Gesundheit Nachrichten
Keine Folsäure-angereicherten Lebensmittel in Deutschland
Von Silke Koppers 19. Okt 2009, 11:02

mp Karlsruhe - Eine verpflichtende Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure, wie es in den USA und Kanada üblich ist, wird es Deutschland nicht geben. Das bestätigte Dr. Christian Grugel vom Bundesministerium für Ernährung. Kanne
Eine verpflichtende Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure, wie es in den USA und Kanada üblich ist, wird es Deutschland nicht geben. Das bestätigte Dr. Christian Grugel vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei der Max Rubner-Konferenz zu Vitamin D und Folsäure in Karlsruhe.
Angesichts des möglichen Risikos und der noch offenen Fragen wäre seiner Meinung nach eine Lebensmittelanreicherung nicht angebracht. Stattdessen müsse man sich bemühen, die Aufklärung, insbesondere von Frauen im gebärfähigen Alter zu fördern und diese mit dem wichtigen Vitamin bedarfsgerecht zu versorgen. Hier seien besonders Frauenärzte gefordert, ihren Beitrag zu leisten.
Für Vitamin D und Folsäure besteht in Deutschland noch eine Lücke zwischen empfohlener täglicher Aufnahme und tatsächlicher Zufuhr. Laut der Nationalen Verzehrsstudie II erreichen 86 Prozent der Frauen und 79 Prozent der Männer nicht den empfohlenen Wert für die tägliche Zufuhr von Folsäure. Bei Vitamin D wird sogar von über 90 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer die empfohlene tägliche Zufuhr über die Ernährung nicht erreicht.
Doch die Wirkungen von Vitamin D und Folsäure sind hochkomplex und die Dosierung von entscheidender Bedeutung. Denn bei extrem hoher Dosierung kann ein Nutzen schnell in ein erhöhtes Risiko umschlagen, von denen besonders Menschen betroffen sind, die über Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel das Fünf- bis Zehnfache der empfohlenen Menge aufnehmen. Bei ihnen kann beispielsweise bei einer bereits bestehenden Krebsvorstufe im Darm eine hohe Zufuhr von Folsäure eine fördernde Wirkung auf die Krebsentwicklung haben. Gibt es diese Krebsvorstufen nicht, trägt Folsäure wiederum zu einer Verminderung des Risikos bei, an Darmkrebs zu erkranken. Genau so verhindert Folsäure wirksam den 'offenen Rücken' (Neuralrohrdefekte) bei Neugeborenen, andererseits gibt es Hinweise für dessen fördernde Wirkung von Darm-, Brust- und Prostatakrebs.
Wollte man die positive Wirkung nutzen, das Risiko aber nicht eingehen, müsse man nach Ansicht von Professor Alfonso Lampen vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ganz gezielt je nach Personenkreis, Alter und weiteren Faktoren das Vitamin zuführen.
Vitamin D ist unter anderem für den Knochenaufbau und -erhalt unersetzlich, doch hierzulande werden Lebensmittel wie Fisch oder Leber, in denen das Vitamin vorkommt, zu wenig verzehrt. Auch bewegen sich die Menschen zu wenig in der Sonne, wodurch sie bis zu 80 Prozent der Versorgung mit dem Vitamin leisten können. Denn der Körper kann es durch Sonnenlicht selbst produzieren. Werden dann noch Sonnenschutzcremes mit hohem Lichtschutzfaktor verwendet, wie von Hautärzten empfohlen, werde laut Professor Hans-Konrad Biesalski von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin die Vitamin-D-Bildung in der Haut verhindert. Er empfiehlt, zumindest für ältere Menschen, eine zusätzliche Versorgung mit Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel.
© 2009 Global Press
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