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Mit Schildkröten-Schützern am Strand Nordzyperns

Von Katja Müller 24. Apr 2009, 08:51

Girne (dpa/tmn) - Im Sommer verbringen Tausende Zypern-Touristen ihre Nächte in klimatisierten Hotelzimmern. Doch eine Hand voll Urlauber zieht den Strand vor: Sie begleiten Naturschützer bei ihrer Mission, Schildkröten beim Start ins Leben zu helfen.

Denn in dieser Zeit kommen die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) und die Suppenschildkröte (Chelonia mydas), um ihre Eier abzulegen. Vor allem an den Stränden Nordzyperns legen die Tiere ihre Eier ab.

Im Gänsemarsch tastet sich die Gruppe den Weg durch die Dünen. Die Alagadi-Bucht liegt östlich der Stadt Girne, die von vielen Zyprern auch Kyrenia genannt wird. Taschenlampen sind nicht erlaubt. «Frisch geschlüpfte Schildkröten orientieren sich am Mond und finden mit dessen Hilfe ihren Weg ins Wasser», erklärt Robin Snape, der Projektleiter der Gruppe, die aus Studenten der Exeter-University Cornwall und der Humboldt-Universität Berlin besteht.

In zwei Eimern trägt Snape die Minischildkröten, die die Studenten in der Nacht davor frisch geschlüpft eingesammelt haben. Am Strand angekommen, legt er eine von ihnen behutsam auf den nassen Sand am Spülsaum der Bucht. Die kleine Schildkröte krabbelt ins Wasser. Der Mond strahlt auf sie wie ein Scheinwerfer. Ein paar Ruderbewegungen im Sand - und mit der nächsten Welle schwappt das Tier ins Meer. Gesteuert von einem kaum erforschten Navigationssystem, beginnt eine lange Reise zu den Eltern nach Tunesien, Ägypten oder in die Türkei.

«Von 1000 Eiern überlebt eine einzige Schildkröte», sagt Michéle Kohl. Die 18-Jährige macht in Leipzig eine Ausbildung zur Wirtschaftsassistentin für Fremdsprachen. Eine Freundin, die in Berlin Biologie studiert, hat sie zum Mitmachen bei dem Projekt in Nordzypern überredet. Die beiden gehören zu einer Gruppe von 25 Freiwilligen, die am Alagadi-Strand die Schildkröten beschützen.

Nordzyperns Sandstrände zählen zu den wichtigsten Brutgebieten der Unechten Karettschildkröte im Mittelmeer. Jedes Jahr von Ende Mai bis Anfang August kommen die Weibchen bei Dunkelheit aus dem Meer, graben am Strand flache Gruben und legen darin ihre Eier ab. Das Ausbrüten erledigt die Sonne. Nach 50 bis 60 Tagen schlüpfen die Jungen. Um keine Gelege zu übersehen, laufen Studenten nachts die Bucht entlang. Jedes Nest schützen sie mit einem Drahtkäfig. «Damit keine Hunde oder Füchse die Gelege ausgraben und die Eier fressen», erklärt Michéle.

«Tagsüber sind die Strände für Touristen ja offen. Wir sind dann unterwegs und klären Urlauber auf», sagt Robin Snape. Er findet, dass 2008 ein gutes Jahr für Schildkröten auf Zypern war. Rund 600 Nester gab es: 110 am Alagadi-Strand, 70 nahe Güzelyurt und 65 östlich von Girne. Rund zwei Drittel der Nester gab es auf der nur von Wildeseln bevölkerten Karpaz-Halbinsel. «Die Schildkröten kommen nicht mehr an die Strände im Süden, denn die sind voll mit Hotels und Touristen.»

Seit 1992 gibt es das Schildkröten-Projekt am Alagadi-Strand. Die Infostation der Umweltschützer besuchen etwa 20 Touristen pro Tag, und fast jede Nacht begleiten einige sie bei den Strandkontrollen. Einmal pro Woche öffnen die Studenten auch bei Tageslicht ein Nest und wiegen und messen die Schildkrötenbabys vor den Augen Dutzender Neugieriger - für sie ist das dann eine Art Öffentlichkeitsarbeit, denn das Schutzprojekt finanziert sich ausschließlich durch Spenden.

© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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