'Ob ich pädagogisches Talent habe, wird sich noch zeigen', lacht Curse nach einem weiteren Drehtag. Gerade war er mit einer Teenager-Truppe beim Klettern, um den Teamgeist zu stärken ... Nein, Michael Sebastian Kurth, wie der Rapper bürgerlich heißt, wandelt nicht auf RTL-Streetworker Sonnenburgs Spuren. Curse hat einen Lehrauftrag an der 'Rap Akademie - Junge Dichter und Denker'. So heißt die neue Doku-Soap (Produktion WDR), die an einer Essener Gesamtschule aus dem Projekt Junge Dichter und Denker entsteht (Die Jugendlichen wurden damit bekannt, Gedichte von Goethe und Schiller zu interpretieren). Von 31. August bis 13. September ist die Casting-Show bei KI.
Lehrauftrag für Rapper Curse (aktuelles Album: 'Freiheit'): Der 30-Jährige coacht im KI.KA musikalischen Nachwuchs. © Dieter Eikelpoth
Zusammen mit Tanztrainer Taka (vorn links) und Gesangslehrerin Karin Ploog (zweite von rechts vorn) bereitet Musiker und Rapper Curse (Mitte) die sieben Schüler der 'Rap Akademie' auf ihren ersten großen Auftritt vor. © WDR / Dirk Borm
KA zu sehen (montags bis donnerstags, 19.25 Uhr). Für den 30-jährigen MC, der für den feingeistigen HipHop der Republik steht, ist es aber eher eine 'Musik Akademie'. Ehe es am nächsten Tag zum gemeinsamen Wasserski-Ausflug geht, gibt er einen Zwischenbericht in seiner Funktion als 'Haupt-Coach'.
teleschau: Sind Rapper heute das, was Dichter früher waren?
Curse: Es gibt vielleicht Parallelen. Rap ist ein weiteres Medium, um über Sprache Dinge auszudrücken und mit Sprache was Cooles zu machen. Die Form hat sich verändert und auch der Anspruch. Es gibt sehr viel sehr guten internationalen und nationalen Rap mit sehr guten Texten.
Thomas D. (rechts) von den Fantastischen Vier, der sich beim Projekt Junge Dichter und Denker schon länger engagiert, tritt in der 'Rap Akademie' als Gastdozent auf. © WDR / Dirk Borm
Ich würde sagen: Gute MCs sind die Goethes und Schillers von heute.
teleschau: Was macht sie aus?
Curse: Ich versuche das mal kurz zusammenzufassen: Es geht zum Beispiel um den Flow. Wie verschmilzt dein Redefluss mit dem Beat? Wie stellst du dich auf das Instrumental und die Musikalität des Songs ein? Wie setzt du die Silben und die Rhythmik? Wo sind die Pausen, wie funktionieren sie? Wie ist dein Timing? Betonst du bestimmte Worte auf eine bestimmte Art und Weise, die für dich besonders ist und dich von anderen unterscheidet? Wie ist deine Stimme, wie gehst du damit um? Was sind deine Inhalte? Was ist dein Wortschatz? Ist das authentisch, was du machst?
Curse, der mit 'Freiheit' nicht nur sein aktuelles Album, sondern auch sein derzeitiges Lebensgefühl bezeichnet, ist bei der 'Rap Akademie' für das große Ganze verantwortlich. © Dieter Eikelpoth
Passt das zu dir als Person? Die Liste könnte ich weiterführen. - Aber bei diesem Projekt geht es bei Weitem nicht nur um Rap. Es geht einfach um Musik und Texte schreiben an sich.
teleschau: Was passiert an der 'Rap Akademie'?
Curse: Wir stellten in einem Mini-Casting eine Gruppe von sieben Leuten zusammen, von denen wir glauben, dass sie Talent haben und gut miteinander harmonieren. Drei Mädels singen und spielen Gitarre, zwei Jungs rappen und der dritte junge Mann ist Multi-Instrumentalist. Beim ersten Song setzten sie sich mit Schiller-Zitaten auseinander und bauten um sie herum einen Text. Was super klappte. Die Sängerinnen und der Komponist komponierten eine Melodie und schrieben einen Text. Die beiden Rapper verfassten zwei Rap-Strophen, dann trafen sich alle im Studio und nahmen das gemeinsam auf.
teleschau: Was bringst Du ihnen bei?
