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Seltsames Gesicht in der Menge: Der Ritmo von Fiat

Von Heiko Haupt 7. Apr 2009, 10:10

Turin (dpa/tmn) - Autodesigner sind zuweilen seltsame Gesellen. Das fängt schon damit an, dass sie über jede Biegung im Blech schier unendlich lange Monologe halten können.

Und obwohl es sich bei einem Auto um einen Gegenstand handelt, der möglichst viele Käufer überzeugen soll, formen sie manchmal rollende Extravaganzen, bei denen vermutet werden könnte, sie dienten allein der Abschreckung. Das gilt zum Beispiel für den Fiat Ritmo. Der wirkte so eigenartig, dass den wenigen verbliebenen Exemplaren allein das schon Liebhaber-Status sichert.

In den 70er Jahren war ein Fiat ein kantiges und schmuckloses Gefährt, bei dem die nach einem undurchschaubaren Muster gewählten Zahlenfolgen als Modellbezeichnung die Beliebigkeit noch verstärkten. Wer weiß heute noch, wie ein Fiat 127 aussah, was ihn vom Fiat 128 unterschied und wann es Modelle wie den 131 oder 132 gab?

Doch in den 70er Jahren muss bei Fiat jemand auf die Idee gekommen sein, dass die Durchnummerierung der Modelle nicht der Gipfel der Weisheit war. Der Name, den man sich ausgedacht hatte, lautete Ritmo - was an Rhythmus und an beschwingte Musik erinnern sollte. In Zeiten des Diskofiebers eigentlich keine schlechte Idee - jedenfalls wenn die Designer dazu auch eine schicke Karosserie entworfen hätten.

Wer den Ritmo allerdings bei seiner Präsentation 1978 erblickte, dürfte sich die Augen gerieben haben. Fiat hatte es tatsächlich geschafft, ein Auto zu bauen, das unverwechselbar war. Doch diese Unverwechselbarkeit drückte sich mitnichten durch italienischen Chic aus. Der Ritmo war ein Kompaktmodell, das Erfolgstypen wie dem VW Golf Konkurrenz machen sollte. Doch seine Designer müssen der Idee verfallen sein, man könne alles doch mal ganz anders versuchen. Anders bedeutete zum Beispiel, dass man den Kühlergrill verwarf. Beim Ritmo bestand die Frontpartie aus zwei Hälften: Die untere war durch eine Unmenge an Kunststoff geprägt, die den Stoßfänger darstellte. Die obere Hälfte bestand aus der Motorhaube. Außerdem hatte man es geschafft, zwei simple Rundscheinwerfer dazwischenzumontieren.

Und weil man schon dabei war, etwas Ungewöhnliches zu kreieren, beließ man es nicht bei der Front. Die Türgriffe erinnerten an Konservendosen-Deckel mit Abreiß-Lasche und hinten gab es ebenfalls einen wuchtigen schwarzen Stoßfänger. Fiat mühte sich dann auch, nicht das Design, sondern die tatsächlichen Vorteile der Kunststoffgebirge an Front und Heck in den Vordergrund zu stellen: «Sie sind unempfindlich gegen Korrosion, und sie vertragen leichtere Kollisionen ohne Schaden: Bis etwa 6 km/h bleiben am Ritmo keine Spuren zurück», teilte der Hersteller zur Markteinführung mit.

Das Thema Korrosion hätte Fiat aber nicht zu sehr ansprechen sollen. Denn auch wenn bei einer Kollision am Ritmo keine Spuren zurückblieben, so blieben manchmal nach einigen Jahren bis auf die Stoßfänger kaum mehr Spuren des Ritmo zurück. Gerade in Deutschland dachte bei Nennung des Namens bald kaum jemand an so etwas wie Rhythmus - vielmehr deutete man die Buchstaben als Kurzform von «Rost in Turin montiert».

Dabei war der Ritmo kein schlechtes Auto. Er basierte auf der Technik des 128, die als durchaus zeitgemäß und haltbar galt. Außerdem hatten die Entwickler sich alle Mühe gegeben, ihm eine niedrige Geräuschkulisse anzuerziehen. Wie bei Fiat gewohnt, gab es den Ritmo zu zivilen Preisen. «Die Basisversion der neuen Baureihe, der 3-türige Ritmo 1100 L, kostet danach 9990 Mark», informierte Fiat 1978. Als Topmodell fungierte vorerst der 1500 CL mit 75 PS für 12 090 Mark. Später folgten Versionen mit 105 und 125 PS sowie 1981 ein Cabrio.

© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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