Gesellschaft
550 000 beim Christopher Street Day in Berlin
27. Jun 2009, 18:18

Schrill verkleidet tanzen die CSD-Teilnehmer durch Berlin. © DPA
Berlin - Mit zerrissenen T-Shirts, in Lack und Leder oder anderen Kostümen sind am Samstag hunderttausende Schwule, Lesben und Transsexuelle durch Berlin gezogen. Die 31. Parade zum Christopher Street Day (CSD) zog mit 55 Wagen vom Kurfürstendamm zur Abschlusskundgebung bei der Siegessäule.
Unter dem Motto «Stück für Stück ins Homoglück - Alle Rechte für Alle» demonstrierten die Teilnehmer tanzend und feiernd für einen grundgesetzlich verbriefen Schutz Homosexueller vor Diskriminierung. Die Veranstalter sprachen von rund 550 000 Teilnehmern und Zuschauern, etwa 50 000 mehr als im Vorjahr. Nach Polizeiangaben verlief der Umzug friedlich.
Vor dem Umzug musste eine Gedenkfeier am neuen Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin wegen eines Unfalls vorzeitig beendet werden. Der 96 Jahre alte frühere KZ- Häftling Rudolf Brazda war am Rednerpult gestürzt und erlitt Kopfverletzungen und Schürfwunden. Nach Polizeiangaben war das Rednerpult weggerutscht, auf das sich Brazda stützen wollte. Brazda war wegen seiner Homosexualität von 1941 bis 1945 im Konzentrationslager Buchenwald eingesperrt.
Mehrere Politiker sowie Lesben- und Schwulenverbände erinnerten während der Gedenkfeier an die Verfolgung Homosexueller. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach sich für eine Rehabilitierung derjenigen aus, die bis 1969 nach dem alten Schwulen- Paragrafen strafrechtlich verfolgt wurden. Er forderte eine Entschädigung und eine Rentenregelung. Darüber hinaus mahnte er, die Erinnerung aufrecht zu erhalten: «Das was geschehen ist, können und wollen wir nicht vergessen. Wir müssen täglich dafür kämpfen, dass Menschen nicht diskriminiert und ausgegrenzt werden.»
© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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