Ein Mann im Spagat: Max von Thun spricht über ernste und leichte Stoffe, gute Weihnachtsmusik und die leidige Sache mit Dieter Bohlen.
Acht Filmrollen in einem Jahr: Max von Thun arbeitet mit 32 Jahren wohl mehr als je zuvor. Dem Münchner Frauenschwarm geht's dennoch rundum prächtig. © Daniel Völker
Dünn ist er, ein wenig blass auch um die Nase, wie er da in sein Schwabinger Stammcafé hineinschneit, und unrasiert. Doch sorgen muss man sich um Max von Thun nicht wirklich. Der Schlankheitswahn hat Methode: Der 32-Jährige hungert sich gerade für eine Junkie-Rolle im Hans-W.-Geißendörfer-Drama 'Schwarzer Strand' runter. 'Ein sehr schönes Liebesdrama in einem kaputten Umfeld', sagt der Schauspieler, Musiker und Ex-MTV-Moderator über den Film, der 2010 ins Kino kommt: 'Nichts für schwache Gemüter.
Engel Uriel (Max von Thun) hat sich verliebt: Die fast blinde Laura (Yvonne Catterfeld) kann ihn, anders als andere Menschen, sogar wahrnehmen. © SAT.1 / Hardy Spitz
' Trennkost lautet derzeit von Thuns Zauberwort in Ernährungsfragen, und irgendwie passt das übertragen auch ganz gut auf seine Rollenwahl. Sein Auftritt als Weihnachtsengel Uriel in der SAT.1-Komödie 'Engel sucht Liebe' (Di., 01.12., 20.15 Uhr) ist jedenfalls ganz anderer Art.
teleschau: Sie bereiten sich gerade auf eine Junkie-Rolle vor. Wenn man Sie so ansieht, tun Sie das sehr gewissenhaft.
Max von Thun: Ich hab' im letzten Monat acht Kilo abgenommen. Aber da geht noch mehr. Ich will, dass überall die Knochen rauskommen.
teleschau: So wie bei Christian Bale ...
von Thun: ... in 'The Machinist'?
Im Spagat zwischen Anspruch und Kommerz: Max von Thun kann sich auch für eine Rolle als Weihnachtsengel begeistern. © SAT.1 / Hardy Spitz
Nein, was der mit Hilfe von vier Ärzten seinem Körper antat, geht mir dann doch zu weit. Ein halbes Jahr später war er wieder zum Batman aufgepumpt. Das kann nicht gesund sein. Außerdem stimmt es ja eigentlich gar nicht, dass Junkies so dünn sind. Aber im Film wirkt's dann irgendwie ... drogiger.
teleschau: Sie sammeln gerade einschlägige Erfahrungen. Sie machen eine Art Praktikum?
von Thun: Ich arbeite seit zweieinhalb Wochen jeden Tag bei der Drogenanlaufstelle hier in München. Ich helfe in der Küche, bin für die Kaffeekasse zuständig, solche Dinge.
'Ich bin ja auch Onkel ...': Max von Thun kommt auch mit der jungen Filmpartnerin Chantal Hourticolon in 'Engel sucht Liebe' blendend klar. © SAT.1 / Hardy Spitz
Vor allem komme ich mit Junkies und Menschen in Methadonprogrammen in Kontakt, was für meine Rolle und mich persönlich sehr lehrreich ist. Gestern war Hepatitis-C-Vortrag. Freitag ist Erste-Hilfe-Kurs für Überdosisnotfälle.
teleschau: Gehen Ihnen die Junkie-Schicksale dort nahe?
von Thun: Absolut. Diese Erfahrungen bleiben einem nicht in den Klamotten stecken, die nimmt man mit nach Hause. Die meisten hatten eine kaputte Kindheit, haben zig kalte Entzüge hinter sich und stecken in diesem Teufelskreis, immer Geld für den nächsten Schuss zu brauchen ... (Zur Bedienung) 'Tschuldigung, gibt's noch Rühreier? Nein?
