Bevor der gebürtige Bündener und Wahlberliner Maximilian Hecker 'One Day' aufgenommen hat, war er erst mal ausgedehnt in Asien unterwegs. Neben der schönen Landschaft für Hecker gab es dabei auch viel Maximilian für Taiwan, China und Korea - dort ist der Schmusesänger nämlich längst so was wie ein Star.
Auf das Songwriting hat sich die verlängerte Exkursion allerdings nicht hörbar ausgewirkt. Nach wie vor wandelt der stets freundlich blickende Singer-Songwriter traumwandelnd zwischen kitschig-weichem Trauerschmelz und etwas angezogenem Britpop mit Stromgitarre. Sounds, die in Asien nicht nur beim Karaoke gut kommen - immerhin hat er tatsächlich in einigen der fernen Länder Plattenverträge einholen können. Und in Sachen Gossip ist die nachfolgende Anekdote natürlich auch herzerweichend: Hecker berichtet von einem Dankesschreiben, in dem ein Jugendlicher davon erzählt, dass Heckers Musik ihn vom geplanten Selbstmord abgehalten hat.
Somit wenig verwunderlich, dass 'One Day' in China bereits im November 2008 erschienen ist, in Südkorea sogar schon im Oktober 2008. Dafür hat Hecker in Deutschland nun beim Label Louisville Unterschlupf gefunden und spielt weiterhin zurückhaltend seine Songs runter, ohne dass er in der Heimat dafür die große Welle machen muss. Mit sanfter Stimme, die in stillen Momenten beinahe zerbrechlich daherkommt, mit vorsichtigen Klavierklängen oder klassischem Rockmusik-Instrumentarium bringt Hecker sein Material wie gehabt und ohne überraschende Ausbrüche unter die Leute. Unaufdringlich, zuweilen wunderschön, vielfach ganz schön kitschig-melancholisch. Wer sich nicht abwendet, bei der gebotenen Verletzlichkeit, die in den mit zuckriger Süße daherkommenden Refrains erstrahlt, den wird Hecker wohl auch mit seiner unaufdringlich-einnehmenden Art erfassen.
Erneut eine träumerisch-schöne Platte, die sich nicht hinter Rock-Attitüde oder vermeintlicher Abgeklärtheit versteckt und durch diese Angreifbarkeit eine ganz eigene Form von Stärke an den Tag legt. Das muss man natürlich nicht mögen. Aber in einem stillen Moment der Sentimentalität wird auch dem härtesten Hund zu Heckers fließenden Kompositionen ein melancholisches Lächeln ins Gesicht huschen.
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