Gamers Nachrichten
Kostenlos, aber nicht umsonst
Kleinstbeträge, sogenannte Microtransactions, generieren Millionenumsätze - Sind sie das Modell der Zukunft?
Von Alexander Hildebrand 11. Apr 2009, 07:56

Schöne neue Online-Welten: 'Runes of Magic' ist ein neues Free-2-Play-Rollenspiel, das sich allein durch sogenannte Microtransactions finanziert - also durch den Kauf von virtuellen Rüstungen, Waffen und Reittieren. © Frogster
Die westliche Spiele-Branche entdeckt ein neues Geschäftsmodell für sich: sogenannte Microtransactions. Während in Asien schon längst in dieser Goldgrube geschürft wird, soll sich das Modell nun auch hierzulande allmählich durchsetzen. Eine Vorreiterrolle spielen dabei EA, Frogster und die Karlsruher Spieleschmiede Gameforge.
Anfang des Jahres dürfte einem 45-jährigen Mann aus dem Ruhrgebiet fast das Herz stehen geblieben sein.

Als er das Online-Rollenspiel 'Metin2' startete, um mit seinem Charakter durch die orientalisch anmutenden Welten zu streifen, musste er feststellen, dass sämtliche Gegenstände, die sein digitales Alter Ego gehortet hatte, spurlos verschwunden waren. Nicht schlimm, könnte man meinen. Doch der Mann hatte weit über 1.000 Euro in seinen digitalen Helden investiert - echtes Geld, weshalb letzten Endes sogar die Bochumer Polizei die Untersuchungen aufnahm.
'Metin2' setzt auf das hierzulande eher neuartige Free-2-Play-Geschäftsmodell: Spiele sind gratis als Download verfügbar, müssen also nicht teuer im Laden als Vollpreisprodukt erworben werden.

Monatliche Abogebühren, wie sie bei Online-Rollenspielen wie 'World of Warcraft', 'Lord of the Rings-' oder 'Warhammer Online' üblich sind, entfallen. De facto kann der virtuelle Charakter komplett kostenlos bis zur höchsten Stufe gebracht werden, ohne auf eine Erfahrung verzichten zu müssen
Wer sich allerdings leichte Vorteile verschaffen möchte - sei es in Form von besserer Ausrüstung, schnellerem Levelaufstieg oder edlen Reittieren - kann im spieleigenen Online-Shop reale Euros gegen virtuelle Münzen tauschen und im Anschluss nach Herzenslust einkaufen gehen. 50 Cent hier für ein tolles Schwert, einen Euro da für eine heilige Rüstung .

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Diese 'Microtransactions' sind die einzigen Einnahmequellen, die sowohl die Entwicklung als auch den Unterhalt von Spielen wie Frogsters 'Bounty Bay Online' und 'Runes of Magic' oder Gameforges 'Metin2' finanzieren. Ein Prinzip mit Erfolgsgarantie, wie es scheint. Ein relativ geringer Prozentsatz der oftmals immensen Spielerzahl reicht aus, um das Spiel lukrativ werden zu lassen. So erwerben laut Frogsters Marketing-Chef Rolf Klöppel 'in der Regel zwischen fünf und fünfzehn Prozent der aktiven Spieler Gegenstände im Online-Shop'.

