Die Band Helloween im Interview zum 25-jährigen Bandjubiläum bei dem es nicht nur irgendeine Best of-CD geben wird, Veröffentlichung am 29.01.2010, sondern eine ganz Spezielle. Wie speziell erfahrt ihr im Interview samt einiger weiterer Details aus 25 Jahren Bandgeschichte.
(c) Mathias Bothor; Auf dem Bild: Helloween
Zum eurem 25-jährigen Bandjubiläum veröffentlicht ihr ein Best of-Album das sich sehr von den üblichen Best of-Veröffentlichungen unterscheidet. Wie würdest Du dies mit eigenen Worten beschreiben?
Michael Weikath: Ja, die Band Helloween die gibt's jetzt seit 1984 und deswegen, wir haben ja 25-jähriges Bandjubiläum. Anlässlich dazu wollten wir dann eine Best-of machen. Dachten wir, sei 'ne Superidee, weil, ist ja noch nie gemacht worden. Aber genau darum geht's. Du möchtest das Ganze dann etwas besonders und etwas andersartig machen, als jetzt einfach deine Platin- und Gold-Erfolge aus verschiedenen Ländern über 25 Jahre so neu gemischt oder neu gemastert irgendwo auf 'ne CD zu packen und dann rauszubringen. Da haben wir uns gesagt, nee, das wär' klasse, wenn wir die mal im ganz anderen Gewand arrangieren würden und richtig professionell umsetzen, so wie das auch alles hätte klingen können, als Geschenk an unsere 25 Jahre alten Fans (Gelächter) und uns selbst auch.
Markus Großkopf: Ja, und die 25 Jahre alten Fans waren damals schon in der ersten Reihe!
Andi Deris: Die waren damals null Jahre alt (Gelächter).
Wie habt ihr das „Problem“ mit der Songauswahl gehandhabt?
Andi Deris: Na, die Songauswahl war natürlich schon sehr blutig. Quatsch! Also es gab einfach nur 30 oder sogar mehr Ideen auf 'm Blatt. Und die eigentliche Aufgabe war, von den vielen möglichen Songs letztendlich die rauszufinden, die in dem neuen Gewand auch tatsächlich cool sind und funktionieren und einfach was Neues darstellen. Jetzt irgendwie 'nen Song zu nehmen und den umzuklamotteln, nur um es umzuklamotteln, das wäre echt nach hinten losgegangen, glaube ich. Der Song sollte schon mindestens genauso gut um die Ecke kommen wie das Original. Aber eben auf 'ne andere Weise, also im Loungegewand, in 'nem souligen, in 'nem jazzigen, in 'nem Akustikgewand, was auch immer. Und das könnt Ihr Euch ja denken: Nicht jeder Song funktioniert da einfach. Also da braucht man schon ein paar mehr Vorschläge, muss sich ein paar mehr Demos reinziehen. Und ich denke mal, der Song beantwortet schon von selbst die Frage. Ich bin nämlich gut als Song, und der ist richtig scheiße geworden. Das ist ja klar, da muss man einfach hören, und ich denk', das bildet sich automatisch raus.
Markus Großkopf: Es gibt auch Songs, die gehen von selber einfach. Wir haben ja da im Keller mit Gitarren gesessen und geguckt, was macht man hier, was macht man dort. Da waren einige Songs, die gingen von vorne gleich irgendwie in eine Richtung, automatisch, ohne E-Gitarren, praktisch unbewaffnet (Andi lacht). Und andere, da musste man doch ein bisschen mehr dran basteln, damit sie zu dem werden, was sie jetzt darstellen.
Andi Deris: Und andere sind erst gar nicht draufgekommen. Die wollten nicht (lacht).
Markus Großkopf: Die kommen zum Fuffzigsten (Gelächter)!
Wie kamen die Arrangements zustande und mit wem habt ihr daran gearbeitet?
Markus Großkopf: Wir haben dann im Keller auch . . . Wir sagen immer noch Keller. Früher haben wir immer im Keller geprobt, ne? Also im Bunker, im Keller, die Titel mit Akustikgitarren geprobt, versucht, experimentiert. Da waren wir nicht ganz alleine, haben uns den Andi, der hat mal viele, viele Jahre bei Peter Maffay gespielt, der hat mit uns dann ein bisschen rumarrangiert.
Andi Deris: Andi Becker, nicht ich!
