TV Nachrichten
Romeo und Jutta
Von Ines Bellinger 2. Sep 2009, 00:15

Katja Riemann als Sekretärin Jutta und Wolfgang Stumph als Frauenliebling und Lebenskünstler Jürgen Stoll © DPA
Hamburg - Wolfgang Stumph schmunzelt zufrieden, als er den Film «Romeo und Jutta» zum ersten Mal vor Publikum sieht. Sein Kollege und Antipode im Film, Bernd Stegemann, haut sich mehrfach vor Lachen auf die Schenkel.
Mit der Einordnung der grotesken deutsch- deutschen Liebesgeschichte über die bewegten Zeiten vor und nach dem Mauerfall tut sich Wolfgang Stumph allerdings ein wenig schwer. «Es ist eine Mischform zwischen einer Liebesgeschichte und einer Komödie, mit Zeitgeist durchdrungen, aber auch mit einer souveränen Haltung zu geschichtlichen Prozessen, zu denen man einen bestimmten Abstand hat, denen man sich analytisch stellt und von denen man sich vielleicht auch lachend und weinend verabschieden will», sagt Stumph. Ziemlich englisch sei dieser Versuch, über ernste geschichtliche Ereignisse mit Humor zu reflektieren.
Für die ARD ist die Produktion des Mitteldeutschen Rundfunks eine vergnügliche Ergänzung ihres Programms zum Mauerfall. Einige Dokumentationen mit Erinnerungen von Zeitzeugen werden zu sehen sein. Aber auch zwei neue Filme. Den komischen Part übernimmt «Romeo und Jutta» mit Stumph, Stegemann, Katja Riemann und André M. Hennicke (2. September/20.15 Uhr). Ernst wird es dann in dem Streifen «Jenseits der Mauer» mit Katja Flint, Edgar Selge, Herbert Knaup und Ulrike Krumbiegel (30. September).
Wolfgang Stumph hat sich von Drehbuchautor Wolfgang Limmer und seinem Lieblingsregisseur Jörg Grünler («Er erträgt mich in meinem Einmischen») die Rolle des Heiratsschwindlers Jürgen Stoll auf den Leib schreiben lassen. Der Klavierstimmer gerät durch seine Affäre mit der Gattin eines Stasi-Oberst (Anne Kasprik) in die Fänge des «VEB Horch, Guck und Greif». 1983 wird er von den Schergen vor die Wahl gestellt: Braunkohletagebau Schwarze Pumpe oder Goldener Westen mit Spitzelauftrag.
Stoll entscheidet sich für die zweite Option und geht als IM «Romeo» nach Bonn. Dort wird er auf Jutta Seelandt (Katja Riemann), Sekretärin im Landwirtschaftsministerium und Friedensaktivistin, angesetzt, der er sich als Dr. Oktavio Gröbius vorstellt, Dozent für Mittelhochdeutsch an der Universität Uppsala. «Romeo» entlockt Jutta so wertvolle Informationen über den Klassenfeind wie die Zitzenempfindlichkeit Allgäuer Milchkühe. Als er sich ernsthaft in sie verliebt, offenbart er sich und beide beschließen zu verschwinden. Doch Stolls Verbindungsmann ist Doppelagent und so fliegt der IM «Romeo» beim BND auf. Erst 1996 kommt er aus dem Gefängnis, sucht und findet Jutta, und dann planen beide einen raffinierten Rachefeldzug gegen ihre Peiniger.
«Dieses Fernsehspiel ist kein politischer Film und man sollte es auch nicht erwarten oder ihn damit überfrachten», sagt Katja Riemann, die schon in «Der Job seines Lebens» an Stumphs Seite Ost-Luft schnupperte. Stumph wünscht sich, dass die Deutschen ähnlich wie die Engländer etwas gelassener und humorvoller auch mit ernsten Themen ihrer Geschichte umgehen. Dass nicht jeder über Stasi-Schikane und Ostalgie lachen will, ist ihm klar. «Aber nur wer aneckt, bewegt etwas», sagt er. «Wenn alles glatt und angepasst und Mainstream ist, wenn man Trend und Korrektheit anstrebt, dann kann man mit Mittelmaß vielleicht durchkommen oder reich werden, aber glücklich, glaube ich, nicht. Und ich will glücklich werden.»
© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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