile ein bekannter Künstler, oder mehr ein berüchtigter Künstler, wie Du selber sagst, in Belgien! Erzähl mir doch mal wie das alles mit “Jamez Dean” begann?
(lacht er) Als ich geboren wurde! Nein, das meine ich ernst. Ich habe schon immer all diese Dinge gemacht, es hat sich immer etwas verändert, weil man sich als Person auch laufend verändert und das ist wichtig für jeden Künstler. Das ist die Sache die ich bei anderen Leuten nie versteh, dass sie 30 oder 40 Jahre lang immer das gleiche tun, das ist einfach dumm auf eine Art, denn deine Person verändert sich laufend, also sollte sich die Kunst auch verändern. Ich meine nicht, dass man die eigene Kunst komplett verändern soll, aber zum Beispiel die Techniken. Alles verändert sich im Leben, also verändert sich auch die Art wie Du etwas machst, aber die Ideen bleiben die gleichen! Zum Beispiel, ist die Musik die ich mache etwas anderes als meine Kunst, oder wird anders gemacht, aber die Ideen dahinter sind die gleichen. Aber wo ich eigentlich begann, weiß ich gar nicht, ist auch nicht so wichtig. Was wichtig ist für mich und meine Kunst ist, ich will Leute zum denken anstoßen und ihnen meine Sicht der Dinge zeigen! Mit meinen “Slogans” und all den Sachen, mache ich mich auf eine Art lustig über die Gesellschaft und zeige ihnen die Wirklichkeit. Und das machte ich schon als Kind, das war eigentlich das was ich meinte, als ich sagte, die ganze “Jamez Dean” Sache begann als ich geboren wurde! Nur wie ich etwas mache hat sich verändert! Ich lernte zu fotografieren, Videos zu machen, Websites oder Musik zu machen und das ist es eigentlich auch. Mich interessieren alle Medien, das ist auch die ganze Sache von “Jamez Dean”. Ich will alles machen, oder mit verschiedenen Medien arbeiten, nur wie ich etwas mache, verändert sich laufend.

Und wie kam dann der Erfolg?
Das war eigentlich eine ganz einfache Geschichte. Ich machte eine Zeit lang all diese Kunstsachen, aber niemand hat es so richtig interessiert! Und als ich das erste Jahr an der Kunstschule war, so mit 18 Jahren, war da diese Band, die ich so toll fand “ADD N to X” und die spielten in Brüssel. Ich wollte unbedingt Fotos von ihnen machen, also schrieb und telefonierte ich der Plattenfirma, aber die haben mich nur abgeblockt. Da dachte ich mir “Scheiße”, dann warte ich halt draußen wo der Gig war. Das Konzert begann eigentlich um neun Uhr, ich wartete aber draußen seit zwei Uhr. Drei Stunden später, also so um fünf Uhr, kamen sie dann raus nach dem Soundcheck und so……äähhm und ich dachte mir die Typen kenn ich doch, es waren “ADD N to X”. Ich folgte ihnen, stellte mich ihnen vor “Hi ich bin Jamez Dean und blablabla”, sie fanden das cool und nahmen mich mit. Ich war den ganzen Abend mit ihnen unterwegs und wir lernten uns richtig gut kennen! Und weil ich die Bilder von “ADD N to X” machte, und sie eine sehr wichtige Band in der Underground-Szene waren, begannen die Leute mich zu beachten. Darauf wechselte ich zu den “The Neon Jugdement” und machte die Bilder für sie, die Visuals, hatte Ideen für ihre Konzepte. Das heißt nicht, dass ich ein Mitglied der Band bin, das bin ich nicht, aber ein wichtiger Part für die Crew! “The Neon Jugdement” waren dann die erste Band, wo ich diese Sachen machen durfte, sie vertrauten mir, auch wegen der Sache mit “ADD N to X”. Das war sehr wichtig für mich! Ja und so kam es. Auf diesem Weg lernte ich immer mehr und neue Leute kennen, so kam dann auch der Erfolg! Also war ich am Anfang eigentlich Musikfotograf oder Bandfotograf, lernte so natürlich viele wichtige Leute kennen und das war sehr wichtig für meine Kariere als Künstler. Dann ging es so weiters, ich konnte an Ausstellungen teilnehmen, dank der ganzen Musiksache! Ich war auch der einzige und jüngste Künstler in Belgien, der mit 21 Jahren schon seine erste Solo-Ausstellung hatte! Und das ist extrem jung für so eine Ausstellung in einer so bekannten Galerie, nur weil ich das Vertrauen der wichtigen Leute hatte! Dann kam der Ball ins rollen, den Berg runter! (lacht er)

Ok (lach)!