Curse: Rappen haben sie von mir bis jetzt nicht gelernt ... Ich bin sozusagen der Haupt-Coach, der das komplette Projekt überwacht. Im Moment machen wir Team-Building: Deshalb waren wir gerade Klettern. Aber das sind Ausnahmen, normalerweise sind wir im Studio. Ich bin seit Jahren im Musikbusiness tätig. Mein Hintergrundwissen über den Beruf Musiker deckt alle Aspekte dieses Projekts ab: von Studioarbeit bis zu Research und Live-Auftritten, Verhalten vor und hinter der Kamera ...
teleschau: Wie treten die Jungs denn auf - hatten die vielleicht eher Street-Rap-inspirierte Vorstellungen?
Curse: Wir achteten schon darauf, dass die Leute, die wir da casten, vernünftig sind. Die Mädels sind alle taff, die lassen sich nix von den Jungs erzählen, wenn sie keinen Bock drauf haben. Die zwei Rapper sind zwei coole, smarte Typen. Natürlich hören die auch ein bisschen härteren Rap, ist ja auch völlig o.k. - und die Mädels wissen auch, was abläuft. Aber die kamen nicht an und dachten, sie machen jetzt - bei Junge Dichter und Denker und dem KI.KA! - den harten Street-Rap-Shit. Ich glaube, die Illusion hatten sie nicht.
teleschau: Schiller in allen Ehren - aber würden die nicht trotzdem lieber was anderes singen und rappen?
Curse: Wenn jeder hier einzeln stünde, würde jeder etwas anderes machen. Aber wir wollen ja nicht den einen Star casten. Es geht darum, sein Talent mitzunehmen und in einer Gruppe zu funktionieren. Bislang entstanden zwei Schiller-Songs und ein, zwei andere nebenbei, woran die Jungs und Mädels selbst schrieben.
teleschau: Fühlst Du Dich durch diese Arbeit ein bisschen zurückerinnert an die Zeit, als Du selbst noch in Jugendtreffs auftratest?
Curse: Überhaupt nicht. Meine Anfänge in der Musik verliefen komplett anders: Bei mir kam kein Fernsehteam und sagte: 'Wir stecken dich in eine Samstagabend-Show' (Am Donnerstag, 12. September, tritt die Band bei 'Frag doch mal die Maus' um 20.15 Uhr im Ersten auf, Anm. d. Red.). Ich habe mir meine ersten Auftritte selbst bei irgendwelchen Stadtfesten erkämpft, für null Geld, und bin mit Kassette aufgetreten. Natürlich denke ich jetzt manchmal: 'Wie war ich, als ich 14 oder 15 war?' Aber dann eher bei normalen Anlässen, die off camera passieren. Wie sie sich in dem Moment unterhalten, was sie für Probleme haben, wie sie denken. Da fühle ich mich eher erinnert.
teleschau: Ticken Deine Schüler anders als Du damals?
Curse: Natürlich. Sie leben in einer ganz anderen Welt. In einer anderen Medienwelt vor allem. Es gab bei uns keine Casting-Shows. Und HipHop war der absolute Underground! Es gab nur drei oder vier Leute auf meiner gesamten Schule, die überhaupt Rap-Musik hörten. Drei oder vier Jahre, nachdem ich angefangen hatte, Public Enemy zu hören, kamen die ersten Leute mit Vanilla Ice und Marky Mark an. Das waren aber noch keine Rap-Fans. Heute ist Rap monströs Mainstream. Heute ist auch Deutsch-Rap überall anwesend: Von der Bild-Zeitung bis zu RTL und der Bravo. Wenn es da früher alle paar Monate mal ein Rap-Special gab, schnitt ich das aus und hängte es an die Wand. Heute wirst du mit Information erschlagen. Jede Woche kommen zehn neue Platten raus. Wenn wir mal einen Auftritt hatten - ey - da bereiteten wir uns wochenlang vor - für 20 Minuten auf der Bühne. Heute bei denen ist das so: 'Auftritt? Ja. Cool.' Die Verhältnisse haben sich komplett verschoben, vor allem, weil man heute mundgerecht serviert bekommt, was wir uns damals superhart erarbeiten mussten.
teleschau: Dein aktuelles Album heißt 'Freiheit' - nicht nur wegen der Zusammenarbeit mit Marius Müller-Westernhagen, sondern auch, weil es Deinem Lebensgefühl im letzten Jahr entsprach ...
Curse: Das tut es immer noch. Ich habe nicht mehr diese inneren Krämpfe. Es gibt ja so Zeiten, in denen man sich denkt: Scheiße, jetzt muss ich noch dies und das machen, und was wäre, wenn ... Mittlerweile bin ich da sehr entspannt. Ich habe große, besondere Pläne und arbeite dafür, bin zum Beispiel schon am neuen Album dran. Aber es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich behaupten kann: Ich bin ausgeglichen und zufrieden.© 2009 teleschau - der mediendienst
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Ey GeiL da sind Meine Kollegen aus meiner geiLen Schule ;)
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