Menschwerdung in der Provinz: Renée Zellweger darf die Mär des geläuterten Unmenschen vor dem Hintergrund von Werksschließungen in der amerikanischen Provinz verkörpern - leider ohne den nötigen Witz aufzubringen.
Renée Zellweger findet sich plötzlich in einer neuen Umgebung wieder: 'New in Town'. © Senator
Wer der neuen Komödie von 'Bridget Jones'-Star Renée Zellweger etwas abgewinnen möchte, muss zuerst zum Weltatlas greifen. Die Geschichte spielt im hohen Norden der USA im Bundesstaat Minnesota, wo es im Winter empfindlich kalt wird. Das bekommt die durchsetzungsstarke Managerin aus Miami, die für ihre Firma im fernen New Ulm eine Fabrik abwickeln soll, am eigenen Leib zu spüren.
Gemeinsam zu neuer Stärke? Managerin Lucy (Renée Zellweger) soll in der Provinz eine Fabrik schließen - und erliegt schließlich ihrem Mitleid für die rührende Landbevölkerung. © Senator
Die von deutschen Einwanderern gegründete Stadt ist im Film mehr als ein Industriestandort: Die Provinz wird zum Hort menschlicher Wärme und gefühlvoller Lebensart. Leider schadet es der Kulturschock-Posse 'New in Town' umso mehr, dass sie fast ohne Witz auskommt.
Renée Zellweger hat bereits mehrfach ihr humorvolles Potenzial bewiesen. Doch so überzeugend die Texanerin als britisches Mauerblümchen die Lachmuskeln strapazierte, so ziellos stöckelt sie als herzlose Jetset-Furie auf Entlassungsmission im Tiefschnee an jeder Pointe vorbei.
Die Kälte ist nicht das Winzige, was der Großstadtfrau aus Florida (Renée Zellweger) zu schaffen macht. © Senator
Der erste Eindruck der schnöseligen Lucy Hill vor der kargen Kulisse ihres verschneiten Einsatzortes: Das mutet doch alles an wie ein Freizeitpark. Gesandt von der Firmenzentrale im Sonnenstadt Florida, wird sie im 3.000 Kilometer entfernten Neu-Ulm konfrontiert mit den traditionalistischen Weltbildern der Landbevölkerung, die rechtzeitige Familienplanung inklusive vieler Kinder, festliche Fleischklops-Dinner bis hin zur alles entscheidenden Frage beinhalten: 'Haben Sie Jesus gefunden?
Mit Style und Verve kommt Businesswoman Lucy (Renée Zellweger) im kalten Minnesota nicht weiter. Dort zählen echte menschliche Werte. © Senator
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Doch was der dänische Filmemacher Jonas Elmer in seiner ersten Regiearbeit in Hollywood zusammengeknüpft hat, ist ein erzählerischer Flickenteppich, der sich weder durch Komik noch Einfallsreichtum auszeichnet. Genüsslich werden gängige Klischees abgespult: die zwei linken Hände des mondänen Gastes aus der Großstadt, die Kälte-Aversionen der hautenge Designerkostüme statt saisongerechte Wollwaren tragenden Frau von Welt. Dazu ihre Nöte bei der spontanen Notdurft im schneebedeckten Wald. Und nicht zu vergessen ihre peinliche Aussetzer nach übermäßigem Alkoholgenuss.
Vom Eiskratzen bis zur Toilettensuche im Wald: Lucy (Renée Zellweger) ist nah davor, ihre Mission im Hinterland entnervt aufzugeben. © Senator
Die offensichtliche Diskrepanz zwischen der städtisch-modernen Lebenskultur und der sprichwörtlichen Hinterwäldlerei fernab der Zivilisation muss sich schlussendlich mit einer mühsam konstruierten Romanze vermengen, die Feinde zu Partnern fürs Leben macht: Natürlich muss sich die snobbistische Unternehmerin letztlich in ihren Erzfeind, den bodenständigen, bärtigen Gewerkschaftsführer vor Ort, verlieben.
Die Wandlung der Schickeria-Zicke in eine mitfühlende Landpomeranze geschieht derart schnell und unbegründet, dass sich weder Sympathie noch Verständnis für die vereinsamte Businessfrau entwickelt.
Von Gegnern zu Mitstreitern: Die Belegschaft geht zuerst auf Konfrontationskurs. Doch schließlich schafft es Managerin Lucy (Renée Zellweger), sie umzustimmen. © Senator
Ihre Reise in die Welt des Eisangelns und zu sich selbst erfolgt in solch hektischen Sprüngen, dass zwar der abgedroschene Kurs auf das Happy-End eingehalten wird, die einzelnen Etappen jedoch unklar bleiben. Wie sich bei der vormals skrupellosen und herablassenden Managerin plötzlich Empathie, dann Mitleid, ja sogar Fürsorgeempfinden für die vom Personalabbau bedrohte Arbeiterschaft entwickeln können, bleibt ebenso nebulös wie ihr plötzliches Interesse für jenen privaten Klatsch und Tratsch, den sie anfangs noch als lästige Ablenkung von der Arbeit verteufelt hatte.
Sehen so Verhandlungen mit der Gewerkschaft aus? Lucy (Renée Zellweger) kommt Arbeitervertreter Ted (Harry Connick Jr.) gefährlich nah. © Senator
Hinzu kommt, dass Renée Zellweger keine Cameron Diaz, keine Catherine Zeta-Jones und erst recht keine Sarah Jessica Parker ist, der man den Kulturschock eines von Sonne verwöhnten Großstadtgewächses im rauen Ambiente des dörflichen Hinterlandes ohne Zweifel abnehmen würde. Zellweger fehlt eben jener Charme, der sie Zicke und Liebchen, taff und zart zugleich verbinden lässt. Der Unterhaltungswert von 'New in Town' leidet leider unter beidem: einem unausgereiften Drehbuch und der Fehlbesetzung der Hauptrolle.© 2009 teleschau - der mediendienst ***embedtschtrailer***
"Cameron Michelle Diaz" (* 30. August 1972 in San Diego, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Schauspielerin. ....
"Catherine Zeta-Jones" (* 25. September 1969 in Swansea, Wales) ist eine britische Schauspielerin. ....
"Renée Kathleen Zellweger" (* 25. April 1969 in Katy, Texas) ist eine US-amerikanische Schauspielerin. ....
"Sarah Jessica Parker" (* 25. März 1965 in Nelsonville, Ohio) ist eine US-amerikanische Schauspielerin. ....
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