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Exilschriftsteller Bei Ling: «Es ist eine Schande»

10. Sep 2009, 14:39

Der in den USA lebende exilchinesische Schriftsteller Bei Ling ist ausgeladen worden. © DPA

Der in den USA lebende exilchinesische Schriftsteller Bei Ling ist ausgeladen worden. © DPA

Peking - Der exilchinesische Schriftsteller Bei Ling sieht durch das Nachgeben der Organisatoren der Frankfurter Buchmesse die Meinungsfreiheit gefährdet.

Auf massiven chinesischen Druck hin sei er kurzfristig von einem Symposium am Wochenende über «China und die Welt» in Frankfurt ausgeladen worden, berichtete der Autor am Donnerstag von Boston in den USA in einem Telefoninterview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Projektleiter Peter Ripken habe ihn persönlich am Mittwoch angerufen und auf die Drohung der chinesischen Seite verwiesen, sonst das Treffen zu boykottieren.

Wie reagieren Sie auf die Ausladung?

Bei Ling: «Ich bin traurig. Ich konnte es mir nicht vorstellen. Ich weiß, dass es ein großes Problem geben würde, wenn ich und (die chinesische Journalistin) Dai Qing jetzt kommen, weil die Chinesen dann ihre Teilnahme absagen. Wie Peter Ripken gestern sagte, wird die Hälfte der chinesischen Gäste absagen. ... Das geht alles von offizieller chinesischer Seite aus. Sie wollen eine Säuberung, so dass sie das Symposium kontrollieren können. Genauso wie in China. Sie wollen keine abweichenden Stimmen, keine Erfahrungen von jenen Schriftstellern hören, die sich treu geblieben sind.»

Worüber wollten sie auf dem Symposium reden?

Bei Ling: «Ich wollte auf dem Symposium besonders über Zensur und Selbstzensur sprechen - wie Selbstzensur die Gefühle eines Schriftstellers zerstört, wie es seine Kritikfähigkeit vernichtet. Ich habe mich auch selbst zensiert, als ich noch in China lebte. Wer in China etwas veröffentlichen will, muss das tun. Selbst wenn es ihm nicht bewusst ist, hat er die Schere im Kopf.»

Wie sollte die Buchmesse auf die Boykottdrohung reagieren?

Bei Ling: «Ich finde, es ist eine Schande, wenn die Frankfurter Buchmesse nicht 'Nein' sagen kann oder wenn sie dieses Symposium nicht unter ihrer Kontrolle hat. Letztendlich sind sie die Organisatoren, nicht die chinesische Seite. Ich kann es nicht glauben, was jetzt passiert. Aber ich verstehe, wie schwierig es ist. Aber sie haben sich entschieden, dass China der Ehrengast auf der diesjährigen Buchmesse wird, so sind sie jetzt mit diesen schwierigen Problemen konfrontiert. Aber einige grundsätzliche Regeln dürfen nicht umgestoßen werden, zum Beispiel die Meinungsfreiheit, die jetzt in Gefahr gerät.»

Wie konnte es dazu kommen?

Bei Ling: «Anfangs war das Symposium sehr gut organisiert. Es sollte exilierte Schriftsteller geben, offizielle Akademiker aus China, berühmte Romanschreiber, auch unabhängige Autoren und Journalisten wie Dai Qing. Die Organisatoren versuchten, jeden einzuschließen. Aber später wurden immer mehr offizielle chinesische Teilnehmer zugelassen, einschließlich der frühere Botschafter in Berlin, Mei Zhaorong. Sie haben den Tisch immer weiter den offiziellen chinesischen Akademikern, Autoren und Funktionären überlassen. Doch es muss auch andere geben. ... Die Organisatoren haben versucht, die Meinungsfreiheit zu verteidigen und die Redefreiheit zu unterstützen, aber halten nicht an dieser Linie fest.»

Kommt der Wirbel völlig überraschend?

Bei Ling: «Etwas ähnliches ist 2004 auf der Pariser Buchmesse passiert. China benutzte seine kulturelle und wirtschaftliche Macht, um meinen Freund, den im Exil lebenden Literaturnobelpreisträger Gao Xingjian, fernzuhalten. Damals hatten sie Erfolg. Diesmal haben sie wieder Erfolg. ... Ich verstehe die schwierige Situation in Frankfurt. Ich denke nur, wenn es einmal passiert, kommt es ein zweites Mal vor oder ein drittes Mal. China kann kontinuierlich so weiter machen.»

© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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page: 1 

susann obier13. Sep 2009, 00:26

Für China: ' Man kann zwar den Ort wechseln, aber den Brunnen nicht '(I Ging)

Für Bei Ling:' Es lebe die Freiheit des Geistes!'



Die Poesie ist nicht käuflich, sie lässt sich nicht erpressen, noch demütigen, oder unterdrücken.
Sie ist die Kraft und die Wahrheit der Gedanken, die ihresgleichen sucht.
Sie kennt keine Grenzen,ist ein Spiegelbild des Seins. Wer sich an ihr reibt, der unterliegt der Prüfung seines Herzens.

Mit freundlichen Grüssen

Susann Obier

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