Manchmal wäre es ein Segen, ließe sich die Erinnerung einfach so löschen. Das tut sie natürlich nicht, und alles, was verdrängt wird, strebt eines Tages wieder nach oben. Und dann ändert sich alles, dann wird manches verständlich, vieles erklärbar. Regisseur Claude Miller ('Das Verhör', 'Die kleine Diebin') ist ein Meister darin, das Versteckte zu sezieren und den Reifeprozess von Emotionen zu zeigen. In seinem prominent besetzten Drama 'Ein Geheimnis' (2007, jetzt auf DVD erhältlich) schaffen Ludivine Sagnier, Cécile de France und Patrick Bruel ein dunkles Familiengeheimnis, das sich erst nach Jahrzehnten ans Licht traut.
Claude Millers 'Ein Geheimnis' ist ein überwältigender Film über das Erinnern und das Verdrängen. © Arsenal
Maxime (Patrick Bruel) und Hannah (Ludivine Sagnier) sind mit ihrem Sohn Simon eine glückliche Familie. © Arsenal
François ist ein schmächtiges Kind, ein Bursche, der den Ansprüchen seines Vaters Maxime (Patrick Bruel) nicht gerecht werden kann. Der war einmal Leistungssportler, genau wie seine Frau Tania (Cecile de France). - Es sind nicht gerade erbauliche Erinnerungen, die François (Mathieu Almaric) im Erwachsenenalter hat, als er seinem Vater Trost wegen eines toten Hundes spenden muss. Aus beider Gedankenwelten kristallisiert sich nach und nach eine komplexe jüdische Familiengeschichte, deren dunkelstes Kapitel während der Besetzung Frankreichs durch die Nazis geschrieben wurde.
Turmspringerin Tania (Cécile de France) liebt den Sport. © Arsenal
Maxime Grinberg war einst mit der hübschen Hannah (Ludivine Sagnier) verheiratet, konnte sich jedoch nie mit der Monogamie anfreunden. Schon bei der Hochzeit lernt er Tania kennen. Das Verlangen erfasst beide, sie unterdrücken es eine Weile, aber irgendwann bricht es aus. Das Glück zweier Menschen bedeutet das Leid eines dritten - doch aus der ganz normalen Liebes- und Leidensgeschichte wird im okkupierten Frankreich eine dunkle Verkettung von Verletzungen, mit einer unfassbar schrecklichen Konsequenz, die sich wie ein Schatten über die Familie legt.
An ihrem Verlangen zerbricht ein Mensch: Maxime (Patrick Bruel) und Tania (Cécile de France). © Arsenal
Basierend auf der autobiografischen Romanvorlage von Philippe Grimbert, der sich im Extrateil in einem interessanten Interview äußert, zeigt Claude Miller, welche Konsequenzen das Verlangen, die Unberechenbarkeit von Liebe und Leidenschaft haben können. Schichtweise, mit zahlreichen Rückblenden und Zeitsprüngen legt er das Geheimnis frei - raffiniert und klug verschachtelt, immer die volle Konzentration einfordernd.
Passend zu seiner Thematik schwelgt der Film in vollen, aber düsteren Farbtönen, die meist absichtlich einen leichten Sepiastich aufweisen. Die Tiefenschärfe der Bilder ist jedoch in der Regel beeindruckend.
Maxime (Patrick Bruel) will aus seinem Sohn François (Valentin Vigourt) unbedingt einen Leistungssportler machen. © Arsenal
Die Tonqualität kann leider nicht ganz mithalten, dem Sound fehlt es an räumlicher Dynamik. Neben dem Grimbert-Interview enthält die Disc lediglich ein Making Of als Bonus.
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