Wien - Unter den Nazis galt Alban Bergs Musik als «entartete Kunst». Obwohl der österreichische Komponist bereits 1935 starb, waren seine Werke im Dritten Reich verboten, ebenso wie die seines Lehrers und Freundes Arnold Schönberg.
Heute hingegen gilt Bergs erste Oper «Wozzeck» als Meilenstein der Musikgeschichte und eines der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts. Als «Neuerer der Musik» wird er gefeiert und hat einen festen Platz unter den großen Meistern der klassischen Moderne. Zusammen mit Schönberg und Anton Webern begründete er zudem die Zweite Wiener Schule, die wesentlichste kompositorische Bewegung nach der Jahrhundertwende. Am Dienstag (9. Februar) jährt sich Alban Bergs Geburtstag zum 125. Mal.
1885 in Wien geboren, war «Albano Maria Johannes Berg» als Kind noch mehr der Literatur als der Musik zugetan. Mit 15 Jahren begann er als Autodidakt zu komponieren, wobei er nie eine professionelle musikalische Ausbildung genossen hatte. Im Jahr 1904 wurde der rund zehn Jahre ältere Arnold Schönberg - der Begründer der Zwölftonmusik - auf das junge Talent aufmerksam. Er erkannte «eine überströmende Wärme des Fühlens» in den Kompositionen Bergs - und nahm ihn zusammen mit Anton Webern als Privatschüler auf. Der Einfluss des väterlichen Freundes auf Alban Berg war immens. Sechs Jahre studierte er bei Schönberg, die Freundschaft der beiden hielt ein Leben lang.
Seine Oper in drei Akten «Wozzeck» entstand, nachdem Berg 1914 Georg Büchners Dramenfragment «Woyzeck» in Wien gesehen hatte. Das Werk zeigt das Los eines Mannes, der zum Mörder seiner Geliebten wird und dennoch gleichzeitig ein Opfer ist. «Es ist nicht nur das Schicksal dieses von aller Welt ausgenützten und gequälten armen Menschen, was mir so nahe geht, sondern auch der unerhörte Stimmungsgehalt der einzelnen Szenen», schrieb Berg damals.
Der Komponist sah in dem Stück «die exemplarische Katastrophe des fallenden Menschen in einer im Zerfall begriffenen Welt», heißt es im Programm der Wiener Festwochen 2010, die vom 14. Mai bis 20. Juni Alban Bergs musikalischem Genie gewidmet sind. «Wie ein Schrei der Auflehnung und Verzweiflung» wirke das Werk. Im Jahr 1925 uraufgeführt, ist «Wozzeck» die erste vollständig atonale Oper.
Ein weiteres Meisterwerk Bergs ist die Oper «Lulu», die auf Frank Wedekinds Doppeltragödie «Erdgeist/Die Büchse der Pandora» beruht. Er verwendet hier die Zwölftontechnik und schafft damit die erste dodekaphonische Oper der Musikgeschichte. Mit der Tragödie rund um den Niedergang einer allzu schönen Frau knüpft Berg hier an legendäre Frauenbilder von Isolde bis Salome und an die erotischen Männerphantasien des Fin de Siècle an. Er konnte die Oper allerdings nicht mehr fertigstellen und starb zu Weihnachten 1935 an einer Blutvergiftung. Das Werk wurde von Friedrich Cerha beendet.
Berühmt ist auch Alban Bergs Violinkonzert aus dem Jahr 1935. In der Auftragsarbeit setzte er der mit 18 Jahren an Kinderlähmung gestorbenen Manon Gropius, der Tochter Alma Mahler-Werfels aus der Ehe mit dem Architekten Walter Gropius, ein musikalisches Denkmal. Der Untertitel heißt: «Dem Andenken eines Engels». Das Konzert wird bis heute als vollendete Synthese von Tradition und Zwölftonmusik gefeiert.
© 2010 dpa - Deutsche Presse-Agentur
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