Musik Kritiken
CD Kritik: I Look To You von Whitney Houston
Von Stefan Weber 29. Aug 2009, 07:58

Operation gelungen, Patient wohlauf: Rein musikalisch macht Whitney Houston bei ihrem Comeback nichts falsch. ...mehr
Operation gelungen, Patient wohlauf: Rein musikalisch macht Whitney Houston bei ihrem Comeback nichts falsch.
Auf dem Papier klingt dieses Comeback fast nach einem unmöglichen Unterfangen: Zunächst einmal muss eine der erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten, die sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, zu einem Neuanfang überredet werden. Denn ihr Rückzug kam ja nicht von ungefähr, hatte sie doch jahrelang privat nur Negativschlagzeilen produziert und als Musikerin mit ihrem letzten Album 'Just Whitney' 2002 einen ziemlichen Flop hingelegt. Selbst nachdem die Sängerin einem Comeback zugestimmt hat, stellt sich immer noch die große Frage: Was kann Whitney Houston im Jahr 2009 noch sein? Wohin musikalisch gehen? Ihr Produzent und Entdecker Clive Davis hat sich für 'I Look To You' für die Nummer-Sicher-Variante entschieden. Und liegt damit erst mal ziemlich richtig.
Drei Jahre lang sichtete die heute 77-jährige Plattenfirmenlegende Material, ließ hochklassige Songwriter schreiben, engagierte renommierte Produzentennamen. Aber klar, bei diesem Comeback darf nichts schief gehen, sonst ist der ohnehin schon durch Ehe, Exzesse und Eigenwilligkeiten ramponierte Ruf Houstons wahrscheinlich endgültig dahin. Und so landeten jetzt elf Songs auf 'I Look To You'. Sie stellen aufgrund der langen Entstehungszeit eine etwas vorhersehbare Best-of-Auswahl dar. Aber sie sorgen eben dafür, dass wenigstens rein musikalisch betrachtet jetzt alles glatt läuft.
Denn auf 'I Look To You' darf sich Whitney Houston in all ihren möglichen Facetten zeigen. Soul-Superstar und Piano-Prinzessin Alicia Keys etwa schrieb ihr mit 'Million Dollar Bill' eine klassische Disco-Pop-Nummer im Stile ihrer 80er-Hits auf den Leib. Aber auch an den heutigen Chartgeschmack wird gedacht - 'Nothin' But Love' samt schweren Synthies und vor allem das hochrhythmische 'For The Lovers' sind weder peinlich noch anbiedernd und haben das Zeug zu absolut zeitgemäßen R&B-Hits. Und durch das Duett mit Teenie-Star Akon 'Like I Never Left' werden vielleicht auch Nachgeborene erstmals die Sängerin entdecken.
Eigentlich schon selbstverständlich - auch auf Balladen wird natürlich gesetzt. Denn hier konnte früher, kann Houston immer noch ihre großartige Stimme ausspielen. Auch wenn diese rauer, ja vielleicht reifer klingt als früher, auf einen Song wie 'I Didn't Know My Own Strength' haben Produzent Davis und Soul-Diva Houston natürlich gewartet. Und obwohl ihr die Worte hier - wie auch überall sonst - von Songwritern in den Mund gelegt wurden, spricht ihr der Text wohl tatsächlich aus tiefstem Herzen, handelt er doch von Tiefpunkten im Leben und dem Sich-wieder-Aufrichten am Glauben (an sich selbst). Ja: Whitney Houston steht wieder. Ob mit 'I Look To You' allerdings auch der frühere Superstar aufersteht, muss man aber wohl abwarten. Rein musikalisch ist das Comeback-Unterfangen schon mal gelungen.© 2009 teleschau - der mediendienst
Kommentiere diesen ArtikelWhitney hat's vergeigt
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Sehr schöner Artikel. Zeugt von Respekt un Sachverstand.
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Trish24. Sep 2009, 11:46
Schade...meine heißgeliebte Whitney.
In Ausdruck und Stimmfarbe zwar viel schöner als alles, was sie früher gemacht hat, ist dieses Album doch äusserst beliebig geworden.
Irgendwo zwischen Alicia Keys, Anastasia und Aretha Franklin – austauschbar. Das übliche moderne Soul-Pop-Chaos-Gedudel ohne jeden Charakter mit nur wenigen echten Whitney-Momenten und dazu noch dermaßen platt komprimiert und zu tode gemastert, daß von Dynamik keine Spur zu erkennen ist. Verständlich, daß Whitney das Strahlen in den letzten Jahren vergangen ist aber diese 08/15 Soul-Stop-Beat-Pampe lässt ihr
auch wenig Platz um sich auszutoben.
Ohne diese Sängerin hätte ich wahrscheinlich nie angefangen zu singen – ein absolutes Idol für jeden Sänger!
Traurig, was unsensible Komponisten und Arrangeure manchmal so verbocken.
Der frühere Whow-Effekt bleibt zumindest mir ziemlich im Hals stecken.
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