Hartes Pensum: Regina Halmich verhilft Übergewichtigen zum Start in ein neues Leben und baut bei SAT.1 Steffen Kretschmanns Selbstbewusstsein neu auf.
Regina Halmich, eine der erfolgreichsten Boxerinnen der Welt, soll in der kabel-eins-Dokusoap 'The Biggest Loser - Abspecken im Doppelpack' Übergewichtigen sportlich weiterhelfen. © kabel eins / Oliver S.
Erfolg ist für Regina Halmich fast schon eine Selbstverständlichkeit: Während ihrer aktiven Boxkarriere, die sie am 30. November 2007 selbstverständlich mit einem Sieg beendete, konnte sie sich in 54 von 56 Fights behaupten - bei einem Unentschieden. Ausgerechnet ihr zweiter Auftritt als Profiboxerin endete mit einer schmerzhaften Niederlage - und das auch noch in der Glamour-Metropole Las Vegas, wo sie gegen die Amerikanerin Yvonne Trevino technisch k.o. ging.
Alles fit? Ex-Boxweltmeisterin Regina Halmich soll die deutsche Schwergewichtshoffnung Steffen Kretschmann wieder auf die Siegerstraße bringen. © SAT.1
Ein Schlüsselerlebnis, das sie zu eiserner Selbstdisziplin zwang. In gleich zwei neuen Fernsehreihen, der Dokusoap 'The Biggest Loser - Abspecken im Doppelpack' (ab Dienstag, 2. März, 20.15 Uhr, kabel eins) und der Box-Doku 'ran Spezial: Knockout - Der Kampf seines Lebens' (ab Dienstag, 2. März, 23.15 Uhr, SAT.1), kann sie ihre Erfahrungen an motivierte Schützlinge weitergeben.
teleschau: Frau Halmich, Glückwunsch. Im Fernsehen sieht man Sie derzeit in gleich zwei neuen Sendungen. Hätten Sie sich die Zeit nach Ihrem Abschied von der aktiven Box-Karriere so turbulent vorgestellt?
Regina Halmich: Angebote von den Sendern bekam ich ja immer wieder.
Auf die Zwölf: Gegen Regina Halmich hatte 'Killerplauze' Stefan Raab einst keine Chance. © ProSieben
Doch ich wollte erst einmal auf ein Format warten, das auch wirklich zu mir passt. 'The Biggest Loser - Abspecken im Doppelpack' hat mit Fitness, mit richtiger Ernährung, aber auch mit viel Disziplin zu tun. Bei den 'ran'-Dokus dreht sich alles ums Boxen. Passt doch perfekt! Das Warten hat sich gelohnt.
teleschau: Neben den stark übergewichtigen Damen und Herren der Abspeck-Doku muss man schon genau hinsehen, um Sie schnell zu erkennen. Mulmige Gefühle beim ersten Kontakt?
Regina Halmich: Überhaupt nicht. Ich bin ohne Vorbehalte in die Sendung gegangen. Mich haben diese Menschen stark beeindruckt, als ich mich mit ihren Vorgeschichten und Motiven beschäftigte.
teleschau: Alle Kandidaten, die mitmachen, haben ja offenbar bereits selbst den Entschluss getroffen, ihr Leben zu ändern.
Regina Halmich: Wir haben niemanden zu etwas gezwungen. Für einige, die sich bei uns beworben haben, war 'The Biggest Loser' der letzte Strohhalm, ihrem Leben eine wichtige Wendung zu geben. Ich war überrascht, wie viel Hoffnung einige der Kandidaten in diese Fernsehsendung legten. Letztlich haben sich alle voll reingehängt.
teleschau: Ist es nicht ein wenig bedenklich, sich so privat den Augen der Öffentlichkeit zu stellen?
Regina Halmich: Ich habe großen Respekt vor jedem, der diesen Schritt gehen will - und mit allen Konsequenzen zu dem Entschluss steht, in der Sendung abzunehmen. Jede Woche beginnt mit dem Wiegen - jeder muss fast unbedeckt auf die Waage. Auch dabei erwiesen sich alle als sehr tapfer - und es gab eine tolle Gruppendynamik.
teleschau: Können Sie sich denn vorstellen, was die Kandidaten motiviert, ein in jeder Hinsicht forderndes Programm wie das von 'The Biggest Loser' zu absolvieren - und das auch noch in aller Öffentlichkeit?
Regina Halmich: Ich kann das gut nachvollziehen: Es ist doch viel einfacher, gemeinschaftlich abzunehmen. Der positive Effekt von Gruppenzwang ist nicht zu unterschätzen: Jeder schaut nach links und nach rechts - und will wissen, wie viel die anderen bereits abgenommen haben. Alle haben den Konkurrenzkampf sportlich genommen - und sich anspornen lassen.
teleschau: Mussten Sie den Kampfgeist gar nicht erst wecken?
Regina Halmich: Jeder reagiert einfach anders - einige waren übermotiviert, andere brauchten einen kleinen Schubs. Aber alle wussten, dass es so übergewichtig mit ihrem Leben nicht weitergehen kann. Die Einschränkungen, die einige Kandidaten zu ertragen hatten, waren schließlich enorm.
teleschau: Und haben sich denn Abspeck-Erfolge eingestellt?
