Kunst Nachrichten


Wohin mit der DDR-Auftragskunst?

Von Grit Büttner 8. Jul 2009, 14:59

Karl-Marx-Büste in der Ausstellung «LückenStücke. Palastkunst im Musterdorf» © DPA

Karl-Marx-Büste in der Ausstellung «LückenStücke. Palastkunst im Musterdorf» © DPA

Mestlin - Niemand hat sie bisher mehr haben wollen: «Kirschbäume» von Wolfgang Wegener, die «Warnow-Werft» von Rudolf Austen oder Grafiken von Fritz Cremer gehören zu 25 heimatlosen DDR- Kunstwerken der 1970er Jahre, die aus dem abgerissenen Palast der Republik in Berlin stammen und nun aufs Land umziehen.

Von Samstag an soll die Ausstellung «LückenStücke. Palastkunst im Musterdorf» das leerstehende Kulturhaus im mecklenburgischen Mestlin bei Parchim mit neuem Leben erfüllen. Die Bilder seien eine Leihgabe des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen und lagerten seit 1993 in diversen Berliner Depots, sagt Christina Thomson, Kunsthistorikerin an der Humboldt-Universität Berlin.

Berlin und Mestlin repräsentierten die ganze Bandbreite der DDR- Kulturhäuser vom gigantischen Stadtpalast bis hin zum ländlichen Prachtbau, sagt Thomson. Mehr als 2000 solcher Gebäude mit Sälen, Bühnen, Gast- und Vereinsräumen sollen seit den 1950er Jahren in Ostdeutschland entstanden sein. In vielen Gemeinden sind die «Gaben des Sozialismus» heute dem Verfall preisgegeben, so auch in Mestlin, sagt Dirk Handorf vom Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg- Vorpommern. Mestlin als einziges realisiertes «Musterdorf» der DDR - ein Prestigeprojekt der SED - ist im Kern denkmalgeschützt und beherbergt am Marx-Engels-Platz neben dem neoklassizistischen Kulturhaus auch eine inzwischen geschlossene Zentralschule, Ambulatorium, Wohn- und Verwaltungshäuser.

Während in Berlin der Palast der Republik in den Jahren 2006 bis 2008 abgerissen wurde, landete die DDR-Auftragskunst aus dem Bauwerk in Museen, Ämtern, Institutionen oder eben in Depots und Lagerräumen, wie die 15 Kunststudenten um Christina Thomson herausfanden. «Mit der eiligen Wiedervereinigung Deutschlands vor 20 Jahren entstanden Lücken, die in den Augen vieler bis heute nicht geschlossen sind», sagt die Wissenschaftlerin. So seien der zerstörte «Palast» in Berlin als auch das leere Kulturhaus Mestlin Zeichen für einen bis heute unsicheren Umgang mit kulturellem Erbe.

In der Mestliner Ausstellung wird der Palastkunst Zeitgenössisches gegenübergestellt, wie Thomson erklärt. Eine begleitende Dokumentation sowie großformatige Fotos sollen die Geschichte und Funktion beider Kulturhäuser erklären. Die Ausstellung, die bis 30. August läuft, wurde von Studenten des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität auf Initiative des Vereins «Denkmal Kultur Mestlin» konzipiert und erarbeitet.

www.lueckenstuecke.de

© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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