Damit auch möglichst viele Spieler in den Bann der virtuellen Gratiswelten gezogen werden, setzen die Programme auf geringe Hardware-Anforderungen und große Eingängigkeit. Statt wilder Experimente finden die Zocker lieb gewonnene Gameplay-Mechanismen und eine leichte Lernkurve vor, die den Start ins Abenteuer mit schnellen Erfolgen belohnt. Eine gut funktionierende Community ist ebenfalls wichtig, weiß Klöppel: 'Wir legen sehr viel Wert auf das Feedback und die direkte Kommunikation mit der interessierten Zielgruppe. Außerdem muss die Registrierung simpel sein und die Kosten überschaubar. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist sicher das beste Argument, um Zocker zu überzeugen.'
Und die sind offenbar überzeugt: So startete Ende März Frogsters 'Runes of Magic' mit gigantischen 700.000 Spielern. Für den Herbst erwartet das Team den millionsten Account. Ebenfalls äußerst erfolgreich ist 'Bounty Bay Online', das neben dem traditionellem Abo ein Free-2-Play-Modell anbietet. Nach Angaben von Frogster erzielt das Freibeuter-Spiel seit seinem Erscheinen im Jahr 2007 mittlerweile bereits siebenstellige Umsätze im Jahr und ist dabei profitabel. Aber auch die Konkurrenz schlägt sich mehr als wacker: 'Metin2' verkündete dieser Tage stolz, die Marke von fünf Millionen Accounts durchbrochen zu haben. Eine gigantische Zahl, von der so manche Konkurrenten beider Lager - also der traditionellen und der Free-2-Play-Rollenspiele - träumen dürften. Allerdings nur in der westlichen Welt.
Südkoreanische Entwickler sind da bereits viele Schritte weiter. Free-2-Play-Spiele sind aus der dortigen Spieleszene nicht mehr wegzudenken. Das Kinder-Online-Rollenspiel 'Maple Story' beispielsweise hat laut Entwickler Minho Kim rund 87 Millionen registrierte User. Insider schätzen, dass circa 15 Millionen davon regelmäßig 'Maple Story' zocken und dabei Umsätze von 150 bis 500 Millionen Dollar generieren. Ein unglaubliches Potenzial, dem sich westliche Spielefirmen nicht verschließen wollen. EA beispielsweise bietet die hierzulande äußerst beliebte 'Need for Speed'- und 'FIFA'-Reihen in Asien als Free-2-Play-Titel an. Das Fußballspiel wurde bisher fünf Millionen Mal heruntergeladen und auf dem regen Transfermarkt wurden wurden innerhalb kürzester Zeit über vier Millionen Microtransactions getätigt.
Doch auch für den westlichen Markt beginnt der amerikanische Publisherriese umzudenken. Damit der Versuch, das Geschäftsmodell in Europa und den USA zu etablieren, nicht in die Hose geht, hat das Unternehmen sein bekanntes 'Battlefield'-Franchise auserkoren, die Vorreiterrolle zu übernehmen.
'Battlefield: Heroes' ist ein stark vereinfachten Ableger der unter Online-Spielern beliebten Action-Reihe. Es gibt zwei Fraktionen mit jeweils nur drei Klassen, die in bester Deathmatch-Manier gegeneinander antreten. Für das Erobern von Flaggenpunkten auf den grellbunten Comic-Karten gibt es Erfahrungspunkte. Taktischer Tiefgang wie bei den Vorgängern sucht man jedoch vergeblich. Das Gameplay ist auf schnelle, unkomplizierte Action ausgelegt, die auch auf kleinen Rechnern ruckelfrei läuft. Für EA ist es ein erster Versuch, das Geschäftsmodell im westlichen Markt zu etablieren. Sollte dies gelingen, dürfte in naher Zukunft mit weiteren Free-2-Play-Ablegern bekannter Marken gerechnet werden.
Experten sehen in dem System die Einnahmequelle der Zukunft, und auch Rolf Klöppel von Frogster ist von den Microtransactions mehr als angetan: 'Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dem Free-2-Play Modell gemacht und werden diese in unsere kommenden Planungen einfließen lassen.'
Spieler werden künftig also noch mehr Gelegenheiten bekommen, schnell und unkompliziert ein paar nette Stunden in kostenlosen Welten zu verdaddeln und bei Gefallen ein paar Euro mehr oder weniger in virtuelle Items zu investieren. Und solange sie ihre Login-Daten nicht an Dritte weitergeben, die daraufhin die teuer erworbenen Gegenstände auf das eigene Konto transferieren, dürften Schreckmomente wie bei dem 45-jährigen Mann aus dem Ruhrgebiet auch in Zukunft ausbleiben.
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Heimlicher Online-Star
12. Apr 2009, 07:56
'World of Warcraft' ist in aller Munde, 'Metin2' auf Millionen von Festplatten - auf fünf Millionen, um genau zu sein. Damit ist das Free-2-Play-Online-Rollenspiel einer der erfolgreichsten Online-Titel in Europa. Angeboten von der Karlsruher Softwareschmiede Gameforge, lädt 'Metin2' in eine fernöstliche Welt, in der als Ninja, Krieger, Schamane oder Sura drei verfeindete Reiche geeint werden wollen. ... mehr