Regina Halmich: Ich darf nicht zu viel verraten. Aber ich glaube fest an den Erfolg unseren Methoden. Immerhin haben wir den Kandidaten nicht einfach nur gesundes Essen vorgesetzt, sondern die Ernährungsumstellung gemeinsam erarbeitet. Eine Lektion war dabei, dass alle Kandidaten lernen mussten, selbst gesund zu kochen. Genauso haben wir das Sportprogramm im Team zusammengestellt - und keinen einfach nur vor den Kopf gestoßen.
teleschau: Hat Sie diese ständige Selbstkontrolle bei Ernährung und Fitness nicht stark an die Zwänge Ihrer aktiven Sportlerlaufbahn erinnert?
Regina Halmich: Genau deswegen wollte ich unbedingt mitmachen. Ich war zwar nie übergewichtig. Aber wenn jemand etwas von Disziplin beim Essen und der aktiven Gewichtskontrolle versteht, dann bin das natürlich ich. Ich weiß, was es heißt, verzichten zu müssen. Jahrelang habe ich ohne Weihnachtsbraten feiern müssen.
teleschau: Rattert denn bei Ihnen immer noch im Hinterkopf der Kalorienzähler, wenn Sie mal schön essen gehen?
Regina Halmich: Ich taxiere nicht jeden Genuss. Aber ich stelle mich nach wie vor täglich auf die Waage und kontrolliere mich. Auch ich bekomme nichts geschenkt: Um einigermaßen schlank zu bleiben, muss ich wie alle anderen hart an mir arbeiten.
teleschau: Auch im Boxstudio?
Regina Halmich: Die 15 Jahre Boxen haben mich so stark geprägt, dass ich mir ein Leben ohne Disziplin gar nicht mehr vorstellen kann. Ich trainiere immer noch regelmäßig mindestens drei bis vier Mal in der Woche.
teleschau: Wie groß ist Ihr Glücksgefühl, wenn Sie auf die Waage steigen?
Regina Halmich: Toll, wenn alles gut geklappt hat! Die Angst vor der Waage war bei 'The Biggest Loser' ein großes Thema. Man wird sie nur los, wenn man sich ihr stellt. Nach und nach muss die Waage zum Freund werden.
teleschau: Wie unterscheidet sich denn die Herausforderung Ihrer Box-Doku bei SAT.1 vom kabel-eins-Abspeckformat? Welchen Ängsten muss sich Steffen Kretschmann stellen?
Regina Halmich: In unserer Doku lernt man schnell: Boxen ist Kopfsache. Körperlich sind fast alle Profiboxer topfit. Der Weg zum Erfolg spielt sich im Kopf ab. Ich finde es spannend, dass ich vor der Kamera einen Mann begleite, der von einer K.O.-Niederlage kommt und wieder neues Selbstvertrauen aufbaut.
teleschau: Fällt das nicht besonders schwer für Sie, sich in diese Situation hineinzudenken - Niederlagen waren und sind für Sie ja fast Fremdwörter?
Regina Halmich: Ganz am Anfang meiner Karriere hatte ich ein Schlüsselerlebnis: Der verlorene Kampf in Las Vegas gab mir wirklich zu denken. Von da an hatte ich mir geschworen, dass ich nie wieder auf der Verliererseite stehen wollte.
teleschau: Ohne Niederlagen kein Siegeszug?
Regina Halmich: Nur so trennt sich die Spreu vom Weizen. Der eine Teil der Boxer wächst an seinen Niederlagen. Die anderen gehen gnadenlos unter - weil sie die Schmach einfach nicht überwinden können.
teleschau: Was sagt Ihr Bauchgefühl bei Steffen Kretschmann?
Regina Halmich: Ich glaube schon, dass er seine Lehren aus dem K.O. gezogen hat. Allerdings steht er mit den vier Dokus und dem Live-Kampf bei SAT.1 das erste Mal so stark im Fokus der Öffentlichkeit - keine kleine Aufregung! Wenn er sich daran hält, was ihm sein Trainer mit auf den Weg gegeben hat, dann wird er es schaffen. Ich glaube, dass er aus seiner Niederlage heraus wächst.
teleschau: Wie gut klappte denn die Zusammenarbeit mit 'Kretsche'?
Regina Halmich: Wir liegen auf einer Wellenlänge. Wenn das nicht von vornherein so geklappt hätte, dann hätte es gar keinen Sinn gemacht, mit ihm dieses aufwendige Training durchzuziehen. Und das führte uns ja sogar bis nach Russland. Steffen ist ein ganz toller Mensch. Gerade weil er in Deutschland noch so unbekannt ist, hat er die große Chance zu zeigen: Der bin ich!
teleschau: Welche Tipps geben Sie ihm denn mit auf den Weg?
Regina Halmich: Er sieht schon, dass ich ein extremer Kämpfertyp bin: Ich habe mich immer durchgebissen. Deswegen bin ich natürlich ein Vorbild. Das Boxen musste ich ihm aber zum Glück nicht beibringen. Er ist ein ganz fantastischer Boxer, der alles hat, was man zum Siegen braucht.
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