ARD-Moderator Frank Plasberg verrät im Interview, warum er Günther Jauch bewundert und Oliver Pocher nie mehr unterschätzen möchte.
Polit-Talker Frank Plasberg gilt auch als eine der großen Unterhaltungshoffnungen der ARD. © WDR / Rayermann
Streiten sich zwei, freuen sich womöglich die beiden anderen: Wie schon 2008 prüft ARD-Talkmaster Frank Plasberg in der großen Unterhaltungssendung '2009 - Das Quiz', ausgestrahlt am Dienstag, 29. Dezember, um 20.15 Uhr in der ARD, vier Prominente auf Herz und Nieren. Zwei davon hatte er bereits im Vorjahr zu Gast: 'Wer wird Millionär?'-Moderator Günther Jauch fordert vom Vorjahressieger Oliver Pocher Revanche. Und auch Plasberg tritt - wenigstens indirekt - gegen Jauch an.
Zum Jahresende testet Frank Plasberg das Wissen seiner prominenten Quiz-Gäste über die Höhepunkte des Jahres. © ARD / Brand New Media / Marco Grob
Im vergangenen Jahr geriet hinter dem schlagfertigen Gezicke der beiden TV-Stars das eigentliche Rätselraten fast in den Hintergrund. Damit die Show nicht in ein Testosteron-Bad abgleitet, sollen zwei nicht minder prominente Quiz-Kandidatinnen für frischen Wind sorgen. Denn neben der telegenen neuen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen wird vor allem NDR-Talkerin Barbara Schöneberger den Männern Paroli bieten. Im Interview verrät Frank Plasberg, wie er Jauch & Co. in Schach halten möchte und warum er sich bei seinen Ausflügen in die ARD-Unterhaltung so wohl fühlt.
Schon in der ARD-Sendung 'Das Quiz der Deutschen' fühlte Frank Plasberg den Deutschen in Ost und West auf den Zahn. © ARD / Brand New Media
teleschau: Herr Plasberg, Sie moderieren die ARD-Quiz-Sendung zum Jahresende schon zum zweiten Mal - und wieder sind Günther Jauch und Oliver Pocher zu Gast. Ist das wirklich originell?
Frank Plasberg: Das ist ja keine Eins-zu-eins-Wiederholung. Aber Pocher hatte im Vorjahr gewonnen, deswegen war er natürlich qualifiziert. Günther Jauch hatte sichtlich Spaß an der Sendung, auch wenn er sich geschlagen geben musste. Deshalb ist er wieder mit von der Partie. Wenn man in Köln etwas zweimal macht, dann hat man schon eine Tradition begründet. Die Sendung hat nicht nur uns Beteiligten Freude gemacht, sondern offenbar auch den knapp sieben Millionen Zuschauern.
Hoffentlich als 'Quizzer' ebenso wenig zahm wie bei 'Hart aber fair': Moderator Frank Plasberg. © ARD / Marco Grob
teleschau: Hat Jauch denn wirklich auf einer Revanche bestanden?
Frank Plasberg: Natürlich ist er ehrgeizig, aber das bleibt alles schön spielerisch. Auch wenn wir nicht Fachwissen zu jeder einzelnen politischen Titelgeschichte abfragen, kann Jauch in der Sendung zeigen, dass er als Journalist mit offenen Augen durchs Jahr gegangen ist. Zusammen mit Barbara Schöneberger und Ursula von der Leyen ergibt sich doch so ein schönes Kandidaten-Kleeblatt.
teleschau: Ist es manchmal schwieriger, Ihre Fernseh-Kollegen zu bändigen, als die Politiker und Experten bei 'Hart aber fair' in Schach zu halten?
Frank Plasberg: Es ist sicher leichter, wenn die TV-Leute großen Spaß daran haben, sich in meiner Show voll reinzuknien - in jeder Hinsicht. Günther Jauch brauchte in der Sendung 2008 nur knapp zehn Minuten, mich spöttisch auf den angeblich 'ersten redaktionellen Fehler der ARD' hinzuweisen. Ich hätte da natürlich sachlich kontern und sagen können: 'Toll, Herr Jauch, ihre Firma i&u produziert doch diese Sendung. Dann reden Sie doch mal mit Ihrer Redaktion!' Aber das hätte keinen einzigen Zuschauer interessiert. Also habe ich ihm stattdessen den 'Klugscheißer-Pokal' des Abends verliehen. Das hat sich zu einer richtig amüsanten Kabbelei entwickelt.
teleschau: Wer austeilt, muss auch einstecken können ...
Frank Plasberg: Mir hat sich nur eine Frage gestellt: Wie reagiert Jauch jetzt?
teleschau: Schlägt solches Kollegen-Gefrotzel nicht schnell in Gereiztheit um?
Frank Plasberg: Nein, überhaupt nicht. Man muss auch mal einem Säulenheiligen der TV-Unterhaltung auf die Pelle rücken dürfen. Spannend wird's doch nur, wenn etwas mal von der glatten Fernsehroutine abweicht. Wenn ein Gast in der Sendung den Moderator anmacht und Fehler moniert, dann denk ich mir als Zuschauer doch: Was ist denn jetzt passiert? Und bleibe dran.
teleschau: Schauen Ihnen die Medienfreaks unter den Zuschauern in so einer Sendung, mit solchen Kollegen, nicht besonders kritisch auf die Finger?
