Gesundheit Reportagen


Fehlsichtigkeit: Was können Betroffene tun?

Von Karin Linke 11. Mai 2009, 16:36

mp Düsseldorf - Die Sehkraft lässt bei einigen Menschen im Laufe des Lebens nach. Oft stellt sich die Frage, wie man diese am besten ausgleichen oder abstellen kann. Reicht eine Lesebrille oder empfiehlt sich das Lasern der Augen? Fraunhofer

mp Düsseldorf - Die Sehkraft lässt bei einigen Menschen im Laufe des Lebens nach. Oft stellt sich die Frage, wie man diese am besten ausgleichen oder abstellen kann. Reicht eine Lesebrille oder empfiehlt sich das Lasern der Augen? Fraunhofer

Die Sehkraft lässt bei einigen Menschen im Laufe des Lebens nach. Oft stellt sich die Frage, wie man diese am besten ausgleichen oder abstellen kann. Reicht eine Lesebrille oder empfiehlt sich das Lasern der Augen?

Ab etwa dem 45. Lebensjahr kann die sogenannte Alterssichtigkeit (Presbyopie) beginnen. Die Augenlinse verliert an Elastizität und kann sich nicht mehr auf die entsprechende Entfernung einstellen. Ein erstes Anzeichen dafür ist beispielsweise, dass das Lesen anstrengender wird und die Zeitung oder Speisekarte immer weiter weggehalten werden muss, um das Geschriebene zu entziffern. Diese Alterssichtigkeit kann sich auch bei Menschen einstellen, die bereits kurzsichtig sind, das heißt, bisher das Nahe gut sehen konnten, aber auf Distanz vieles verschwimmt. Sie haben dann eine doppelte Fehlsichtigkeit.

Für weitsichtige Menschen ist die Lesebrille meist die erste Erfahrung mit einer Sehhilfe. Sie kommen damit auch überwiegend gut zurecht. Anders liegt der Fall bei kurz- und weitsichtigen Menschen. Sie benötigen Bifokal- und Gleitsichtbrillen. Dabei ist im oberen Glasbereich die Korrekturstärke für die Fernsicht und im unteren Bereich die für die Nähe eingeschliffen. Bei Gleitsichtgläsern (Mehrstärkengläser) sind die Übergänge zwischen den Zonen unsichtbar ins Glas eingeschliffen. Diese Brillen erspart Betroffenen ein ständiger Wechsel zwischen einer Fernbrille und einer Lesebrille. Die Kosten hängen von Modellen und Gläsern ab und liegen zwischen 500 und 1 500 Euro. Allerdings vertragen nicht alle Menschen die Bifokal- und Gleitsichtbrillen. 'Häufige Begleiterscheinungen sind zu Beginn Kopfschmerzen und Ermüdung der Augen, denn die Augen müssen stets genau die richtige Stelle für die jeweilige Entfernung finden. Wenn die Beschwerden nach vier bis sechs Wochen immer noch anhalten, sollten Sie sich wieder beim Optiker oder Augenarzt vorstellen, um die Ursache zu klären', erklärt Dr. Omid Kermani, ärztlicher Leiter der Augenklinik am Neumarkt in Köln.

Wer über eine Augenlaseroperation (Lasik) nachdenkt, sollte wissen, dass dieser Eingriff immer nur eine Sehschwäche korrigieren kann. Wird beispielsweise eine Kurzsichtigkeit korrigiert, kann später immer noch eine Altersichtigkeit hinzukommen. Dann benötigen auch Lasik-Operierte wieder eine Lesebrille. In einigen Fällen kann eine sogenannte Monovision angestrebt werden. Hierbei wird ein Auge auf die Ferne, das andere auf die Nähe eingestellt. Sie ist aber nicht für Menschen geeignet, die zum Beispiel wie ein Uhrmacher stark die Nahsicht beanspruchen mussen. 'Die Lasik-Operation ist zudem nicht für diejenigen geeignet, die auch nach dem 45. Lebensjahr ganz auf eine Brille verzichten möchten', meint Kermani. Das Augenlasern kostet je nach Verfahren pro Auge zwischen 1 000 und 2 500 Euro.

Viele Menschen mit einer Fehlsichtigkeit nutzen Kontaktlinsen. Aber auch Patienten mit doppelter Fehlsichtigkeit können ähnlich der Zweistärkenbrille spezielle harte oder weiche Kontaktlinsen verwenden. Sogenannte alternierende Systeme haben einen oberen Bereich für die Fern- und einen unteren für die Nahsicht. Bei Simultansystemen unterscheiden sich die Dioptrien im Zentrum und in den Randbereichen der Kontaktlinse. Das Scharfstellen erfolgt im Gehirn. Sechs bifokale Monatslinsen sind ab circa 50 Euro erhältlich, eine Jahreslinse kostet rund 160 Euro. Ändert sich die Sehstärke, so können die Kontaktlinsen vom Optiker neu angepasst werden. Da sich die Kontaktlinsen auf dem Auge bewegen, ist die erzielte Sehqualität dieser recht komplizierten, optischen System manchmal enttäuschend. Wer sich Mehrstärkenkontaktlinsen anpassen lässt, sollte zuvor seine Augen auf Verträglichkeit von Linsen testen und überprüfen, ob er einen ausreichenden Tränenfilm besitzt, der zum Tragekomfort von Kontaktlinsen beiträgt.

Wer trotz doppelter Fehlsichtigkeit weder Kontaktlinsen noch Brille tragen möchte oder die Sehhilfen nicht verträgt, kann auf einen sogenannten Refraktive Linsenersatz (RLE) zurückgreifen. Bei dieser Methode werden Multifokal- oder Mehrbereichslinsen, wie etwa die Restor von Alcon oder die Resume von AMO in das Auge eingesetzt. Das sind Kunstlinsen, die die körpereigenen Augenlinsen ersetzen. Das erfolgt heute bereits mit Einstärkenlinsen als Routineoperation der Linseneintrübung Grauer Star. Moderne Multifokallinsen können zusätzlich eine Alters-, Kurz- und Weitsichtigkeit beheben. 'Mit den modernen Multifokallinse steht eine Therapie für Sehfehler zur Verfügung, die man bisher nicht behandeln konnte: Kurz- oder Weitsichtigkeit in Kombination mit einer ausgeprägten Alterssehschwäche sind mit einem Eingriff zu beheben. Eine Laseroperation erübrigt sich und in späteren Jahren muss auch keine Operation des grauen Stars mehr durchgeführt werden', berichtet der Augenexperte aus Köln. Die Operationstechnik soll inzwischen so weit fortgeschritten sein, dass über 90 Prozent der Patienten nach beidäugiger Implantation einer Multifokallinse nie wieder eine Brille benötigen. Der komplette Eingriff kostet etwa 2 500 Euro pro Auge.

Bei allen Verfahren der operativen Augenmedizin muss eine seriöse und individuelle Beratung über Möglichkeiten und Grenzen der operativen Sehfehlerkorrektur durch einen Facharzt vorausgehen, um Augenerkrankungen auszuschließen. Zu der Beratung gehören auch das Aufzeigen aller alternativen Techniken und die Erörterung spezieller Risiken und Nebenwirkungen.

© 2009 Global Press

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