Erzähl mir mal was über deinen Namen “Jamez Dean” oder wieso “Jamez Dean”?
Ja, das ist ein Name (lacht er wieder). Alles hat einen Namen, sogar irgendwelche Objekte haben Namen! Ich denke als Künstler wirst Du geboren. Irgendwo vielleicht merkst Du es nicht gerade, dann in einem gewissen Alter merkst du es, aber Du wirst als Künstler geboren oder nicht! Du kannst Künstler sein auf irgendeinem Gebiet, als Computerkünstler, Schriftsteller oder Philosoph irgendwas, natürlich nicht diese Bankleute, aber Menschen mit einer Vision. Das Problem ist, Du wirst als eine andere Person geboren, auf eine Art, weil Du hast ja die ganze Geschichte und Vergangenheit deiner Familie. Wo Du lebst oder aufgewachsen bist. Das sind alles Dinge die Du vielleicht gar nicht willst oder unwichtig sind. Deswegen denke ich auch, dass es wichtig ist für einen Künstler unter so einem Nickname zu arbeiten, weil so kannst du du selbst sein und die Sachen machen die du gerne möchtest! Ein Beispiel als normaler Mensch, muss jeder jeden Tag aufs Klo oder fast jeden Tag hängt von der Person ab, aber unter deinem Nickname musst Du solche Dinge nicht, Du bist einfach Künstler und kannst auf diesem Weg auch alle Sachen aus deiner Vergangenheit, die du nicht willst, einfach streichen! Aber für diese richtigen großen Künstler in den Galerien ist es schwierig, weil es einfach nicht normal ist einen Nickname zu benützen.

Wenn Du aber in die Musikszene schaust ist das ganz normal. Menschen die Musik machen, oder in einer Band spielen, haben einen Bandnamen. Jeder hat einen, dass ist normal, aber als Künstler ist es immer ein wenig speziell! Und ich sehe nicht ein warum, denn die coole Sache daran ist ja auch, du kannst an ganz verschiedenen Projekten arbeiten, als eine Person unter verschiedenen Namen, und es bleibt total klar auf diese Weise! Auf eine Art sollte das aber gar nicht sein, denn die Gesellschaft sollte einfach akzeptieren, dass jemand anders ist und andere Sachen macht, aber das tut sie nicht! Und das ist eine Sache wo du mit leben musst. Du möchtest ja auch im Gespräch sein, natürlich musst du nicht die ganze Zeit die Hosen runter lassen, deswegen sollte man sich auch abgrenzen. Aber ich will ja, dass die Leute reden! Ich will den Leuten zeigen wie ich die Dinge sehe!
Deine Kunst hat viele verschiedene Seiten, du machst Bilder, Visuals, Performances und bist auch Musiker, ist alles gleich wichtig für Dich oder wie verhält sich das? Sind all diese Dinge zusammen “Jamez Dean” und wie sind die Hintergründe?
