Computer Reportagen


Aufräumen statt aufrüsten: Lahme PCs flott machen

Von Andreas Thieme 22. Dez 2009, 09:50

Der Verzweiflung nahe? Wenn der PC sich mal wieder ohne Ende Zeit lässt, könnte eine Aufräumaktion nötig sein. (Bild: Marks/dpa/tmn) © DPA

Der Verzweiflung nahe? Wenn der PC sich mal wieder ohne Ende Zeit lässt, könnte eine Aufräumaktion nötig sein. (Bild: Marks/dpa/tmn) © DPA

München (dpa/tmn) - Wenn der Computer wieder ewig braucht, sind Anwender schnell genervt. Und ist beim Hochfahren des Rechners Zeit, um einen Kaffee aufzusetzen, steht fest: Der PC lahmt.

Schuld daran sind Anwender oft selbst, denn überfüllte Festplatten oder versteckte Programme sind unnötiger Ballast für den PC. Soll dieser wieder schneller arbeiten, gilt es Ordnung zu schaffen oder zu entrümpeln - wie beim Aufräumen in der Wohnung.

Eine typische Systembremse sind Programme, die automatisch mit dem Betriebssystem starten. Bei Virenscannern ist das sinnvoll, sagt Markus Hermannsdorfer von der Computerzeitschrift «Chip» in München. Office-Anwendungen oder Mediaplayer wie Quicktime oder WinAmp etwa hätten im Autostart-Ordner dagegen nichts zu suchen. Die meisten Programme sollten erst aktiviert werden, wenn sie tatsächlich benötigt werden.

«Wenn zu viele Anwendungen beim Hochfahren des Rechners mitgeladen werden, verlängert sich der gesamte Vorgang», erklärt Thomas Baumgärtner von Microsoft in München. Mit der Windows-Anwendung «msconfig» können die Autostart-Programme überprüft werden. Selten oder gar nicht benötigte Programme können so vom automatischen Starten abgehalten werden.

Aber nicht alle Programme legen ein Symbol im Autostart-Ordner ab, schreiben aber einen Wert in die Registry, die zentrale Datenbank des Betriebssystems, wodurch diese unbemerkt aufgebläht wird. Mit Hilfe von Registry-Cleaner genannten Programmen lassen sich unnötige oder nicht verwendete Programme entfernen, erläutert Hermannsdorfer. Gut geeignet sei etwa der kostenlose «Crap Cleaner».

Lohnenswert ist zudem eine Überprüfung der Systemdienste, die in der Systemsteuerung einsehbar sind. Auch hier lässt sich der PC entschlacken: «Nicht alle Dienste sind zur Anwendung unbedingt notwendig», sagt Ralf Härter, EDV-Dozent an der Volkshochschule in Düsseldorf. Werden sie dauerhaft deaktiviert, entlastet das den Computer von überflüssigen Rechenaufgaben. Wer hinsichtlich der Bedeutung einer bestimmten Funktion unsicher ist, sollte diesen Dienst nicht abschalten. Es könnte wichtig sein.

Eine weitere Bremse sind defekte oder schlecht programmierte Hardware-Treiber: Versucht das System, auf sie zuzugreifen, entstehen laut Baumgärtner sogenannte Timeout-Prozesse, die mit Wartezyklen verbunden sind. «Sie bremsen nicht nur das System, sondern können Windows sogar abstürzen lassen», warnt Hermannsdorfer. Abhilfe schaffe ein Treiber-Update, das sich per Mausklick im Windows-Gerätemanager schnell durchführen lässt.

Verwendet werden sollten zudem nur zertifizierte Treiber, rät Hermannsdorfer. Außerdem sei es nicht immer sinnvoll, die aktuellsten PC-Komponenten anzuschaffen, da sie vielfach mit halbfertigen Treibern geliefert werden. «Eine brandneue Grafikkarte im älteren Rechner mache das System eher langsamer, da der Treiber den PC ausbremst.» Besser sei ein etwa ein Jahr altes Modell, das preiswerter sei und bei dem mögliche Probleme meist schon behoben seien. Vorsicht gilt auch bei der mitgelieferten Treiber-Software, von der laut Härter ein Großteil gar nicht gebraucht werde. Vor allem Bonus-Software könne meist wieder deinstalliert werden.

Auch eine stark fragmentierte Festplatte kann die Arbeitsprozesse des Rechners verlangsamen. «Bei Programm-Installationen speichert das Windows-Dateisystem die Daten der Anwendung in kleinen Fragmenten verteilt auf die Festplatte», erklärt Hermannsdorfer. Beim anschließenden Programmstart muss Windows die Teilstücke auf der Festplatte suchen. «Je mehr Programme man installiert, desto länger dauert die Suche.»

Da sich im Laufe der Zeit immer mehr Daten ansammeln und Applikationen wie Spiele oder Filme die Festplatte füllen, müsse diese gelegentlich defragmentiert, also neu angeordnet werden. Unter Windows XP könne dafür entweder das Windows-Tool «defrag.exe» oder ein sogenannter Defraggler verwendet werden. In Vista und Windows 7 läuft die Defragmentierung dagegen permanent im Hintergrund. «Hier müssen sich Anwender um nichts mehr kümmern und brauchen auch keine zusätzlichen Tools mehr.»

© 2009 dpa - Deutsche Presse-Agentur

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