Frank Plasberg: Natürlich gibt es diese Experten, die geradezu süchtig auf alle Medienkonflikte sind. Man darf die Zuschauer, die einfach nur einen schönen Fernsehabend haben wollen, aber nicht mit zu vielen Insider-Fragen langweilen.
teleschau: Nervt es Sie denn, wenn Ihnen Fernsehkritiker immer wieder eine Rivalität zu Günther Jauch unterstellen, nur weil der auch mal Polit-Talker im Ersten werden wollte?
Frank Plasberg: Das kann schon deswegen nicht sein, weil ich Rivalitäten nur mit solchen Leuten empfinden kann, die genau in meinem Genre und in meiner Spielklasse sind. Günther Jauch ist eine ganz andere Klasse Moderator. Er hat etwas, was ich sehr respektiere und in Teilen auch bewundere. Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum er mit Abstand der beliebteste Fernsehmoderator in Deutschland ist. Er kann ja nur noch Bundespräsident werden.
teleschau: Was macht denn Jauchs Stil so besonders?
Frank Plasberg: Ich habe kürzlich erst wieder eine stinknormale Folge von 'Wer wird Millionär?' gesehen. Nichts Besonderes also, und trotzdem war die Sendung super, Jauch war super! Aber er ist eben keine Konkurrenz für mich, weil er in einer ganz anderen Abteilung zugange ist.
teleschau: Haben Sie stattdessen Oliver Pocher unterschätzt? Den hat ja zunächst immer keiner auf dem Zettel, und dann gewinnt er die Promi-Quizsendungen souverän.
Frank Plasberg: Das ist doch wunderbar. Es kann doch nichts Schöneres passieren, wenn so ein Verfremdungseffekt eintritt. Viele Zuschauer halten ihn - je nach Altersklasse - nur für einen Clown. Am Schluss sitzen wieder alle vor dem Fernseher - und die eigenen Vorurteile haben sich einfach nicht bestätigt. Pocher hat im letzten Jahre gewonnen, weil er mit großer Übersicht und einem hohen Maß an sozialer Intelligenz an die Sache rangegangen ist. Da kann ich nur sagen: Hut ab!
teleschau: Macht es Ihnen eigentlich mehr Spaß, als Quizmaster die Fragen in der Hand zu halten, oder genießen Sie es auch, wenn Sie mal wieder selber als Kandidat schwitzen zu müssen?
Frank Plasberg: Kommt drauf an. Situationen, die ich nicht alleine in den Griff bekommen kann, gefallen mir weniger. Co-Moderationen oder Sachen wie das Kanzlerduell mit drei Kollegen sind etwas sehr Schwieriges. Ich stürze mich gerne kopfüber die Klippe runter - auch als Kandidat. Aber ich möchte dann bitte für Sieg oder Niederlage selbst verantwortlich sein.
teleschau: Was macht denn eigentlich mehr Spaß - Polit-Talk oder die ARD-Unterhaltung?
Frank Plasberg: 'Hart aber fair' ist mein Hauptwohnsitz, da bin ich zu Hause, fühle mich wohl und kenne mich aus. Aber zum Glück habe ich auch eine Ferienwohnung, das ist für mich die Unterhaltung. Da ist es ein bisschen bunter, es passieren Überraschungen. Da bin ich gern ein paarmal im Jahr. Und wenn es wieder nach Hause geht, freue ich mich auch wieder auf die vertraute Umgebung.
teleschau: Wieviel Freude macht es denn, wenn einer Ihrer Kandidaten komplett auf dem Schlauch steht?
Frank Plasberg: Ich mache keine Sendung zum Fremdschämen. Das würde ja voraussetzen, dass man die Antworten bei unserem Quiz auf jeden Fall wissen muss. Mich beeindruckt es immer, wenn sich Leute, die eigentlich nichts wissen, mit ruhigem Kombinieren und mit sozialer Intelligenz durch die Quizsendungen boxen. Ich habe ja zum Glück vier Profis vor mir, die nicht verarmen, wenn sie nicht gewinnen, und die sich nicht bis auf die Knochen blamieren, wenn sie ihre Antworten komplett verhauen.
teleschau: Bestehen Sie beim privaten Spielen eigentlich immer auf Einhalten der Regeln?
Frank Plasberg: Das kommt immer darauf an, mit wem man spielt. Früher habe ich immer mit einem guten Freund, ebenfalls ein Journalist, Monopoly gespielt. Der hat dafür immer ganz schön dreist die Ellenbogen ausgefahren. Deshalb war ich immer der Erste, der bei den Spielregeln ein bisschen lockere Lösungen vorgeschlagen hatte.
teleschau: Schummeln, wenn es die Sache weiterbringt?
Frank Plasberg: Nein, das ist nicht meine Art. Meine Spezialität ist eher das psychologische Armdrücken.
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