Musik Reportagen


Gotthard - 'Mit Sex, Drugs & Rock'n'Roll sind wir durch!'

Die Schweizer Hardrocker Gotthard geben sich entspannt, gereift und selbstbewusst

Von Alexander Diehl 9. Sep 2009, 07:57

Keine Rock'n'Roll-Klischees, dafür Glaube an sich selbst: Die Schweizer Hardrocker Gotthard veröffentlichen 'Need To Believe'. © Nuclear Blast

Keine Rock'n'Roll-Klischees, dafür Glaube an sich selbst: Die Schweizer Hardrocker Gotthard veröffentlichen 'Need To Believe'. © Nuclear Blast

In ihrer Schweizer Heimat sind Gotthard die absolute Nummer eins - nicht nur in Sachen Rock. Mit dessen Klischees will sich die Band aber nicht mehr abgeben.

Die Schweiz und der Hardrock - beide verbindet eine lange Freundschaft. In den Achtzigern waren es Krokus, deren Klänge bis über den Atlantik schallten, die aktuell erfolgreichste Gruppe aus dem Alpenland hört auf den Namen Gotthard. Seit ihrem spektakulären Debüt aus dem Jahr 1992 sind auch sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Mit 'Need To Believe' wird zum nächsten Sprung angesetzt.

Rock ohne Kompromisse: Gotthard wollen laut ihrem Schlagzeuger Hena Habegger (rechts) mit ihrem neuen Album Zähne zeigen. © Nuclear Blast

Rock ohne Kompromisse: Gotthard wollen laut ihrem Schlagzeuger Hena Habegger (rechts) mit ihrem neuen Album 'Zähne zeigen'. © Nuclear Blast

Und der durchaus verschieden interpretierbare Albumtitel benötigt eigentlich keine Erklärung: Es ist 'das Credo, das Gotthard seit 18 Jahren hat. Wir haben immer an uns geglaubt.' Hena Habegger gibt sich selbstbewusst. Kein Wunder, sind der Schlagwerker und seine vier Mitstreiter doch seit einigen Alben wieder in härteren Gefilden unterwegs. Damit wurden die zahlreichen, auf den Schmusekurs mit Pop und Co. sensibel reagierenden Kritiker wieder versöhnlich gestimmt. Im Nachhinein sieht Habegger die damaligen Entscheidungen differenziert: 'Plattenfirma und Management wollten uns an einen Ort drücken, wo wir uns nicht wirklich wohl fühlten.

Gotthard ist immer noch eine Nasenlänge voraus, so Schlagzeuger Hena Habegger über den Status der Band in ihrer Schweizer Heimat. © Nuclear Blast

'Gotthard ist immer noch eine Nasenlänge voraus', so Schlagzeuger Hena Habegger über den Status der Band in ihrer Schweizer Heimat. © Nuclear Blast

Ich muss aber sagen, dass es seinerzeit nicht so dumm war, das zu machen. Denn Rock war ja tot, hatte kein Airplay. Vielleicht hat uns dieser Schritt den Arsch gerettet. Es ist immer ein Zyklus. Jetzt können wir wieder Gas geben. Deshalb wollen wir mit diesem Album Zähne zeigen.' Was nicht heißen soll, dass ausschließlich auf die Neune gerockt wird. Balladen gehören bei Gotthard zur Pflicht. Und auch die Texte geben sich nicht mit den üblichen Hardrock-Klischees zufrieden, wie etwa 'I Know, You Know' zeigt. 'Wir sind halt auch nicht mehr die Jüngsten, die mit Tomaten auf den Augen durch die Welt gehen. Es gibt ja auch sonst was zu erzählen. Mit Sex, Drugs & Rock'n'Roll sind wir durch!'

Der 41-Jährige klingt entspannt. Aus dem wunderschönen Tessin ruft er an. Dorthin kam auch der Produzent Rich Chycki (Pink, Mick Jagger, Aerosmith). Denn Gotthard hatten ein Anliegen: 'Wir wollten einen moderneren Sound', erklärt Habegger. 'Dieses etwas Tiefgründigere, Reifere, das hat er uns gebracht.' Das internationale Format der Band wird in naher Zukunft eine weitere Bestätigung erfahren. Ein Film über Max Schmeling, mit Henry Maske in der Hauptrolle und einem Gotthard-Song obendrauf: Regisseur Uwe Boll wird den Schweizern zu Soundtrack-Ehren verhelfen: 'Wir schickten ihm ein paar Titel, er suchte sich 'Unconditional Faith' aus. Dann flogen wir nach Zagreb zu den Aufnahmen, performten den Song im Boxring und modifizierten ihn schlussendlich ein bisschen, damit er lang genug für den Abspann des Films ist. Vielleicht kommen mehrere Sachen rein, da sind wir noch dran.'

Bevor die Fans in die Kinos stürmen, bleibt jedoch genügend Zeit für reguläre Konzerte. 'Das erste Tape, das ich mir in meinen ersten Walkman legte, war 'The Final Countdown', freut sich Habegger auf die gemeinsame Deutschland-Tournee mit Europe. Danach geht es mit Deep Purple nach Frankreich und schließlich steht im Dezember die Schweiz auf dem Fahrplan. Heimspiele sind für Gotthard dann doch etwas Besonderes: Als 'fast untouchable', fast unberührbar, bezeichnet Habegger die Stellung der Rocker in ihrer Heimat. Und fügt hinzu: 'Es hat viele Leute, die nachkommen. Zwei, drei größere Rapper, die abgehen. Nur passiert im Ausland bei denen gar nichts. Wir setzen da einen oben drauf. Und das wissen alle. Auch die Medien. Gotthard ist immer noch eine Nasenlänge voraus.'

Gotthard auf Deutschland-Tournee

07.11., Bremen, Pier II

09.11., Hamburg, Docks/Sporthalle

10.11., Hamburg, Docks/Sporthalle

12.11., Köln, Palladium

13.11., Bochum, Ruhrkongress

14.11., Osnabrück, Halle Gartlage

16.11., Dresden, Schlachthof

17.11., Berlin, Columbiahalle

19.11., Fürth, Stadthalle

20.11., Gießen, Hessenhalle

21.11., München, Olympiahalle

23.11., Ulm, Donauhalle

24.11., Ludwigsburg, Arena

25.11., Ravensburg, Oberschwabenhalle

27.11., Würzburg, Posthalle

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