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Großer Beifall für Dea Lohers «Diebe»
21. Jan 2010, 15:44

Daniel Hoevels und Barbara Heynen spielen in Dea Lohers «Diebe». © DPA
Berlin - Das Bühnenbild von Andreas Kriegenburg ist spektakulär: Ein den ganzen Raum einnehmendes Rad einer riesigen Wassermühle schaufelt immer wieder neue Schicksale ins Blickfeld der Zuschauer.
Bei der Uraufführung von Dea Lohers «Diebe» am Deutschen Theater Berlin balancierten die Schauspieler mal schräg aufrechtstehend, mal halb liegend oder gleich kopfüber auf den hölzernen Drehflügeln.
Es sind gescheiterte und vom Scheitern bedrohte Menschen aller Altersklassen, deren Geschichten die preisgekrönte Dramatikerin in «Diebe» zu einem Querschnitt unserer heutigen Gesellschaft verwebt. Gibt es Hoffnung für die Hoffnung? So lautet eine der Kernfragen. Da bleibt auch Platz für Komik. Das Premierenpublikum nahm das jüngste Werk der 45-jährigen Loher, einer der meistgespielten deutschen Theaterautorinnen, mit viel Applaus auf.
Zwölf Figuren treffen in dem knapp vierstündigen Episoden-Stück in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder aufeinander. Eine Rahmenhandlung gibt es nicht, die Erzählfäden sind nur sehr lose verknüpft. Da ist der Versicherungsmakler Finn, der sich verspekuliert hat und nun nicht mehr aus seinem Bett aufstehen will. Seine Schwester Linda hat Sorge um ihren Arbeitsplatz in einer Therme und Stress mit Vater Erwin, der sofort aus dem grässlichen Altersheim rausgeholt werden will.
Die Supermarktangestellte Monika hofft auf eine sinnlose Beförderung, die nach und nach ihre Ehe zerstört. Herr und Frau Schmitt werden von einem unbekannten Bestatter beschattet, der nach dem Vater seiner durch Samenspende gezeugten Freundin Mira sucht. Eine ältere Dame vermisst seit 43 Jahren ihren Ehemann und geht zur Polizei. Ein Mord geschieht.
Zu den glänzenden Darstellern gehören Judith Hofmann (Linda), Jörg Pose (Finn), Barbara Heynen (Monika), Olivia Gräser (Mira) und Bernd Moss (Herr Schmitt). Nicht immer sprechen die Figuren zueinander. Oft erzählen sie ihre Geschichte auch in der dritten Person, was zur weiteren Distanz vom Lebensleid und zur Ironisierung des Lebenswahnsinns führt. Für den Zuschauer bleibt der Abend so aber auch reine Kopfarbeit. Richtig mitfühlen kann man mit den Charakteren nicht.
Der Bühnenraum, die meisten Kostüme und die wenigen Requisiten sind ganz in Beige gehalten - einer Farbe, die hier für eine Mischung aus Spießigkeit, Unbeweglichkeit, Trostlosigkeit und Vergeblichkeit steht - alle halten krampfhaft an der Gegenwart fest, auf die Zukunft gehofft wird nur verhalten. Dennoch ist «Diebe» das wohl bislang komischste Stück von Loher («Das letzte Feuer», «Land ohne Worte», «Tätowierung»), was die Dramatikerin in einem im Programmheft abgedruckten E-Mail-Wechsel als «neue Erfahrung!» bezeichnet.
http://www.deutschestheater.de/home/diebe/
© 2010 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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