Alles, es ist alles sehr wichtig! Das schöne ist ja daran, wenn man mit verschiedenen Medien arbeitet, kann man die ganze Zeit an verschiedenen Sachen arbeiten. Ich kenne viele Leute, die nur in einer Sparte arbeiten, wie Fotographie oder Musik, Grafiker oder auch Maler und irgendwann haben sie aufgehört, weil wenn Du immer das Gleiche machst, wird alles mal langweilig! So kann ich an verschiedenen Dingen arbeiten, zur gleichen Zeit. Das gute daran ist auch, ich kann die verschiedenen Medien kombinieren! So kennst Du verschiedene Techniken und Sparten und bleibst nicht immer am gleichen hängen. Als ich an der Kunstschule war, studierte ich Fotografie, langweilten mich alle immer über die Wichtigkeit der echten Fotografie und die original Fotografie und bla bla! Und nach der Kunstschule hörte das auf, niemand fragte nach, wie ich etwas gemacht habe oder ob es ein Original sei! Man hängt das Bild nur an die Wand und lässt es drucken, der ganze Prozess hörte auf. Und in diesem Moment dachte ich mir, da war ich ja stark in der Musikszene und die “samplen” ja alles, wieso kann man eigentlich nicht auch Bilder oder Fotos “samplen“? So hatten sie natürlich auch einen guten Weg gefunden mich raus zu schmeißen! Das lustige an der Geschichte ist ja, ein Jahr nach dem sie mich rauswerfen, hatte ich die erste große Solo-Ausstellung! Einer meiner ehemaligen Lehrer kam an meine Ausstellung, und fragte mich tatsächlich, ob ich in der Masterklasse an einem Buch “Die Philosophie der Fotographie“ mitarbeiten würde und ich war der einzige ohne Abschluss, haha!

Du musst sehen, gerade in der Musik wird alles “gesampelt” und wieder verwendet. Auch in der “Klassischen Musik“, machen sie eigentlich nichts anderes als Mozart, Händel oder Beethoven zu “covern“! Das gab es ja auch schon in der Kunst, zum Beispiel im Barock! Alle diese Portraits und religiösen Bilder waren immer wieder dieselben, und natürlich auch noch nach dem Barock. Vom ersten Moment an, als das ganze Konzept der “Modernen Kunst” begann, war die einzige Bewegung, die diese “Sampling Technik” noch verwendete, die Popart Bewegung. Und nach der Popart-Bewegung hörte alles auf! Auch in der ganzen Technologie und Musik in den 70er Jahre, auch schon vorher, gab es Leute, die alles “gesampelt” haben, zum Teil konnten die keine Note lesen, sie haben alles “gesampelt” was sie gefunden haben und so etwas komplett Neues kreiert! Und diese Leute habe ich immer respektiert! Weil sie in der Kunstschule immer rummeckerten, wegen den Bildern und den Originalen, dachte ich mir einfach “Scheiss drauf” ich werde Bilder “samplen”! Und das ist die Sache die ich meinte, als ich übers arbeiten mit verschiedenen Medien sprach. Damit haben auch viele Künstler ihre Mühe, weil sie finden, dass ist keine richtige Kunst. Da ich die Sachen oder Bilder die schon existieren wieder verwende und einfach etwas darüber mache oder so. Dazu sag ich aber immer, dass ist eigentlich ein Schritt weiter, denn wir haben Tonnen und Tonnen von Bildern, die einfach irgendwo ausgestellt wurden und vergessen gingen, oder sogar schlecht präsentiert wurden. Ich bringe diese Bilder wieder zurück. Man beschäftigt sich auch stärker damit, wenn man es wieder verwendet und es für eine ganz eigene Sache benützt! Was natürlich auch eine ganz wichtige Sache ist, mit dieser “Sampling” Angelegenheit, ist dass Ganze mit dem Copyright! Wir leben in einer Gesellschaft, wo alles geschützt ist, aber niemand schert sich einen “Dreck” drum, alles wird geklaut, oder? Für mich ist die ganze Copyright Geschichte eine sehr interessante Sache, um damit zu arbeiten und darüber nach zu denken. Ich denke, alles in dieser Gesellschaft wird seit 2000 Jahren immer wieder neu verwendet und kopiert! Also, wenn jemand eine wirklich gute und originelle Idee hat, findest du sofort tausend andere “Clowns” die dann das Gleiche machen! (lacht er) So werfe ich natürlich auch immer wieder die Frage auf, was ist Kunst und was ist die Originalität an der Kunst!
Ok, ich verstehe! Und das ist die ganze Sache von “Jamez Dean”?
Nein, natürlich nicht die Ganze, aber ein wichtiger Teil meiner Kunst. Für mich ist es einfach eine weitere Technik, wie die Fotografie, Filme oder Musik, die ich halt viel verwende!

Erzähl mir doch noch mehr über deine Performances?
Ja, was soll ich Dir dann darüber erzählen? Da blinkt etwas an deinem Gerät, haha!
Was sind die Gründe für deine Performances?