Markus Großkopf: Andy Becker! Und das Interessante daran war, dass der sich eigentlich gar nicht mit Metal so auskennt. Da hast Du eine gute Voraussetzung, 'ne ganz andere Version zu kreieren, mit jemandem, der da eigentlich keine Ahnung von hat (lacht). Oder so! Aber der hat natürlich Ahnung von ganz anderen Dingen. Der hat einen Akkord gespielt, den habe ich meinem Leben nicht gesehen.
Andi Deris: Den gibt's gar nicht (Markus lacht).
Was kannst Du uns über … erzählen?
Dr. Stein:
Michael Weikath: So, 1987 habe ich einen Titel geschrieben, der heißt 'Dr. Stein'. Und der sollte eigentlich gar nichts Besonderes werden. Den hatte ich als B-Seite geplant. Und dann, ja aufgrund des gelungenen Demos gefiel das jedem, und dann wurde das auf einmal zur Single. Wir sind dann bis in die deutschen Charts gekommen. Ich glaube bis Platz drei oder so. Da musste damals . . . der Roy-Black-Fanclub musste, irgendwie, ja, Karten schreiben, damit wir bloß nicht in der "Hitparade" auftauchen, als englischsprachige deutsche Band. Und, ähm, ja, das ist jetzt dann auch wieder Single für diese 25-Jahre-CD, mit dem Saxofonisten von Supercharge, was eine tolle Band ist. Die spielen immer auf so angenehmen Gelegenheiten, wie Jackie Onassis' Hochzeit und so, und ganz klasse. Und Nippy Noya, ein berühmter Studio-Percussionist, macht da auch 'ne ganze Menge drauf. Und ich find' diese neue Version super, weil die schön swingig und frisch und flockig ist. Und ja, so verhält sich das mit dem Titel. Tolle Sache. Ganz stolz drauf!
A Tale that wasn’t right:
Michael Weikath: Auch 1987, glaube ich, habe ich 'A Tale That Wasn't Right' geschrieben, was eine Ballade ist. Und wir waren vorher ja bekannt mehr so als schnelle Metalband und so. Und dann gab's Beschwerden. Ich hatte solche Schwierigkeiten. Ich wollt' diesen Titel so gern machen, und niemand wollte das. Es war so schwer, das durchzusetzen irgendwie. Mir wurde vorgeworfen, ich klau' bei Modern Talking, weil der Text geht "In my heart, in my soul". Und na ja, jetzt haben wir 'ne ganz, ganz tolle Version davon, in Klassik und Klavier. Und der Andi singt ganz allein. Supertoll! Weil doch alle irgendwie den Titel dann doch ganz gut fanden hinterher. Das freut mich natürlich auch.
If you could fly:
Andi Deris: 'If I Could Fly' war eigentlich immer schon ein Song, der so'n bisschen loungig um die Ecke kam. Und jetzt auch endlich mal im originalen Lounge-Gewand, so schön Sofa und Deine Süße und Rotwein, das macht richtig Spaß. Er war auf der "Dark Ride" im Original, 2000 haben wir den aufgenommen. War auch tatsächlich Top-Ten in Schweden und hat eigentlich ganz viel Gutes getan für uns. Und mal gucken, was so in dem neuen Kleidchen passiert. Also mir gefällt er richtig gut. Ist schön geworden.
Forever and One:
Andi Deris: 'Forever And One', das war witzigerweise eigentlich ein Song, der damals als Demo von mir nur eingesungen wurde auf ein schönes Piano. Ihr könnt Euch natürlich denken, meine Pianokünste sind ziemlich besch . . . eiden. Insofern habe ich's probiert zu programmieren, ich und mein Macintosh. Auch das klang bescheiden, aber es kam trotzdem irgendwie schön rüber. Natürlich nicht zu machen auf 'ner Metalscheibe. Da darf 'ne Ballade zwar Ballade sein, aber so 'n bisschen ballern muss es schon. Insofern gab's nie 'ne Version mit Piano und Stimme, was nicht heißt, dass mir die originale nicht gefällt. Die ist ja auch in Korea richtig schön Top-5 eingestiegen und hat vieles, vieles Gutes für uns getan. Aber jetzt bin ich doch froh, dass ich sie auch mal so hab, wie sie ursprünglich gedacht war. Mit 'nem tollen Pianisten, der Matthias Ulmer. Das ist so'n Tier am Flügel, und das gefällt mir jetzt richtig gut.