'Eine sehr sympathische und umgängliche Kollegin': Max von Thun und Yvonne Catterfeld geben in 'Engel sucht Liebe' ein eher ungleiches Paar ab. © SAT.1 / Hardy Spitz
Ich brauch' irgendwas Trennkostiges. Auch nicht? ... Dann nur den Tee, danke.
teleschau: Ihre Opferbereitschaft ist bewundernswert. Sind Sie jetzt wild entschlossen, sich weiter im ernsten Fach zu etablieren?
von Thun: Ich spielte ja durchaus schon ernste Stoffe. Aber klar: Eine solche Rolle, die mich so vielfältig fordert, bekomme ich nicht jeden Tag angeboten. Trotzdem habe ich genau so viel Spaß, eine gute Komödie zu drehen.
teleschau: Den Eindruck hat man tatsächlich, wenn man Sie als Weihnachtsengel in 'Engel sucht Liebe' sieht - ein eher leichter Stoff ...
von Thun: Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Rollenvielfalt angeboten wird.
2007 veröffentlichte Max von Thun mit seiner Band 77 das ironisch betitelte Album-Debüt 'Greatest Hits Vol. 1'. CD Nummer zwei ist in Planung. © Sony Music / Ralf Strathmann
Ich finde, man kann diesen Spagat zwischen anspruchsvollen und kommerziellen Rollen bewältigen, ohne sich künstlerisch zu verraten. Der 'Engel' kam gerade recht, ich bin ja auch Onkel ...
teleschau: Patenonkel?
von Thun: Leiblicher Onkel, das reicht ja erst mal. Meine Schwester hat zwei Söhne, der ältere ist jetzt drei. In zwei Jahren kann ich ihm diesen Film zeigen, dann sieht er seinen Onkel Max als Engel (lacht).
teleschau: ... der sich in Yvonne Catterfeld verliebt.
von Thun: Yvonne ist eine sehr sympathische und umgängliche Kollegin. Es wurde überhaupt viel gelacht am Set, weil ständig absurde Diskussionen entstanden.
Würde auch mal gerne mit seiner Band 77 länger auf Tour gehen: Doch auf den Schauspieler Max von Thun warten derzeit massig Drehtermine. © Sony Music / Ralf Strathmann
Man weiß ja nicht, wie sich so ein Engel in der und der Situation zu verhalten hat.
teleschau: Dennoch geben Sie im Film ein ziemlich ungleiches Paar ab. Können Sie das Prinzip 'Gegensätze ziehen sich an' unterschreiben?
von Thun: In Rollen ist das reizvoll, privat weniger. Die Menschen, mit denen ich mich umgebe, liegen schon auf meiner Wellenlänge, sonst würde ich es nicht lange mit ihnen aushalten.
teleschau: Der Film kultiviert auch Ihr Image als begehrtester Junggeselle von Schwabing. Genießen Sie gerade Ihre Freiheit?
von Thun: Ist das mein Image? Ich weiß nicht. Ich drehe jetzt meinen achten Film in diesem Jahr, das ist Wahnsinn. Die Freizeit leidet sehr. Andererseits: Wenn ich eine Beziehung hätte, würde die auch leiden. Um die Frage zu beantworten: Ich genieße mein Leben, empfinde die Dinge, die mir widerfahren, als Privileg. Mir geht's gut. Mal davon abgesehen, dass ich dauernd Hunger habe.
teleschau: War's beim Dreh eigentlich schwierig, so früh im Jahr in Weihnachtsstimmung zu kommen?
von Thun: Das ist natürlich absurd. Wenn man im Frühherbst einen Weihnachtsfilm dreht, herrscht nicht viel Weihnachtsatmosphäre. Ich bin da aber eh nicht so empfänglich. Wenn schon ab Mitte Oktober 'Last Christmas' im Radio läuft, geht mir das auf die Nerven.