Wut!
Wut? Und die Reaktionen der Leute vielleicht?
Ja, dass alles! Alles passiert aus Wut.
Ok….Wut auf wen oder was?
Wut auf die Leute!
Und warum?
Wut ist neben der Liebe die stärkste Emotion die Du haben kannst! Es ist einfach peinlich, dass zu viele Menschen so kaputt gehen, weil sie ihre Wut auf eine falsche Art ausleben.
Aggressiv und brutal zu sein, mit anderen Menschen, ist falsch! Aber Wut ist Energie und Energie kann etwas bewirken! Ja und deswegen denke ich ist es die Wut die mich antreibt, denn ich konfrontiere die Leute immer mit Etwas. Die Gesellschaft ist doch krank, also kann es nur Wut sein. Ich begann damit, weil ich schon immer ein Fan von den früheren Industrial-Performances war, die machten auf eine Art immer sehr, ja nicht unbedingt brutale, aber aggressive Shows, weil sie den Leuten was zu sagen hatten. Ich meine die Sachen aus den frühen 80igern und nicht den Mist den sie heute machen. Irgendwann hörte das auf und niemand machte mehr solche Sachen. Ich dachte mir, jetzt 20 Jahre später, macht niemand mehr solche Performances und es ist irgendwie dumm nur darüber zu meckern, dass niemand mehr solche Sachen macht, also mach ich dass doch selber! Nicht als ein Kopie von denen, sonder quasi wie ein update in die heutige Zeit.

…oder eine neue Version?
Ja genau, eine neue Version. Es sind wie Blitze in meinem Kopf. Ich bin sehr fasziniert, auf eine Art, von Terroristen. Nicht was dabei rauskommt, aber sie haben eine Idee, ein Ziel oder mehr eine Vision. Ich mag es nicht, dass sie andere Menschen umbringen, dass meinte ich nicht, das ist schlecht, weißt Du! Vor allem, wenn es um unschuldigen Menschen geht! Aber die Sache die ich mag ist, dass sie sehr für eine Sache engagiert sind und sie haben diese Vision und sie würden sterben für diese! Ja klar, sollte es da dann stoppen, aber sie haben ein Ziel vor Augen und so ähnlich ist es mit meinen Performances. Ich möchte es auch, wie eine Art, eines terroristischen Akts machen. Alles muss genau geplant werden bis ins Detail, aber doch nicht zu genau, weißt Du. Es läuft etwa so ab. Ich habe eine Idee, dann rufe ich ein paar Leute an, willst Du filmen und Du machst Fotos, ok! Dann wird ein Treffpunkt ausgemacht und los geht‘s. Das erste was wir machen ist, wir laufen die ganze Strecke ab und schauen nach der “Security” und Polizei und so weiters, dann wenn wir alles wissen, so nach einer halben oder ganzen Stunde, geht’s los und wir ziehen die ganze Sache durch! Ich gehe nicht wieder nach Hause oder so, nein, das Ding muss dann durchgezogen werden!
… auch da in der Kirche?
Ja klar, auch in der Kirche! Aber das mit der Kirche war auch eine symbolische Sache. Es war wegen dieser ganzen Sache mit” You’re gonna die in 15 minutes, what are you gonna do?” Die Leute nehmen keine Rücksicht mehr auf das Leben, sie mögen das Leben nicht mehr! Es kann immer etwas passieren, du könntest wirklich in 15 Minuten sterben!

…meinst Du auch, sie warten eher auf den Tod?
Ja genau, es kann sein, dass man in 15 Sekunden oder 15 Minuten oder Stunden oder was weiß ich stirbt, also lebe dein Leben sehr bewusst! Mach die Sachen die Du machen willst, sei Du selber die ganze Zeit. Bieg dich nicht vor den Leuten oder der Gesellschaft. (lacht er) Und das lustige war ja, ich hatte die Idee für die Performance einen Tag vor Allerheiligen. Ich musste es einfach am nächsten Tag durchziehen, weil da sowieso alle in der Kirche sitzen und man den Toten gedenkt! Natürlich auch um die Leute nochmals mit dem Tod zu konfrontieren! Ja und dann, habe ich die Performance in Brüssel in der bekanntesten Kirche gemacht. Auch noch, weil das eine alte Templer Kirche ist, mit dem alten gossen roten Kreuz, dann hab ich alle Farben außer rot rausgefiltert, dass man es auch gut sieht. Das wurde auch oft in der alten Industrialszene verwendet das Rot, Schwarz und Weiß.