Medley aus „Keeper of the seven keys“, „Halloween“ und “King for a 1000 years”:
Markus Großkopf: Jo, moin, moin. Wir haben dann auch noch das Medley 'Keeper Of The 7 Keys' / 'Halloween' / 'King For A 1000 Years'. Das ist eigentlich unsere Trilogie, ne? Das ist das, worum es geht bei uns, ne (lacht)? Ja, die drei Songs zu einem Medley zusammengeschnitten, Spielzeit fast 18 Minuten oder so was, das war natürlich 'ne gewisse Herausforderung. Ich hab' mal irgendwann vom Management 'ne Anfrage gekriegt, ob wir nicht mal irgendwie das zusammenschneiden könnten, wie das ungefähr klingt, oder welche Parts so . . Das Schwierige war dann, die Teile zu finden, die sich dafür besonders eignen in dieser Form, in der Hinsicht. Und na ja, wir haben das dann notieren lassen, auf Blatt gebracht, mit einem 70-Mann-Orchester einspielen lassen. Das war schon 'ne Wucht. Würde ich mal so sagen . . . War schon 'ne Aufgabe, ne?. Und gelöst, denke ich (lacht).
(c) Sandra Ludewig; Auf dem Bild: Helloween
Eagle Fly Free:
Markus Großkopf: Ja, zum 'Eagle Fly Free' muss ich sagen: Einer meiner absoluten Lieblingssongs von Helloween. Damals entstanden '87 / '88 auf der "Keeper 2", als Opener, richtig. Haben wir gedacht, was machen wir denn da jetzt für 'ne Version draus. Sehr schneller Song, was macht man daraus? Genau das Gegenteil. Das Witzige war, zu der Zeit, als wir das überlegt haben, kam 'ne Anfrage von der skandinavischen Band Hellsongs, die ja irgendwie Hardrock- / Metal-Songs in ganz anderen Formen umsetzen, covern und rausbringen. Da haben wir gesagt, ja, macht doch 'Eagle . . . '. Und die haben sich die Version ausgedacht. Ich glaube, Sascha hat noch ein paar Gitarren draufgehupt. Somit hätten wir das auch eingetütet, ne (Gelächter)? Lustigerweise, was ich daran noch besonders dran finde, ist die ganze Version. Als ich damals den Song eingespielt habe . . .
Andi Deris: Eingetütet! (Gelächter)
Markus Großkopf: Eingetütet hab! Nee, damals gab's noch keine Tüten, da gab's noch Jutebüdel. Da haben wir's eingebüdelt (lacht). Da habe ich mich mit Weiki hingesetzt, 'nen schönen Bass ausgedacht und so. Das war noch richtig lustig . . .
Andi Deris: Ich dachte immer, Jutebüdel wäre ein Grenzübergang nach Dänemark (Gelächter).
Michael Weikath: So kann man sich täuschen, mein Lieber.
Markus Großkopf: Ja, da haben wir uns den Bass ausgedacht. Das Lustige an dieser Version, da ist gar kein Bass drauf, haha (Gelächter).
Andi: Stimmt! Ausgerechnet DU sprichst über DEN Song (Gelächter).
Welche Gastauftritte gab es auf dem Best of-Album?
Markus Großkopf: Wir haben 70 Mann am Orchester gehabt. Das waren die Prager Symphoniker. Dann haben wir den, watt weiß ich, 30-, 40-Mann-Chor gehabt, die Gregorians waren das. Die haben wir dazu auch noch eingeladen. Ja, da haben wir uns richtig ins Zeug gelegt, keine Mühen gescheut, die alle eingeladen und das Ding locker eingetütet. Viel Spaß (Gelächter).
Wie sehen die Highlight der letzten 25 Jahre „Helloween“ aus?
Michael Weikath: Ja, dann, wir waren ja mal '87 richtig weltberühmt so. Und das war ja alles so ganz toll, was wir machten. Und wahnsinnig viele Leute wurden auf uns aufmerksam, weil wir hatten so 'ne tolle Platte "Keeper Of The Seven Keys Part 1" gemacht, mit dem Michael Kiske als Sänger. Ganz toll alles. Fanden sie alle sensationell. Da haben wir dann in Donnington gespielt. Ich weiß nicht, vor 117.000 oder 110.000 Leuten in England. So als Starter von dem ganzen Festival. Das war ganz schön, weil man da normalerweise mit Dreck beworfen wird. Äh, das ist in dem Land, in dem Landstrich etwas anders als im Rest der Welt.
Markus Großkopf: Und ich hab' morgens 'ne große Salami gesehen. Das ist schon was anderes auf der Bühne.
