Musik Kritiken
CD Kritik: Petit Berlinois von Snorre Schwarz
Von Kati Hofacker 21. Dez 2009, 07:58

Ein Schlagzeuger, der nicht Schlagzeug spielt und stattdessen anspruchsvolle Lyrik vertont: Snorre Schwarz' Debüt ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. ...mehr
Ein Schlagzeuger, der nicht Schlagzeug spielt und stattdessen anspruchsvolle Lyrik vertont: Snorre Schwarz' Debüt ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich.
'Die Musiker und der Schlagzeuger bitte auf die Bühne' - diesen blöden Musikerwitz muss sich Snorre Schwarz nicht mehr anhören. Denn der Drummer von Songwriter Maximilian Hecker singt auf 'Petit Berlinois' nun seine eigene Lyrik - und das völlig ohne jedes Schlagwerk.
Ein Trommler, der sich in Poesie übt? Eher umgekehrt, den Snorre Schwarz bewegt sich auf seinem Solodebüt zurück zu seinen Wurzeln: Vor rund 20 Jahren galt er mit dem Punkrock-Kollektiv 'Die Fremden' als 'legitimer Nachfolger von Ton Steine Scherben' (wie damals die Presse eher falsch orakelte). Und schon damals rezitierte er die Dichtergrößen Paul Celan und Ingeborg Bachmann auf der Bühne, gründete später 'Das Netz', ein Projekt, bei dem ebenfalls seine Lyrik im Vordergrund stand. Nach Ausflügen als Drummer und dem Schleifenlassen seiner texterische Fähigkeiten nun also ein Soloalbum unter eigenem Namen.
Dass es in sich hat: Denn Lyrik in der Formation Gesang, Gitarre und Fender Rhodes, dafür ohne Rhythmusgruppe vorgetragen, folgt natürlich anderen Gesetzen als die derzeit hippen deutschen Strophe-Refrain-Strophe-Texte. Schwarz reduziert seine Musik zu einem Mix aus Minimalismus und Verspieltheit, die derzeit ziemlich alleine im bunten deutschen Pop-Bonbon-Glas dümpelt.
So bietet er bietet scheinbar unstrukturierte, melancholische Elegien wie 'Sing mir ein Lied' mit wabernden Keyboardsounds, viel Hall und Balalaika-Romantik. Chansonesk und mit einigen Krimimusik-Reminiszenzen geht es auf 'Der Wind' zur Sache, nostalgisch-verstimmte Pianoromantik dominiert die 'Schwester Sonne', Fender und zärtliche Gitarre 'Am Rande der Nacht'. Auf Tracks wie 'Immer mal' jedoch beweist Schwarz seine Affinität zum Beat, der hier einzig von Gitarre, vielfacher Stimme und Handclapping generiert wurde und richtig dick groovt.
Dieser Ausflug bleibt allerdings die Ausnahme, das Gros der Tracks rekrutiert sich aus den gefühlvollen, wortmalerischen, Celan-schen oder auch mal mehr, mal weniger tiefsinnigen Gedichten von Schwarz, die glücklicherweise mit sehr viel Musikalität umspielt und vertont wurden (bis auf 'Blitzschitz' - das er alleine vorträgt). Ein zauberhaft melancholisches Album für kalte Nächte, ein hübsches Stück Silber für Romantiker mit Niveau.
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