Es sind auch sehr starke Farben, dass ist eigentlich die Sache, die ich von den früheren Performances behalten wollte!
Und wieso immer die Bandagen? Oder woher kommt die Idee mit den Bandagen?
Mmmhhh…( lacht er wieder) Also die ganze Idee mit den Bandagen war auch ein bisschen diese Terroristensache weil, wenn ich solche Performances mache gehe ich ja irgendwo hin und mache was völlig unnormales! Wenn ich jetzt ohne Bandagen gehe, laufen die Leute einfach weiter und denken, dass ich einfach ein Spinner bin! Also musste ich etwas machen um die nötige Aufmerksamkeit zu kriegen. Ja, dann dachte ich mir halt einfach als erstes muss was mit dem Gesicht geschehen. Klar ich könnte eine Maske tragen, aber das ist für mich eher was für Karneval oder “Slipkot”! (lacht er) Was ich mir auch noch überlegte war, diese Mützen mit den Löchern für die Augen, wie es Bankräuber tragen. Das erinnerte mich zu fest an Terroristen oder so. Es macht den Menschen Angst und sie denken ich bin ein Bankräuber und das bin ich ja nicht! Also überlegte ich mir etwas aus der Medizin, weil mich dass schon immer fasziniert hat. Keine Ärzte und so, aber auch die ganzen Medikamente. So hatte ich die Idee für diese Bandagen. Weißt Du, es ist auch weil, Bandagen brauchst Du, wenn Du verletzt bist! Also hatte ich die Idee mit dem “verletzten Mann”!

Und um nochmals auf die Bands, der Industrialszene der 80iger, zurück zukommen, die taten das ja auch! Ich war da auch noch in so einem Secondhand Shop, da war ein Cover von einem bandagierten Mann, wie zum Beispiel die Jungs von Klinik, man kennt die Musik, aber ihre Gesichter nicht, weil sie immer Bandagen trugen, natürlich zwanzig Jahre vor mir, also dass fand ich toll! Klar ist es eine gute Sache, aber es gibt auch so ein bisschen ein “Klischee-Effekt” wie zum Beispiel, dass die Leute dann einfach sagen, ach das ist dieser Bandagen-Typ! Jetzt brauche ich sie aber nicht mehr so oft, vielleicht später mal wieder. Nein, später sicher wieder, wenn die Leute es vergessen haben, weil ich möchte die Menschen immer wieder überraschen! Irgendwie ist es dann auch wieder interessanter, weißt Du. Auch meine Ausstellungen, die ich mache, sind immer etwas komplett anderes. Ich möchte die Leute einfach immer überraschen oder vor den Kopf stoßen die ganze Zeit, deswegen muss immer was neues her. Die Machart bleibt vielleicht gleich oder ähnlich, aber es muss immer was Neues sein! Und das ist wichtig für mich, dass die Leute nicht meine Musik hören oder zu einer Ausstellung kommen und sagen, sieht nach “Jamez Dean” aus! Nein, es muss das totale Gegenteil sein!
Du warst in Zürich an der Dirty Show wie war dieser Event für Dich?
Ja, das war eine exzellente Sache, der ganze Event war toll für mich!
Das war jetzt mal eine kurze Antwort! (lacht er)
Kanntest Du die Dirty Show schon aus Amerika, oder wie kam das?
