Kunst Nachrichten
Jochen Gerz startet Kulturhauptstadt-Projekt
Von Maryam Schumacher 3. Nov 2009, 18:30

Jochen Gerz ist der Initiator des Projekts «2-3 Straßen» zur Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010. © DPA
Duisburg - Ein Jahr lang leben Menschen im Kulturhauptstadt-Projekt «2-3 Straßen» von Jochen Gerz (69) mietfrei in Wohnungen in Duisburg, Mülheim und Dortmund. Aus ihren Erfahrungen und Alltagsbeobachtungen soll ein Buch entstehen.
Die Ruhrgebietler auf Zeit und ihre Nachbarn, die schon immer hier wohnen, werden damit gleichermaßen Teil eines Kunstwerks. «Es ist kein Event. Es ist kein Spektakel, es ist das absolute Anti-Event», sagt Gerz in Duisburg.
Die Wohnung ist kahl und kalt. Nur in der Küche von André Koernig wirkt es wohnlich und gemütlich. Seit einem Monat ist er nun schon Mieter im Projekt «2-3 Straßen». Der Untertitel «eine Ausstellung in den Städten des Ruhrgebiets» macht Koernig unfreiwillig zu einem Kunstobjekt. «Ich bin ein Kunstbanause», sagt er lachend. Und genau das will er endlich ändern. «Ich sehe das Projekt als eine Chance, etwas gegen den Mainstream zu tun.»
Aus der ganzen Welt haben sich über 1400 Personen beworben, um an dem einmaligen Projekt teilzunehmen. Im Duisburger Stadtteil Hochfeld sind 20 Wohnungen von der Baugesellschaft Debag zur Verfügung gestellt worden. Musterverträge wurden für die Mieter aufgesetzt, die lediglich die Betriebskosten zahlen müssen. Ansonsten aber dürfen sie tun und lassen, was sie wollen. Nur regelmäßig schreiben müssen sie. Wer das nicht tut, wird laut Gerz zu einem «Missverständnis.» «Ich will, dass die Menschen die Wirklichkeit so angucken, als würden sie einen Picasso angucken», wünscht sich Gerz, der sich auch außerhalb des Ruhrgebietes einen Namen gemacht hat - etwa mit dem Mahnmal gegen Faschismus in Hamburg.
© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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