Musik DVD
DVD Kritik: Meat Loaf - Live At Rockpalast von Meat Loaf
Ungeniert und überlebensgroß
Von Stefan Weber 14. Nov 2009, 07:56

Meat Loafs erster Auftritt in Deutschland erscheint nun als DVD 'Live At Rockpalast'. © Eagle Vision
Gerne eine Spur zu viel: Meat Loaf begeisterte 1978 das Publikum in Offenbach bei seinem ersten Deutschland-Konzert.
Bei Meat Loaf gibt es seit jeher eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man liebt es, wenn sich der Fleischklops scheinbar mit seinem ganzen Gewicht in pathetischen und gerne mal episch ausufernden Pomp-Rock stürzt - oder hasst den Sänger genau deswegen. Allgemeiner Konsens herrscht höchstens bezüglich seines 1977er-Albums 'Bat Out Of Hell', das selbst harsche Kritiker als Meilenstein anerkennen müssen. Insofern fast schon unverständlich, dass aus den schier unendlichen Archiven des WDR-'Rockpalast' erst jetzt das erste Deutschland-Konzert von Meat Loaf ausgegraben wurde und als DVD veröffentlicht wird.
Und um es gleich vorwegzunehmen: Selbst für Meat-Loaf-Fans bewegt sich die Bild- und Tonqualität am Rande des Erträglichen. Leichtes Rauschen und Übersteuerungen in althergebrachtem Dolby 2.0-Sound, ab und an flimmerndes und unscharfes Bild - die Aufzeichnung des 1978er-Konzertes in der Offenbacher Stadthalle lässt, natürlich auch aufgrund des Originalmaterials, viel zu wünschen übrig.
Diese Mängel werden aber von der mitreißenden Bühnenshow des damals 30-jährigen Texaners - im wahrsten Sinne des Wortes - überspielt. Nach den eröffnenden Klängen von 'Great Boleros Of Fire' dauert es bei 'Bat Out Of Hell' nicht lange, bis Meat Loaf die Bühne mit seiner gewichtigen Präsenz voll in Beschlag nimmt - und ihm die Schweißperlen auf der Stirn stehen. Beim darauf folgenden 'You Took The World Right Of My Mouth' spielt er mit manischem Blick mit der WDR-Kamera und plustert sich zu voller (Gesangs-)Größe auf. Nicht minder beeindruckend sind aber auch die Darbietungen seiner Gesangspartnerin Karla DeVito, die beim Cover von 'River Deep, Mountain High' zu Höchstform aufläuft. Und nicht zu vergessen: Meat Loafs 'partner in crime', Komponist Jim Steinman, der als Pianist, aber vor allem als Erzähler beim Intro von 'All Revved Up With No Place To Go' Meat Loaf fast schon die verrückte und überdrehte Schau stiehlt.
Klar: An die optische Opulenz späterer Auftritte kann dieser nicht heranreichen - die Lightshow ist - vorsichtig ausgedrückt - ausbaufähig und auch sonst wird auf Bühnenschnickschnack verzichtet. Aber allein Meat Loafs Präsenz, das pompöse Auftreten und das überhöhte Pathos seiner Musical-Vergangenheit trainierten Stimme reichen aus - um ihn entweder zu lieben oder zu hassen.© 2009 teleschau - der mediendienst
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