teleschau: Sind Sie ein Weihnachtsmuffel?
von Thun: Das nicht. Aber wir schenken uns in der Familie inzwischen weniger, weil wir alle nicht wissen, was wir uns groß wünschen sollen. Durch die Kinder meiner Schwester verschiebt sich der Fokus noch mal. Da werde ich daran erinnert, was Weihnachten früher für mich ausgemacht hat - dieses Highlight im Jahr, auf das man hinfiebert.
teleschau: Und wie laufen die Festtage heute ab?
von Thun: Inzwischen sind das einfach gemütliche Abende mit der Familie. Dieses Jahr feiern wir bei meiner Schwester. Mein Vater (der Schauspieler Friedrich von Thun) ist da, meiner Mutter auch. Man zieht sich etwas festlicher an, kommt also nicht in Jeans und T-Shirt. Man isst gut, betrinkt sich langsam und kultiviert, hört nette Musik ...
teleschau: Also nicht 'Last Christmas'?
von Thun: Meistens läuft Jazz. Es gibt sehr gute Platten, auf denen Weihnachtslieder verswingt werden. Es gibt eine sensationelle Weihnachtsplatte von Jimmy Smith - wenn man Hammond-Orgel mag. Ella Fitzgerald, Oscar Peterson, 'White Christmas' von Elvis wird auch gern genommen.
teleschau: Yvonne Catterfeld hat es sich nicht nehmen lassen, einen Song zum Filmsoundtrack beizusteuern. Das wäre doch auch was für Sie und Ihre Band 77 gewesen.
von Thun: Bei dem Geißendörfer-Film werden Songs von mir zu hören sein. Das passt auch eher zu mir, als wenn ich mir jetzt einen Weihnachtssong abgerungen hätte. Weihnachten inspiriert mich nicht zur Musik.
teleschau: Ihre letzte Platte ist über zwei Jahre alt. Finden Sie überhaupt noch Zeit für die Band?
von Thun: Ich mache viel Musik nebenbei, aber es stimmt: Die zweite CD muss jetzt bald mal aufgenommen werden. Die Songs sind so weit fertig. Ich würde natürlich gerne mit den Jungs länger auf Tour gehen, damit man uns besser kennenlernt, aber das ist ein Zeitproblem - zugegeben ein Luxusproblem.
teleschau: Wird das Label schon unruhig?
von Thun: Nein, sie drängen uns nicht. Aber sie möchten gerne, das wir nachlegen, und das ist ja schon mal sehr schön.
teleschau: Ihre Plattenfirma ist auch für die Vermarktung der 'Deutschland sucht den Superstar'-Gewinner zuständig. Hat man Ihnen Ihre Flucht aus der Jury nicht nachgetragen?
von Thun: Nein, wieder aufzuhören, war die richtige Entscheidung und hat auch niemandem geschadet. Es war schon nach dem ersten Aufzeichnungstag klar, dass die Reibungspunkte zwischen Dieter Bohlen und mir zu groß sind. Die Sendung ist halt extrem auf ihn zugeschnitten.
teleschau: Das hat Sie überrascht?
von Thun: Natürlich nicht. Ich hatte allerdings ein bisschen mehr Humor erwartet. Es war klar, dass ich meine Meinung sage und mich nicht verbiegen lasse. Das war zuerst auch ausdrücklich gewollt, aber dann wohl doch nicht mehr (grinst). Im Grunde hat mir der österreichische Kabarettist Helmut Qualtinger das Ganze eingebrockt.
teleschau: Der ist aber schon gut 20 Jahre tot.