(c) Sandra Ludewig; Auf dem Bild: Helloween
Michael Weikath: Richtig. Wir hatten tatsächlich nur sechs Flaschen oder was, irgendwie gefüllt mit merkwürdigen Flüssigkeiten, Körperabsonderungen, und so'n bisschen Lehm, was geworfen wurde. Das war alles. Nach uns spielte Guns 'N Roses, die ja jeder kennt heutzutage. Und ja, die haben den ganzen Dreck abgekriegt. Das war sehr schön für uns. Ich fand das auch gut. Und, äh, dann gab's natürlich die riesen Monsters-Of-Rock-Festivals auch in Deutschland, in Pforzheim und in Nürnberg. Das waren auch so um die 110.000 Leute. Da haben wir dann mit unseren ganzen großen Vorbildern spielen dürfen, wie z.B. Deep Purple und . . . ja . . . na ja, Dio war auch da (Gelächter). David Lee Roth war da und na ja, wer nicht noch alles da gespielt hat. Cinderella . . . Das waren so die richtig großen Höhepunkte. Oder dass wir mal in Brasilien waren, vor 60 / 80.000 Leuten. Ich weiß nicht, ob das jetzt 20.000 mehr oder weniger waren. Philips-Festival in Brasilien. Super! Riesig! Und so . . . ja . . . und dann . . . na ja, wir haben auch schon mal in Korea gespielt, im Fernsehen. Das war landesweit übertragen, damals zur "Dark Ride"-Tour.
Markus Großkopf: Da hat ' . . . Tale . . . ' doch sogar Platin gemacht, ne? Oder?
Michael Weikath: Ja, 'A Tale . . . " hat sich in Korea z.B. mehr verkauft als 'Yesterday' von den Beatles. Musst Du Dir mal vorstellen. Das stimmt! Und ja, da haben wir dann halt gespielt. Und wie viele Koreaner gibt's, die uns da gesehen haben im Fernsehen? Das sind so Höhepunkte einfach.
Markus Großkopf: Und guck mal, wir waren schon in Korea, da waren viele unserer Fans noch null.
Michael Weikath: Genau (Andi lacht)!
Andi Deris: Ein absoluter Höhepunkt war natürlich die letzte Welttour. Da waren's dann tatsächlich über 40 Länder. Und ich glaube vier Kontinente haben wir dann gespielt. Also Australien diesmal endlich auch, was wirklich klasse war. Das ist ein schönes Abenteuer, muss ich sagen. Und . . . ja . . . fast 'n Jahr unterwegs. Ab und zu natürlich mal 'ne Pause. Gott sei Dank. Man muss ja neue Klamotten zuhause aufpacken. Aber war schon lang, exzessiv und geil! Hat gefallen!
Markus Großkopf: Ja, machen wir noch mal! Mit der nächsten regulären Platte. Machen wir dann auch wieder Länder, die noch gar nicht drin waren. Was haben wir? Wir haben z.B., nächstes Mal machen wir mal Afrika.
Andi Deris: Afrika muss unbedingt auch noch rein.
Markus Großkopf: Uuuhh, da müssen wir uns wieder impfen lassen. Das können wir ja bei dem lustigen Doktor machen, den wir letztes Mal fast zum Wahnsinn getrieben haben (Gelächter).
Euer persönlicher Abschlusssatz zum Jubiläum und der Best of?
Andi Deris: Tja meine Lieben. Also das sind 25 Jahre von den Kürbisköpfen hier. Und das wollten wir natürlich etwas anders zelebrieren und Euch nicht irgendein, na ja, neues "Best-of" hinpflanzen, sondern wir haben uns da echt ein bisschen Mühe gegeben. Ich hoffe, Ihr findet das auch so amüsant wie wir von der Produktion bis jetzt. Es ist geil geworden. Es ist natürlich komplett anders als ein Metalfreak jetzt im Grund' genommen höre würde. Aber was mir daran gefällt, und ich hoffe, dass es was für Euch auch so ist: Wenn Ihr dann endlich mal kapiert, was für Songs Ihr da hört, dann ist das einfach richtig geile Party. Also ich denk mal, das ist was, wo man auch mal nebenher hören kann und nicht nur laut der Nachbarin auf die Nerven fallen kann. Das ist für mich auch mal ganz wichtig. Weil ich habe ziemlich sensible Nachbarn.
"Helloween" ist eine deutsche Speed- und Power-Metal-Band. Helloween wurde 1984 in Hamburg gegründet und ist eine der erfolgreichsten Metalbands aus Deutschland. ....
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