Musik Kritiken
CD Kritik: Schöne neue Welt von Culcha Candela
Von Stefan Weber 30. Aug 2009, 07:57

Die sieben Berliner kritisieren die 'Schöne neue Welt', feiern musikalisch aber ungebrochen weiter. ...mehr
Die sieben Berliner kritisieren die 'Schöne neue Welt', feiern musikalisch aber ungebrochen weiter.
Den Titel ist schon ein bisschen gewagt: Culcha Candela, die mit dem Partytrack 'Hamma!' ihren bislang größten Erfolg feierten, nennen ihre Single und ihr viertes Album 'Schöne neue Welt'. Und nein, die siebenköpfige Reggae-Pop-Formation feiert hier nicht die wunderbare Leichtigkeit des Seins. Der Song will tatsächlich zeit- und gesellschaftskritisch sein und lehnt sich mit seinem Titel an eine der wichtigsten politischen Utopien aller Zeiten an - Aldous Huxleys 'Brave New World'. Entdecken die Berliner jetzt womöglich Themen jenseits von Sommer, Sonne und süßen Girls?
Erst einmal geht allerdings alles seinen gewohnten Gang: Auf 'Schöne neue Welt' lassen Culcha Candela einmal mehr nichts unversucht, um leichtfüßig sommerliche Stimmung zu verbreiten. Ein paar Latino-Rhythmen, etwas Karibik-Feeling, ein bisschen Funk, mehr Beats - und ja sogar - ab und an entspannte Reggae-Klänge.
Auch der vermeintlich kritische Titelsong ist eine flott swingende Nummer, bei der musikalisch weder trübe noch ernsthafte Gedanken aufkommen. Aber selbst wenn man dort genauer hinhört, die gewollt sarkastische Gesellschafts- und Zeitkritik misslingt, das Ganze wirkt eher belustigend als aufrüttelnd.
Wie überhaupt kaum wirklich Aufregendes auf 'Schöne neue Welt' zu hören ist. Klar: Der Stilmix soll die multikulturelle Herkunft der Bandmitglieder widerspiegeln. Anstatt aber die größtmögliche Vielfalt zu feiern, reduzieren Culcha Candela das Ganze leider eher zum kleinsten gemeinsamen Nenner.
Denn Wagnisse gehen die Berliner nicht ein, sie ordnen ihre Einflüsse lieber einem durchgehenden Beachpartypop-Feeling unter. Und diesbezüglich macht ihnen ja auch kaum jemand etwas vor: 'Somma' (Tipp) feiert die heiße Jahreszeit mit Funk-Gitarren, zu 'Manchmal' kuschelt es sich in lauen Sommernächten im Freien sicher gut. Und 'I Like It Like That' ist eine entspannte Latino-Hymne auf das süße Nichtstun.
Ums kurz zu machen: Wenn 'Schöne neue Welt' am Baggersee im Kofferradio läuft, ist die Welt sicher in bester Ordnung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Culcha Candela auf Deutschland-Tournee
23.09., Rostock, Stadthalle
24.09., Kiel, Halle 400
25.09., Bremen, Pier 2
26.09., Bielefeld, Ringlokschuppen
28.09., Dortmund, Westfalenhalle
29.09., Köln, E-Werk
30.09., Wiesbaden, Schlachthof
01.10., Mannheim, Maimarktclub
03.10., Stuttgart, Beethovensaal
06.10., München, Tonhalle
09.10., Würzburg, Posthalle
11.10., Fulda, Wartenbergoval
12.10., Dresden, Schlachthof
13.10., Hannover, Capitol
14.10., Hamburg, Docks
18.10., Berlin, Arena© 2009 teleschau - der mediendienst
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Beat9216. Okt 2009, 15:16
Also ehrlich... War das deine erste Kritik? Man sollte sich, bevor man eine Kritik schreibt, erst über den/die Interpret/en informieren... Culcha Candela hat schon immer für Dinge gestanden wie sie in 'Schöne Neue Welt' zum Ausdruck bringen... Das sie sich 'auch mal' in Gesellschaftskritischen Songs 'probieren', ist schlicht und einfach falsch! Wenn man sich die letzten Alben (Union Verdadera, Next Generation) genauer anschaut, werden einem mehrere Songs auffallen, in denen es sich um ähnliche oder gleiche Themen handelt. Als eigene Meinung kann man diesen Beitrag von dir wohl dulden, nicht aber als offizielle Kritik, da ein Kritiker zumindest den Hintergrund eines Liedes verstehen sollte. Bei 'Schöne Neue Welt' zum Beispiel, finde ich gerade den lockeren und swingenden Beat passend, da sowohl der Text als auch der Beat im krassen Gegenteil zum dem wirklich ernsten Thema steht. Gerade das nennt man ja Sarkasmus! MFG
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