von Thun: Ich hatte tagelang große Bedenken wegen der Ethik solcher Formate. Als ich mich entscheiden sollte, sah ich in einem Hotel in Österreich ein altes Fernsehinterview mit Helmut Qualtinger. Darin wurde er gefragt, warum er denn in den 60er-Jahren in diesen Klamottenfilmen mit Peter Alexander gespielt hat, obwohl er doch immer schlecht über die geredet hat. Darauf sagte er, dass ihm diese Filme erst die Popularität gebracht hätten, die sein späteres kabarettistisches Wirken ermöglichten. Da dachte ich mir: Wenn bei 'DSDS' regelmäßig acht, neun Millionen Menschen zuschauen und man das gezielt einsetzt für Dinge, die einem wichtig sind, dann ist das vielleicht ... nicht uninteressant (lacht).
teleschau: Leidet da nicht die Glaubwürdigkeit?
von Thun: Aber genau um den Punkt ging es ja. Wenn da eine vielleicht nicht so attraktive, unscheinbare Kandidatin kam, die aber toll singen konnte, hieß es: 'Dich können wir nicht vermarkten.' Jemanden aufgrund seines süßen Hinterns durchzuwinken, ist bei einer Gesangs-Talentshow nicht meine Philosophie. Ich finde, ich bin nicht schlecht aus der Sache rausgekommen. Mir gratulierten wesentlich mehr Leute zum Ausstieg als zum Einstieg (grinst).
teleschau: Mit Ihrer Band gehen Sie eher den klassischen Karriereweg. Sind Sie als Münchner Musiker ein bisschen neidisch auf die Bandszene, sagen wir in Berlin, wo Sie beruflich öfter sind?
von Thun: In Berlin oder auch in Hamburg gibt's kleine Läden, wo man einfach hingehen und mit Leuten jammen kann. Es gibt Hinterhofkonzerte mit kleinen Bands. Das alles findet man hier nicht. So sehr ich München liebe: Ich bin wahnsinnig froh, dass ich regelmäßig rauskomme, sonst würde es mir hier zu eng. Das heißt aber nicht, dass ich auf die Berliner neidisch bin. Ich glaube, ich könnte dort nicht leben.
teleschau: Warum?
von Thun: Weil Berlin so groß, auch dreckig ist. Mir geht die Attitüde vieler Menschen dort auf den Zeiger, was die Berliner natürlich umgekehrt von den Münchnern sagen. Wenn es mich hier mal wegziehen sollte, wäre Hamburg die Stadt Nummer eins. Da hat man alles: Kieze, Subkultur Hochkultur, das Meer ... Dieses maritime Flair, das da zelebriert wird, das ist cool.
teleschau: Hängt Ihr Herz eigentlich an einem der beiden Münchner Clubs?
von Thun: Man ist zwar Opfer vieler Anfeindungen, aber ich bin Bayern-Fan. Aus dem ganz einfachen Grund, dass die 60-er zu schlechten Fußball spielen. Bayern hat einfach den hochwertigsten Kader.
teleschau: Davon ist nicht immer viel zu spüren.
von Thun: Ich bin kein großer Fan von Louis van Gaal. Der sitzt beim Spiel immer nur auf der Trainerbank, das macht mich wahnsinnig. Außerdem versteht ihn die Mannschaft scheinbar nicht.
teleschau: Wie würde der Spieler Max von Thun unter dem Disziplinfanatiker Loius van Gaal zurechtkommen?
von Thun: Das wäre bei jedem Trainer heikel. Die Disziplin eines Profisportlers könnte ich kaum aufbringen. In dem Sönke-Wortmann-Film, 'Deutschland, ein Sommermärchen', kommt diese Kabinenansprache von Jürgen Klinsmann vor, in der er seine Jungs angeblich motiviert: Da hätte ich mich als Spieler schwer getan, nicht zu lachen.
© 2009 teleschau - der mediendienst
"Max von Thun" (* 21. Februar 1977 in München als "Maximilian Romedio Johann-Ernst Graf von Thun und Hohenstein") ist ein deutscher Schauspieler und Fernsehmoderator. Er ist der Sohn des österreichischen ....
Zur Zeit sind keine Kommentare für diesen Beitrag vorhanden.
Hier als erster einen neuen Kommentar verfassen