Nein, nein eigentlich gar nicht. Ich kam eigentlich nur durch meine Ausstellung
“we all are prostitutes” in diese Erotik-Art-Szene rein, aber ich hatte nie etwas mit dieser Szene zu tun. Ich war nie ein Erotik-Künstler oder so! Ich verwendete da auch diese “Sampling-Technik” und das war halt alles aus Pornos und solchen Sachen. Aber eigentlich geht es um Menschen und nicht um Pornos, weil ich viele Bilder mit nackten Leuten brauchte, kam ich einwenig in diese Szene rein. Und ich traf sicher auch Leute die erotische Kunst oder Filme machen, aber ich bin eigentlich kein typischer Künstler aus dieser Sparte, sicher nicht! Ich werde das auch nie sein, denn ich machte das nur für die Ausstellung “we all are prostitutes”. Es passte perfekt in diese ganze Erotik Geschichte und war eigentlich der Grund, wieso ich dann in die Dirty Show und das “Museum of Porn in Art” kam. Auf eine Art hat es vielleicht gewisse Parallelen zu meinen Performances, die ich machte, aber auf eine andere Art ist es wieder etwas total anderes! Weißt Du, mit Parallelen meine ich die Ideen hinter der ganzen Sache. Ich zeige den Leuten, dass wir alle auf eine Art Prostituierte sind und das ist wieder das ganze “Jamez Dean”-Ding. Klar ist Erotik in dieser Sache, aber es ist wieder “Jamez Dean”, der den Leuten was zeigen möchte!
….. Ja klar, aber einfach auf eine andere Art, oder?
Genau, auf eine andere Art! Ich zeige schöne oder hässliche nackte Menschen, einfach wieder auf meine eigene Weise!
Und wie kamst Du da rein, ich meine in die Dirty Show?
Ich weiß gar nicht, habe einfach mein Zeug geschickt und fertig! Aber jetzt bin ich total glücklich, dass ich das gemacht habe, so kann ich jetzt im November im “Porn in Art” meine ganze Ausstellung “ we are all prostitutes” in Zürich zeigen! Es ist für mich auch eine Gelegenheit wieder nach Zürich zu gehen, denn ich hasse es zu reisen, nur wenn ich eine Ausstellung oder einen Gig habe, geht es so!
Und wie war der Erfolg in Belgien mit dieser Ausstellung?
Er war gut, aber die etwas komische Sache daran war, dass eigentlich keine schlechten Reaktionen kamen, außer von den jungen Leuten!
Was? Von den jungen Leuten?
Ja die einzige Kategorie von Leuten die rummeckerten, waren die Jungen von 20 bis 28 Jahren, die verstanden es einfach nicht. Das war so konservativ, weißt Du, dass man eigentlich von den jungen und coolen Leuten nur zu hören kriegte, bla bla das versteh ich nicht! Die älteren waren alle voll begeistert und verstanden was ich meinte! Es war eine gute Show, gute Werbung und so. Es war eine gute Sache für mich, weil ich schon immer mal was mit Pornographie machen wollte. Ja sicher, es ist ein interessantes Thema, weil Pornographie ein Teil unserer Gesellschaft ist! Auch das ganze Sex-Ding ist eigentlich etwas ganz normales, klar ist Pornographie nicht für alle etwas normales, aber sie existiert! Das ist auch eine Sache die ich erklären muss, um damit arbeiten zu können. Pornographie oder Sex im Allgemeinen ist etwa das Gleiche wie sterben, jeder macht es. Jeder hat mal Sex in seinem Leben und jeder stirbt mal!
Planst Du schon etwas Neues, wie die letzte Ausstellung oder was kommt in der Zukunft?
Ja klar, aber im Moment habe ich einfach sehr viel zu tun, ich mache viele Visuals und Grafiken. Die nächste Ausstellung wird garantiert “I wanna be a Terrorist” sein, und ich arbeite auch schon daran. Das einzige Problem ist der Ort, wo das ganze stattfinden soll, denn dass sollte richtig speziell werden, so richtiges Terroristen Zeug! Und zu der ganzen Terroristen Sache, werde ich auch wieder Dinge auf der Strasse machen, weil das normal ist für Terrorismus! Aber dazu brauche ich eine ganz bestimmte Künstlerin und ich hoffe sie wird mitmachen, dass wird sie garantiert, denn sie ist einfach perfekt für dieses Projekt. Das wird sicher eine ganz gute Sache! Und sonst kann man auch meine ganzen Arbeiten unter www.jamezdean.com verfolgen.
Vielen Dank für das tolle Gespräch, es war sehr interessant! Viel Erfolg noch mit deinen neuen Projekten!
He, ich danke Dir vielmals und Dir auch alles Gute!











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